„Senioritätslöhne sind ein Unding“

05.11.2015 • 17:23 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Professor Monika Bütler sprach vielen Besuchern aus dem Herzen, als sie sich gegen die Regulierungswut aussprach.
Professor Monika Bütler sprach vielen Besuchern aus dem Herzen, als sie sich gegen die Regulierungswut aussprach.

Die Schweizer Volkswirtin Monika Bütler kritisiert das niedrige Pensionsantrittsalter in Österreich.

Bregenz. „Europa wird alt“, das zeigt die Bevölkerungsentwicklung deutlich auf. Immer weniger junge Menschen stehen einem wachsenden Anteil an Menschen gegenüber, die ihren Ruhestand antreten. Das führt zu gravierenden Problemen bei der Finanzierung der Pensionen. Das Problem betrifft nicht nur Österreich, sondern auch viele andere Staaten. Aber die Lösungen sind nicht überall gleich. Monika Bütler, Professorin für Volkswirtschaft an der Hochschule St. Gallen, ist eine der einflussreichsten Ökonominnen der Schweiz. Sie beschäftigt sich schon länger mit der Alterung der Bevölkerung und zeigt mit klaren Statements auf, dass diese nicht nur eine potenzielle Gefahr, sondern auch eine Chance sein kann. Allerdings fordert Bütler klare Änderungen ein. So ist für sie ein Anheben des Pensionsantrittsalters ein wichtiger erster Schritt, der angepackt werden muss. Dass Österreich hier viel weniger aktiv ist als etwa die Schweiz oder Deutschland wundert sie. „Ich weiß nicht, wie Österreich das finanziert. Es ist erstaunlich, dass es nicht schon jetzt Verwerfungen gibt.“ Dabei ist das Anheben des tatsächlichen Antrittsalters für die Volkswirtin nur ein erster Schritt. Sie glaubt, dass ein Eintrittsalter zwischen 65 bis 67 Jahre notwendig ist. Dabei sollten aber auf jeden Fall auch Lösungen für all diejenigen gefunden werden, die gerne länger arbeiten möchten. In weiterer Folge ist für sie denkbar, dass man das Pensionsantrittsalter an die Lebenserwartung koppelt.

Ältere verdrängen nicht

Die Senioritätslöhne, die in Österreich stark verbreitet sind, sind für Bütler „ein Unding“. Denn die automatischen Lohnvorrückungen machen die älteren Arbeitnehmer im Vergleich tatsächlich teurer und sorgen dafür, dass Unternehmen danach trachten, diese in die Frühpension zu schicken. Denn das stimme eigentlich nicht unbedingt. Studien belegen, dass ältere Arbeitnehmer nämlich produktiver sind. Sie machen weniger Fehler und weisen auch weniger Fehlstunden auf. Auch mit einem anderen Vorurteil räumt Bütler auf: Ältere Arbeitsnehmer nehmen jüngeren keine Jobs weg. Weder Arbeitszeitverkürzungen noch früheres Pensionantrittsalter würden für mehr Jobs sorgen, das sei empirisch belegt, so Bütler. Es kommt zwar bei einer Erhöhung des Pensionsantrittsalters zu einer höheren Arbeitslosigkeit. Das hat aber damit zu tun, dass die bereits arbeitslosen älteren Personen dadurch länger in der Statistik berücksichtigt werden.

Frauen als Potenzial

Ein weiteres Anliegen ist für Bütler, dass man das Potenzial der Frauen besser nutzt. Das viele Frauen sich nach der Geburt ihrer Kinder aus dem Arbeitsmarkt ausklinken, sei teuer. Wenn etwa eine Ärztin mit 30 aufhöre zu arbeiten, dann koste sie den Staat etwa eine halbe Million an Ausbildungskosten. Bütler fordert, dass sich Arbeit lohnen müsse, das sei heute für Zuverdiener oft nicht der Fall, da sie dann oft um finanzielle Unterstützung umfallen würden. Hier könnte eine Senkung der Lohnkosten, bei Streichung von Subventionen, helfen. Die Volkswirtin hält allerdings nichts von der Frauenquote. Um Frauen bessere Chancen zu geben, seien Sensibilisierung und Aufklärung wichtig. Die Diskussion um die Quote habe hier schon viel bewirkt, erkennt Bütler ein Umdenken.

Ich weiß nicht, wie das Österreich finanziert. Es ist erstaunlich, dass es nicht jetzt schon Verwerfungen gibt.

Monika Bütler

Zur Person

Monika Bütler

Professorin für Volkswirtschaftslehre & Dekanin, Hochschule St. Gallen

Geboren: 9. Oktober 1961

Ausbildung: Studium Mathematik und Physik, Zürich, Volkswirtschaft HSG

Laufbahn: Tilburg University (NL), Universität Lausanne (CH)