„Wir müssen nicht andere kopieren“

Extra / 20.11.2014 • 16:48 Uhr / 8 Minuten Lesezeit
„Vorarlberg konnte sich in den vergangenen Jahren eine sehr hohe Wintertourismuskompetenz aneignen“, sagt Landesstatthalter Karlheinz Rüdisser.  Foto: L. Berchtold
„Vorarlberg konnte sich in den vergangenen Jahren eine sehr hohe Wintertourismuskompetenz aneignen“, sagt Landesstatthalter Karlheinz Rüdisser. Foto: L. Berchtold

Landesstatthalter Karlheinz Rüdisser und WKV-Spartenobmann Hans-Peter Metzler im VN-Interview.

Bregenz. (VN-sas, ger) Warum die vorarlbergweite Skikarte in den nächsten Jahren Realität wird und das Land seinen eigenen Weg in Sachen Tourismus gehen will.

Herr Rüdisser, lange haben Sie sich für eine vorarlbergweite Skikarte eingesetzt, jetzt wird die Ländle-Card Realität. Wie groß ist die Freude?

Karlheinz Rüdisser: Nach intensiven Verhandlungen ist es gelungen, in dieser Wintersaison einen weiteren wichtigen Schritt in Richtung einer vorarlbergweiten Skikarte in Ergänzung zu regionalen und lokalen Saisonkarten zu gehen. Wir sind heute sehr nahe an der Idee einer vorarlbergweiten Skikarte. Ich bin überzeugt, dass sie in den nächsten Jahren umgesetzt wird.

Was erwarten Sie sich von der Ländle-Card?

Rüdisser: Mit der Ländle-Card wird das Gesamtangebot in Vorarlberg und damit die Wahlmöglichkeit für Skifahrer sinnvoll erweitert. Die vorarlbergweite Skikarte bietet Vielfalt und Abwechslung für Tagesbesucher und Aufenthaltsgäste. Damit kann auch eine sehr interessante Zielgruppe im Bodenseeraum angesprochen werden. Vorarlberg wird als Wintersportdestination damit weiter attraktiviert. Ich bin überzeugt, dass das neue Angebot gut angenommen wird. Die Erfahrung in anderen Bundesländern zeigt aber, dass mit einer gewissen Anlaufzeit zu rechnen ist.

Erneut wurden die Ticketpreise für die Skigebiete im Land um 3,3 Prozent erhöht. Wird Skifahren im Land nun noch mehr zum Luxusgut?

Rüdisser: Für die kommende Wintersaison 2014/15 wurden rund 47 Millionen Euro in neue Liftanlagen, Pistenoptimierungen, den Ausbau der Gastronomie, in Energieeffizienz und die Ausbildung von Mitarbeitern investiert. Diese Investitionen sind enorm wichtig, um im intensiven Wettbewerb bestehen zu können. Mit der genannten Erhöhung der Ticketpreise erfolgte seitens der Seilbahnwirtschaft eine leistungsgerechte Preisanpassung. Im internationalen Vergleich liegt Vorarlberg mit seinen Ticketpreisen im Mittelfeld. Wir verfügen über Skigebiete von unterschiedlicher Größe und Preisklasse. Vorarlberg kann die diversen Kundenbedürfnisse durch die vielfältigen Angebote sehr gut abdecken.

Was gibt es Neues bezüglich Schul- bzw. Ausbildungskonzept? Wurde mittlerweile ein Standort ins Auge gefasst?

Hans-Peter Metzler: Einige noch offene Fragen zum Bildungskonzept werden im Moment auf Landesebene geprüft, um dann mit dem Bund in entsprechende, konkrete Verhandlungen zu treten. Parallel dazu erwarten wir uns eine erste Runde der Evaluierung möglicher Standorte für den Schulbau. Die konkrete, endgültige Entscheidung für einen Standort hängt dann auch vom mit dem Bund zu verhandelnden pädagogischen Konzept ab. Wir hoffen, diese Entscheidungsgrundlagen bis Mitte nächsten Jahres auf dem Tisch zu haben.

Apropos Tourismusstrategie 2020: Welche besonderen Projekte sind in nächster Zeit geplant?

Metzler: Die Strategie 2020 beginnt sich immer mehr zu verfestigen. In der Wirtschaftskammer, beim Land, bei Vorarlberg Tourismus, in den Destinationen und bei unseren Betrieben gibt es schon viele Initiativen und Projekte, die unsere gemeinsamen Ziele anstreben. Außerdem haben es unsere zentralen Anliegen – Bildung, Regionalpartnerschaft, Entbürokratisierung oder Tourismusfinanzierung

– ins Regierungsprogramm geschafft. Die wichtigsten Projekte vonseiten der Wirtschaftskammer sind die angelaufene Image-Nachwuchskampagne „Stars hinter den Sternen“, die Star-Mitarbeiter Card, die wir 2015 umsetzen und damit verbunden der Aufbau einer Mitarbeiterplattform und Community. Ein weiterer zentraler Schritt ist der Start des Projekts „Gastgeber auf Vorarlberger Art“, das Betriebe abholt, begleitet und auszeichnet. Auf Landesebene ist das Projekt „Zielbild neu“ von Vorarlberg Tourismus im Finale. Außerdem geben wir noch in diesem Jahr den Startschuss zum Projekt Regionalpartnerschaft, das uns helfen soll, die Zusammenarbeit mit der heimischen Landwirtschaft zu professionalisieren. Viele Dinge sind auf den Weg gebracht und verdichten sich. Wir haben aber noch viel Arbeit und wichtige Entscheidungen zur Umsetzung unserer Ziele vor uns.

In der vergangenen Sommersaison haben sich die Nächtigungen stark in den Herbst verlagert. Welche Herausforderungen bringt das mit sich? Ist eine solche Verschiebung auch im Winter zu beobachten?

Metzler: Die Verlagerung der Nächtigungen in den Herbst ist ein gutes Zeichen in Richtung Saisonverlängerung.

Der Herbst hat den wetterbedingt etwas schlechteren Sommer größtenteils kompensiert. Das ist erfreulich und hat auch mit den guten Angeboten und vielen Investitionen unserer Betriebe zu tun. Im Winter gibt es solche Verschiebungen und Reserven nicht. Nach Ostern ist die Saison gelaufen. Hier spielt eher der Zeitpunkt des Starts der Wintersaison eine Rolle.

Von welchem Land könnte Vorarlberg bezüglich Wintertourismus noch etwas lernen?

Metzler: Wir können von allen Ländern und Regionen etwas lernen und müssen unser Wettbewerbsumfeld

genau beobachten. Allerdings gehen wir unseren Weg auf Vorarlberger Art. Das heißt, wir bieten jetzt schon Spitzenleistungen und wollen diese auf Basis unserer Strategie und mit Inhalten wie Regionalität, Gastfreundschaft und Nachhaltigkeit noch weiterentwickeln und unverwechselbar machen.

Wir müssen nicht viel von anderen kopieren, sondern an unserem eigenen Weg arbeiten.

Rüdisser: Vorarlberg konnte sich in den vergangenen Jahren eine sehr hohe Wintertourismuskompetenz aneignen. Im internationalen Ranking belegen Skiregionen wie der Arlberg, das Kleinwalsertal oder das Montafon Top-Positionen. Unser Blick zur Weiterentwicklung der touristischen Stärken Vorarlbergs ist in erster Linie nach innen gerichtet. Auf Grundlage professioneller Strukturen auf Landesebene und in den Destinationen werden wir die regionalen Stärken sowohl im Winter- als auch im Sommertourismus weiter ausbauen und darüber hinaus regionsübergreifende Synergien nutzen.

Wo sind Sie im Winter unterwegs – Urlaub bereits geplant?

Rüdisser: Ich freue mich schon sehr aufs Skifahren und vor allem auf Skitouren mit unberührten Pulverschneehängen in den verschiedenen Regionen unseres Landes. Ein Skiurlaub mit Freunden am Arlberg ist ebenso fix geplant wie ein paar Skitourentage in der Silvretta.

Metzler: Ich bin derzeit im Urlaub und freue mich auf eine hoffentlich gute Wintersaison im eigenen Betrieb und in allen Regionen unseres Landes.

Wir sind mit der Ländle-Card sehr nahe an der Idee einer vorarlbergweiten Skikarte.

Karlheinz Rüdisser

Wir bieten jetzt schon Spitzenleistungen und wollen diese noch weiterentwickeln.

Hans-peter Metzler
Karlheinz Rüdisser und Hans Peter Metzler im Gespräch. VN/Paulitsch
Karlheinz Rüdisser und Hans Peter Metzler im Gespräch. VN/Paulitsch

Zur Person

Hans-Peter Metzler

Obmann der Sparte Tourismus und Freizeitwirtschaft der WKV

Geboren: 8. August 1965

Familie: verheiratet, drei Töchter

Ausbildung: 3 Jahre Tourismusschule Bludenz, 3 Jahre Aufbaulehrgang für höhere Tourismusberufe in Bludenz, Matura

Karriere: 1986 Übernahme der Verantwortung im elterlichen Betrieb, seit 2010 Obmann der Sparte Tourismus und Freizeitwirtschaft in der WKV

Unternehmen: Hotel „Das Schiff “ in Hittisau

Karlheinz Rüdisser

Landesstatthalter

Geboren: 25. Februar 1955

Familie: verheiratet, eine Tochter, zwei Söhne

Ausbildung: Matura an der Handelsakademie Bregenz, Studium der Handelswissenschaften an der WU Wien

Karriere: Wirtschaftsabteilung des Landes (1980–1986), Leiter der Wirtschaftsabteilung (1986–2008), Vizebürgermeister Lauterach (1995–2008), Landesrat (2008–2011), seit Dezember 2011 Landesstatthalter