„Wir spielen Fiddelmusik aus ganz Europa“

13.06.2019 • 13:05 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Evelyn Fink Mennel (3. v. r.) und Messis Cellogruppe. Cernenschek
Evelyn Fink Mennel (3. v. r.) und Messis Cellogruppe. Cernenschek

Evelyn Fink-Mennel über Streichmusik und „Messis Cellogruppe“.

schwarzach Ende Juni findet das erste Folk Festival in St. Arbogast statt. Mit dabei ist auch „Messis Cellogruppe“, die vor vier Jahren von Evelyn Fink-Mennel gegründet wurde. Die Bregenzerwälder Musikerin im VN-Interview.

 

Wie ist „Messis Cellogruppe“ entstanden?

Fink-Mennel Die Mitglieder sind alles ehemalige Streicher-Schüler der Musikschule Bregenzerwald. Mit einigen hat sich der Kontakt gehalten und wir fuhren gemeinsam auf Sommerkurse. Und weil wir das musikalische Flair der Sommerkurse ganzjährig haben wollten, begannen wir, auch unterm Jahr zu spielen. Für unseren ersten Auftritt haben wir dann einen Gottesdienst in der Schwarzenberger Kirche ausgesucht und so nahm dann alles seinen Lauf. Wir sind eigentlich zu neunt, drei von unseren Mitgliedern sind zum Zeitpunkt des Folk Festivals aber gerade auf Maturareise und fallen für dieses Konzert aus. Da wir ein Streicher-Kollektiv sind, sind wir dennoch als Formation spielfähig. Beim Konzert in Arbogast werden wir dann gemeinsam mit dem südafrikanischen „Bochabela String Orchestra“ auftreten.

 

Was für Musik spielt Messis Cellogruppe?

Fink-Mennel Wir spielen Fiddelmusik aus ganz Europa. Wir lernen Musik direkt von einem Menschen durch Abhören und spielen daher alles ohne Noten.

 

Welche musikalischen Ziele verfolgen Sie mit „Messis Cellogruppe“?

Fink-Mennel Bisher ist alles mehr oder weniger zufällig passiert, einfach aus Freude am gemeinsamen Musizieren. Aber schon lange war es ein Ansinnen, Streichermusik mit Volksmusik aus aller Welt auch hier in Vorarlberg zu etablieren. Nun aber verändert sich bandintern manches, drei der Gruppe machen Matura und sind ab Herbst möglicherweise woanders, ein Mitglied studiert bereits in Wien. Jetzt muss ich die jungen Leute erst mal machen lassen und schauen, wo es sie hinzieht. Noch aber spielen wir am 7. Juli beim 19. Benefizkonzertnachmittag im Kapuzinerkloster in Bregenz und am 22. September beim Familienkonzert Kuno Kinderkultur in der Parkhalle Egg.

 

Sie sind eine Verfechterin der Volksmusik. Warum?

Fink-Mennel Ich habe Klassik studiert, aber die Volksmusik war durch ein musizierendes Elternhaus immer präsent. Als Musikvermittlerin sehe ich heute die Bedeutung dieses Genres sowohl für die Gesellschaft an sich, wie auch für die musikalische Bildung von Kindern. Auch muss man klarstellen, dass es einen Unterschied zwischen der überlieferten Volksmusik und der volkstümlichen Musik gibt. Klang, Lieder und Tänze der eigenen Region zu kennen ist spätestens dann wichtig, wenn man in anderen Ländern gefragt wird: und wie klingt es bei dir zu Hause? Dann wird das Eigene Teil der Weltmusik. 

 

Beim Folk Festival Arbogast wird auch die Ausstellung „Das Bregenzer Festival 1976-1979“ zu sehen sein. Welche Rolle spielen Sie hier?

Fink-Mennel Ich forsche am Landeskonservatorium zum Thema Volksmusik und Folkmusik. Ein zentraler Kern der zu bearbeitenden Bestände ist der „Folk-Nachlass-Haid“, der vom Volkskundler Ehepaar Gerlinde und Hans Haid übernommen und dem Vorarlberger Landeskonservatorium einverleibt werden konnte. In diesen Beständen habe ich Hinweise gefunden, dass es am Gebhardsberg in den 70ern Folk-Festivals gegeben hat. Nach langer Recherche konnten mittlerweile viele Informationen zusammengetragen werden: Programme, Fotos, Tonaufnahmen usw. Wir bereiten diesen Aspekt der Vorarlberger Kulturgeschichte nun in einer multimedialen Ausstellung auf.

 

Welchen Satz möchten Sie unseren Lesern zum Thema Volksmusik unbedingt noch sagen?

Fink-Mennel Ich lade interessierte Menschen ein, an den regelmäßigen Angeboten zum „Mit-tanzen“, den instrumentalen und vokalen Angeboten im Lande teilzunehmen – als Akteurin und Akteur der gemeinsamen musikalischen Klanglandschaft. VN-ea

Zur Person

Evelyn Fink-Mennel

Geboren 5.10.1972
Wohnort Schwarzenberg
Lebensmotto Menschen ins lustvolle Musizieren verwickeln

Folk Festival Arbogast: 28. bis 30. Juni, St. Arbogast in Götzis. Infos zum Programm: folkfestival.arbogast.at