Mit Mülltrennung zum Erhalt der Umwelt beitragen

Extra / 28.06.2015 • 18:30 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
BiomüllIn die Biotonne gehören Obst-, Gemüse- und Speisereste. Kunststoffsäcke, Katzenstreu und Hygieneartikel müssen anders entsorgt werden. Der Bioabfall wird über die Vergärungsanlage zu Biogas (für Strom und Wärme) verarbeitet, dann erfolgt die Kompostierung.
Biomüll
In die Biotonne gehören Obst-, Gemüse- und Speisereste. Kunststoffsäcke, Katzenstreu und Hygieneartikel müssen anders entsorgt werden. Der Bioabfall wird über die Vergärungsanlage zu Biogas (für Strom und Wärme) verarbeitet, dann erfolgt die Kompostierung.

Die Vorarlberger sind Österreichs Recyclingkaiser. Zu tun gibt es aber trotzdem genug.

Schwarzach. In Vorarlberg werden Mülltrennung und Recycling großgeschrieben. Nach Erhebungen der Altstoff Recycling Austria (ARA), die in Österreich Sammlung, Sortierung und Verwertung von Verpackungsabfällen organisiert und finanziert, lag die Sammelmenge von wiederverwertbarem Altpapier und Verpackungen pro Vorarlberger Haushalt im Jahr 2014 bei etwa 147,3 Kilogramm. Zum Vergleich: Beim Zeitplatzierten Burgenland liegt der Wert bei 142 Kilogramm, in Wien sogar nur bei 88,4 Kilogramm pro Einwohner. Der österreichische Durchschnitt beträgt 116,5 Kilogramm. Das ist ein gutes Zeugnis für das westlichste Bundesland. Kann sich Vorarlberg als Recyclingkaiser aber auf seinen Lorbeeren ausruhen?

„Bewusstsein fehlt oft“

„Nein“, sagt Jürgen Ulmer, Abfall- und Umweltberater beim Umweltverband. „Wir sind in Vorarlberg zwar gute Trenner und haben die besten Quoten, aber ich habe den Eindruck, dass das nachlässt.“ Bei vielen Menschen würde das Bewusstsein für die Bedeutung von Recycling fehlen, so der Experte. Dabei sei gute Mülltrennung das A und O. Ulmer liefert ein Beispiel: „Wenn Porzellan bzw. Kochgeschirr im Glasmüll landet, kann das eine ganze Lkw-Ladung an wiederverwertbarem Glas kaputt machen.“ Grund dafür sei die unterschiedliche Schmelztemperatur der Materialien. Glasabfälle werden erhitzt und geschmolzen, um das Material erneut für die Produktion nutzen zu können.

Ein weiteres Problem ergebe sich auch dahingehend, dass viele Menschen Plastiksäcke, in denen beispielsweise Obst und Gemüse aus dem Supermarkt eingepackt ist, in den Biomüll werfen. Das ist dann bei der Verbrennung der Abfälle zu Biogas problematisch. „Viele Leute wissen leider nicht, wie man richtig trennt“, stellt der Abfall- und Umweltberater fest. Außerdem lande sehr vieles im Restmüll, das eigentlich anderweitig recycelt werden könnte. Dort sollte aber wirklich nur entsorgt werden, was nicht mehr verwertbar ist. Alles andere gehört sauber getrennt.

Der Recyclingzyklus in Vorarlberg läuft folgendermaßen ab: Nach der Sammlung der getrennten Abfälle gelangt der Müll zu den Sortier- und Verwertungsbetrieben. Während Papier-, Metall- und Glas-Abfälle zur Firma Loacker in Götzis kommen, gelangt Kunststoff zur Firma Häusle in Lustenau. Nach der Sortierung erfolgt die Weitergabe des Materials. Die ARA in Wien kümmert sich um die Sammlung und Verwertung von Verpackungsmaterialien.

Vieles kann verwertet werden

Für die unterschiedlichen Materialen gibt es verschiedene Verwertungsmöglichkeiten: Neben dem erwähnten Einschmelzen von Glas und der Gewinnung von Biogas aus Bioabfall werden etwa Kunststoffverpackungen zu neuen Produkten verarbeitet oder für die Gewinnung von Wärmeenergie genutzt, Altpapier erneut zu Kartonagen und Recyclingpapier verarbeitet und Metall nach der maschinellen Sortierung für den Einsatz im Stahlwerk aufbereitet, um nur einige Beispiele zu nennen. Dazu kommen Wiederverwertungsmöglichkeiten von Sperrmüll, Bauschutt, Elektroaltgeräten, Altkleidern und vielem mehr. „Es gibt nur wenige Stoffe, die nicht verwertet werden können“, erklärt Ulmer.

Handyrecycling auch möglich

„Vielen ist unklar, dass auch elektronische Altgeräte recycelt werden können“, sagt der Abfall- und Umweltberater. Alte Mobiltelefone würden etwa unterschiedliche Materialien wie Gold oder seltene Erden enthalten, welche in der Industrie dringend gebraucht werden. Ulmer verweist diesbezüglich besonders auf das Material Tantal, das in Afrika teils unter sklavenähnlichen Bedingungen abgebaut werde. Wird ein Telefon nicht ordnungsgemäß recycelt, geht dieses Material verloren. „Handyrecycling passiert bei uns leider noch zu wenig“, sagt der Experte. Dabei können in jeder Gemeinde an gewissen Tagen Problemstoffe abgegeben werden.

CO2 einsparen

Dass sich Recyclingbemühungen positiv in der Umweltbilanz niederschlagen, zeigen aktuelle Zahlen der ARA. Diese hat im Jahr 2014 805.000 Tonnen Verpackungen verwertet. Mittels eines Ökobilanzmodells, welches alle Packstoffe umfasst und vom Umweltbundesamt und der Technischen Universität Wien geprüft wird, zeigt sich: Österreich hat allein im Jahr 2014 durch seine Recyclingbemühungen 670.000 Tonnen CO2 eingespart. Für den Recyclingkaiser Vorarlberg gibt es also genug zu tun, damit noch mehr Einsparungen möglich werden.

Vorarlberger sind zwar gute Mülltrenner, aber ich habe das Gefühl, dass das nachlässt.

Jürgen Ulmer
Alte Kunststoffflaschen können zur Herstellung neuer Produkte genutzt werden. Fotos: ARA/Ehringer
Alte Kunststoffflaschen können zur Herstellung neuer Produkte genutzt werden. Fotos: ARA/Ehringer
WeißglasWährend farblose Glasverpackungen wie Flaschen in allen Größen und Formen in den Weißglascontainer kommen, gilt das nicht für Fenster-, Spiegelglas oder Porzellan. In der Industrie ist gebrauchtes Verpackungsglas mittlerweile der wichtigste Rohstoff für neue Glasverpackungen.
Weißglas
Während farblose Glasverpackungen wie Flaschen in allen Größen und Formen in den Weißglascontainer kommen, gilt das nicht für Fenster-, Spiegelglas oder Porzellan. In der Industrie ist gebrauchtes Verpackungsglas mittlerweile der wichtigste Rohstoff für neue Glasverpackungen.
BuntglasGlas muss je nach Beschaffenheit in Weißglas- oder Buntglascontainern entsorgt werden und sollte keinesfalls vermischt werden. Auch Trinkgläser oder Porzellan haben hier nichts verloren. Das Altglas wird eingeschmolzen und zu neuen Glasprodukten verarbeitet.
Buntglas
Glas muss je nach Beschaffenheit in Weißglas- oder Buntglascontainern entsorgt werden und sollte keinesfalls vermischt werden. Auch Trinkgläser oder Porzellan haben hier nichts verloren. Das Altglas wird eingeschmolzen und zu neuen Glasprodukten verarbeitet.
AltmetallIn die blaue Tonne kommen Getränke- und Konservendosen aus Aluminium, Schraubverschlüsse und Alufolien. Plastiksäcke, Eisenschrott und Elektrogeräte sollten dort nicht landen. Beim Recycling wird Ferrometall von Aluminium getrennt. Beides kann weiterverwertet werden.
Altmetall
In die blaue Tonne kommen Getränke- und Konservendosen aus Aluminium, Schraubverschlüsse und Alufolien. Plastiksäcke, Eisenschrott und Elektrogeräte sollten dort nicht landen. Beim Recycling wird Ferrometall von Aluminium getrennt. Beides kann weiterverwertet werden.
KunststoffIm gelben Sack landen zum Beispiel Joghurtbecher oder Tetrapack. Nicht hinein gehören Spielzeugwaren und CDs. Kunststoffverpackungen werden getrennt, gesäubert, geschmolzen und zu Granulat verwertet. Dieses kann zur Herstellung neuer Produkte verwendet werden.
Kunststoff
Im gelben Sack landen zum Beispiel Joghurtbecher oder Tetrapack. Nicht hinein gehören Spielzeugwaren und CDs. Kunststoffverpackungen werden getrennt, gesäubert, geschmolzen und zu Granulat verwertet. Dieses kann zur Herstellung neuer Produkte verwendet werden.
AltpapierBücher, Schreibpapier, Zeitungen und Kartons landen alle im Papiermüll. Tetrapack-Verpackungen haben dort allerdings nichts zu suchen. Das gesamte in Österreich gesammelte Papier kann für die Erzeugung neuer Papierprodukte genutzt werden.
Altpapier
Bücher, Schreibpapier, Zeitungen und Kartons landen alle im Papiermüll. Tetrapack-Verpackungen haben dort allerdings nichts zu suchen. Das gesamte in Österreich gesammelte Papier kann für die Erzeugung neuer Papierprodukte genutzt werden.