Brücke zwischen den Kulturen schaffen

22.03.2018 • 12:06 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Die preisgekrönte Akrobatik aus dem Reich der Mitte wird wieder die Gesetze der Schwerkraft aufheben. SPOREr
Die preisgekrönte Akrobatik aus dem Reich der Mitte wird wieder die Gesetze der Schwerkraft aufheben. SPOREr

Mit „The Grand Hongkong Hotel“ präsentiert der Chinesische Nationalcircus einmal mehr unglaubliche Akrobatik.

schwarzach Im April gastiert der Chinesische Nationalcircus wieder in Vorarlberg. Raoul Schoregge, seit 17 Jahren Produzent des Circus, im VN-Interview.

 

Im April präsentieren Sie mit Ihrem Chinesischen Nationalcircus die neue Show „The Grand Hongkong Hotel“ auch in Vorarlberg. Worauf können sich die Zuschauer freuen?

Schoregge Der Chinesische Nationalcircus steht ja immer schon für die Präsentation unglaublicher Akrobatik. Ich bin seit 17 Jahren Produzent und habe stets versucht, das Ganze mit einer Kernaussage zu verknüpfen. Weil ich eine Brücke schlagen will zwischen den Kulturen. Ich möchte dem europäischen Publikum dieses fremde China näherbringen. Aus diesem Grunde ist es natürlich mehr als eine Aneinanderreihung von chinesischen Akrobatikelementen. Wir haben das Ganze quasi in ein Kammerspiel gefasst, in dem auch das Aufeinanderprallen der beiden Kulturen – Orient und Okzident – funktioniert oder eben auch nicht funktioniert.

Haben Sie einen besonderen Bezug zum Fernen Osten?

Schoregge Ja, absolut. Ich habe das Glück, dass mein Vater Kunstmaler war und mich an seiner Arbeit teilhaben ließ. Über die Bilderkunst bin ich dann auch nach Japan und China gekommen und habe mich da sehr für alles Chinesische interessiert. Ich habe ursprünglich Zirkusclown gelernt und als solcher habe ich auch mit chinesischen Akrobaten zusammengearbeitet. In mir ist eine große Liebe zur chinesischen Kultur gewachsen.

Setzen Sie sich noch manchmal die Clownnase auf?

Schoregge Man kann ja kein Clown gewesen sein, Clown bleibt man sein ganzes Leben. Natürlich ist es auch ein Handwerk, das man beherrschen muss, aber ich glaube, dass die mentale Einstellung, Clown zu sein, immer erhalten bleibt. Ein Clown ist ein Gefühlsproduzent und als solchen sehe ich mich auch in meiner Funktion als Produzent. Ich inszeniere mich auch immer mal wieder in die Show rein, quasi als Bindeglied zwischen den Kulturen, das funktioniert sehr gut.

Sie leiten seit dem Jahr 2000 die Produktion des Chinesischen Nationalcircus. Was hat sich in diesen 18 Jahren verändert?

Schoregge Erst mal hat sich in dieser Zeitspanne China komplett verändert, und zwar nicht nur zum Guten. Dadurch haben sich auch die Menschen verändert, mit denen ich arbeite. Aus diesem Grund bin ich in meinen Shows auch mehr in dieses moderne China, das an der Schwelle zur Weltmacht steht, gegangen. Ein großer deutscher Sänger – Udo Lindenberg – hat mal gesagt, man kann seinem Publikum etwas zumuten. Ich finde, das ist auch die Aufgabe eines jeden, der sich mit Entertainment beschäftigt, nämlich dass man das Ganze nicht total sinnfrei machen sollte, sondern dass man das Publikum neben dem Entertainment auch ein bisschen zum Nachdenken anregt. Im positiven Sinne.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft des Chinesischen Nationalcircus?

Schoregge Ich wünsche mir, dass wir die Chance bekommen, in diesen kleineren Erlebniseinheiten, nicht nur in großen Hallen, sondern auch in schönen Theatern auftreten zu können. Einfach weil ich persönlich finde, dass das die bessere Form der Unterhaltung ist. Ich weiß auch schon, wie – irgendwann – meine letzte Show lauten wird – Mao Tse-tung. Wenn ich eines Tages mit diesem Thema abrechne, werde ich wohl auch keine Show mehr in China machen dürfen. Das ist dann der Zeitpunkt, an dem ich aufhöre (lacht).

Zur Person

Name:  Raoul Schoregge

Geboren 28. Jänner 1969

Wohnort: Münster

Familienstand: Verheiratet, 3 Kinder

Lebensmotto: Leidenschaft gibt Kraft, die Zeit weist die Wege, der Liebe Süße schwächt die schlimmsten Schläge (Shakespeare)

Chinesischer Nationalcircus
„The grand Hongkong Hotel“:
14. April, Kulturhaus Dornbirn. Karten: Musikladen, Raiffeisenbanken.