Kampf der Sturzgefahr bei Senioren

Extra / 17.11.2015 • 11:27 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Bewegung in der Gruppe ist nicht nur sehr gesund, sondern macht Senioren auch Spaß. Foto: VN/Steurer
Bewegung in der Gruppe ist nicht nur sehr gesund, sondern macht Senioren auch Spaß. Foto: VN/Steurer

Bei Sicheres Vorarlberg laufen alle Fäden für Sturzprävention
zusammen.

Dornbirn. Wer kennt sie nicht, diese Hiobsbotschaften: Die Oma ist gefallen, Oberschenkelhalsbruch, Spital, Pflegefall. . . Ältere Leute sind sturzgefährdeter als junge Menschen. Und wenn sie einmal richtig stürzen, dann hat das sehr oft schlimme Folgen. Die Initiative Sicheres Vorarlberg beschäftigt sich seit zehn Jahren mit diesem unangenehmen Phänomen und entwickelt dabei erfolgreich Strategien, die Zahl der Unfälle zu reduzieren und Senioren auf die mögliche Gefahren hinzuweisen. 

In Bewegung halten

„Bei uns bündeln sich die Aktivitäten für Senioren. Umgesetzt werden viele Programme und Kurse vom Kneippverein, vom Roten Kreuz, von den lokalen Turnerschaften, aber auch anderen Organisationen“, erklärt Sicheres-Vorarlberg-Geschäftsführer Franz Rein (62). 90 Trainerinnen und Trainer mit spezieller Zusatzqualifikation bieten derzeit Veranstaltungen für Senioren an, in deren Mittelpunkt die Sturzprävention steht. „Wir halten damit wöchentlich 4000 ältere Menschen in Bewegung“, belegt der Geschäftsführer von Sicheres Vorarlberg die Aktivitäten für ältere Menschen mit Zahlen.

Für ältere Menschen ist der Start mit einer Bewegungsaktivität im Rahmen eines Kurses oft nicht so leicht. „Da gibt es oft einige Hemmungen zu überwinden. Ältere Menschen scheuen sich nicht selten, sich einer solchen Gruppe anzuschließen“, weiß Franz Rein. „Allerdings“, so Rein weiter, „wenn sie dann erst einmal drinnen sind, gefällt es den meisten sehr gut.“

Risikofaktoren

Ältere Menschen können aus verschiedensten Gründen anfällig für Stürze mit schwerwiegenden Folgen werden. Da ist nicht nur der natürliche körperliche Altersprozess, vielfach sind auch psychische Faktoren dafür ausschlaggebend. Wenn Senioren zum Beispiel vereinsamen oder in Depressionen geraten, macht sie das auch körperlich schwächer und damit unsicherer.  Darüber hinaus kann auch die Einnahme von zu vielen Medikamenten die Sicherheit beeinträchtigen. „Soziale Kontakte sind daher sehr wichtig“, weiß Franz Rein. Dies halte Senioren oft fit und robust. „Und wenn sie sich mit Bewegung in Schwung halten, brauchen sie oft auch weniger Medikamente.“

Zu den Maßnahmen der Sturzprävention gehört auch die altersgemäße Adaptierung der Wohnung mit dem Ziel, Sturzfallen ausfindig zu machen und zu eliminieren. Für diese Aufgabe gibt es die Spezialisten vom IfS, welche Seniorenwohnungen inspizieren und entsprechende Adaptierungen vorschlagen.

Die Sturzrisikofaktoren bei Senioren sind mannigfaltig: Standunsicherheit, Gangunsicherheit, Schwierigkeiten beim Aufstehen, Schlafmitteleinnahme, Inkontinenz, Sehschwächen. Eine Vorarlberger Sturzstatistik des Jahres 2013 von Menschen im Alter von 65 Jahren und mehr, deren Stürze schwerwiegende Folgen hatten, ergab folgendes Bild: 1.439 Verletzungen mussten in den Vorarlberger Krankenanstalten behandelt werden.

Das Ranking der Verletzungen führen dabei Brüche des Oberschenkels (499), gefolgt von Frakturen der Lendenwirbelsäule und des Beckens (234), Frakturen im Bereich Schulter und des Oberarmes (173) sowie des Unterarmes (173) an, knapp gefolgt von Unterschenkelbrüchen und Brüchen des Sprunggelenks (164).

Gesamtanstrengung

Das Risikobewusstsein für die Sturzgefahr von Senioren ist bei diesen selbst und bei anderen schon längst vorhanden, „am Ziel unserer Bemühungen sind wir jedoch noch lange nicht“, betont Franz Rein. „Wir brauchen weitere gesamtgesellschaftliche Anstrengungen, um die Risiken auch in der Zukunft zu minimieren.“ Als Partner neben den bereits erwähnten Organisationen wünscht sich nicht nur Rein dabei die gesamte Bevölkerung. Vor dem Hintergrund der Tatsache, dass unsere Gesellschaft immer älter wird, ergibt sich dieser Anspruch nahezu von selbst.