„Jeder ist eine wichtige Visitenkarte“

17.11.2015 • 08:13 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Die Rekrutierung von Personal fordert Gerald Fleisch als Direktor der Krankenhausbetriebsgesellschaft beständig.  Foto: vn/paulitsch
Die Rekrutierung von Personal fordert Gerald Fleisch als Direktor der Krankenhausbetriebsgesellschaft beständig.  Foto: vn/paulitsch

Mitarbeiter sollen gerne im Spital arbeiten und sich gerne ihrer Arbeit widmen.

feldkirch. Mit rund 4000 Beschäftigten zählen die Landeskrankenhäuser zu den größten Arbeitgebern im Land. Patienten und Mitarbeitern gleichermaßen gerecht zu werden und dabei die Finanzierung im Auge zu behalten, ist ein Balanceakt, der tagtäglich gefordert wird.

Welche Verantwortung trägt ein Unternehmen der Größe der KHBG grundsätzlich?

fleisch: Verantwortung trägt das Unternehmen in zweifacher Hinsicht: einerseits gegenüber den Vorarlbergerinnen und Vorarlbergern als Patienten, andererseits als Steuerzahler, die sie fast alle sind. Das heißt, wir müssen den Balanceakt schaffen zwischen möglichst kostengünstig arbeiten, und möglichst viel anbieten von dem, was sinnvoll ist. Dort stellt sich die Frage, was sinnvoll ist, und da können wir nicht jedem überall alles ermöglichen, sondern im Rahmen der Finanzierungsgegebenheiten das Bestmögliche zukommen lassen.

Was bedeutet Verantwortung, auf die rund 4000 Mitarbeiter bezogen?

fleisch: Die Gesundheit ist ein extrem sensibles Gut. Jeder Mitarbeiter trägt eine hohe Verantwortung. Im Grunde hat jeder eine wichtige Funktion, ob Portier, Putzfrau oder Primararzt. Jeder ist eine Visitenkarte des Unternehmens, und die Visitenkarte wiederum stellt meiner Ansicht nach eine gesellschaftliche Wertigkeit der Gesundheit dar.

Wie pflegt das Management diese Visitenkarten?

fleisch: Es wird versucht, ein sinnvolles Entlohnungssystem und sinnvolle Rahmenbedingungen zu schaffen, aber auch eine gewisse Strenge und Berechenbarkeit zu zeigen. Das heißt, nicht jeder Mitarbeiter bekommt jeden Wunsch erfüllt. Es geht immer darum, das System aus Patientensicht so zu organisieren, dass die Mitarbeiter gerne im Spital arbeiten und sich gerne ihren Aufgaben widmen.

Gibt es Befragungen zur Befindlichkeit der Mitarbeiter?

fleisch: Ganz aktuell ist die Evaluation der psychischen Belastungen in den Krankenhäusern im Gange. Da zeigt sich, dass wir im Grunde sehr gut aufgestellt sind, aber es doch einzelne Bereiche gibt, wo der Druck auf die Leute hoch ist. Da müssen wir eben immer wieder reagieren. Auf Basis vorangegangener Befragungen würde ich uns die Note „Gut plus“ geben.

Was fehlt auf ein „Sehr gut“?

fleisch: Die Frage ist, ob es ein „Sehr gut“ überhaupt braucht.

Wer kann das beantworten: Patient oder Mitarbeiter?

fleisch: Letztlich wohl niemand, weil es da immer dieses Kräftefeld von finanziellen Möglichkeiten und Mitarbeiter- bzw. Patientenzufriedenheit gibt.

Wie präsent sind denn die Chefs in den Häusern?

fleisch: Das kann ich schwer beurteilen. Die Geschäftsführung hat einen extrem hohen Arbeitseinsatz, versucht jedoch, trotzdem auch viel vor Ort zu sein. Wobei: Wir sind nicht so wichtig. Wichtig ist, dass der Patient sich gut aufgehoben fühlt und der Mitarbeiter im Rahmen seines Hauses eine Heimat hat.

Wo gibt es noch personelle Baustellen?

fleisch: Das Gesundheitswesen ist generell eine Baustelle. Personell standen und stehen wir vor gewaltigen Herausforderungen. Dazu gehört das neue Arbeitszeitgesetz, bei dem es Österreich unglücklicherweise geschafft hat, mehr umzusetzen, als die EU-Richtlinie vorgibt. Der schwelende Ärztemangel verschärft die Situation ebenfalls. Da der Ärzteberuf immer weiblicher wird, braucht es auch da geeignete Arbeitsmodelle.

Gibt es beim Ärztebedarf im Spitals- und niedergelassenen Bereich so etwas wie einen Konkurrenzkampf?

Fleisch: Diesbezüglich stecken wir in einem Spannungsfeld. Unser vorrangiger Auftrag ist es, die Spitalsversorgung zu sichern. Aber wir sind das mit Abstand größte Ausbildungsunternehmen und haben die Verantwortung, auch hinaus auszubilden. Es braucht gemeinsame Anstrengungen, um vor allem den Beruf des Allgemeinmediziners attraktiver zu machen. Wir müssen jungen Ärzten die Sicherheit geben, auch im niedergelassenen Bereich gute Arbeit zu leisten, etwa durch stärkeren Einbezug der Lehrpraxen.

Unser vorrangiger Auftrag ist es, die Spitalsversorgung zu sichern.

Gerald Fleisch

Fakten

» 4000 Mitarbeiter gibt es in den fünf Landeskrankenhäusern

» 676 davon sind Ärztinnen und Ärzte

» 1934 Beschäftigte zählt die Pflege

» 1295 Stellen entfallen auf andere Berufe

» 39.000 Operationen werden jährlich durchgeführt

» 470 Millionen Euro fließen in den Spitalsbetrieb