„Das Buch erschafft eine Welt“

Extra / 17.06.2018 • 13:02 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Verena Petrasch und Wolfgang Hermann werden auf der Buch am Bach aus ihren Werken lesen.
Verena Petrasch und Wolfgang Hermann werden auf der Buch am Bach aus ihren Werken lesen.

Ein Autorengespräch über den Prozess des Schreibens.

Götzis Mit Verena Petrasch und Wolfgang Hermann lesen zwei Vorarlberger Autoren auf der siebten VN-Kinder- und Jugendbuchmesse Buch am Bach in Götzis.

Warum sind Sie bei der größten Kinder- und Jugendbuchmesse Buch am Bach dabei?

Hermann Es ist wichtig, dass Kinder fürs Lesen nicht verloren gehen.

Petrasch Ich merke, wie unser Sohn Felix viele Worte durch Bücher lernt.

Ab 20. August wird „Sophie im Narrenreich“ auch als Taschenbuch erhältlich sein. Mit einem völlig neuen Cover. Inwieweit regt das Cover die Fantasie der Leser an?

Petrasch Bilder nehmen viel vorweg. Ursprünglich hätte „Sophie im Narrenreich“ ja ein Bilderbuch werden sollen. Es gab dafür sogar schon Skizzen. Dann ist die Geschichte aber plötzlich explodiert. Irgendwann spürte ich, das wird mein Herzensprojekt.

Schreiben Sie ohne Bilder im Kopf?

Petrasch Ich bin ein visueller Mensch, habe neue Szenen sofort vor mir, ich muss nur die Augen zumachen und sie mir vorstellen. ­Schreiben ist unglaublich anstrengend. Nach vier Stunden ist mein Kopf leer und ich bin müde. Beim Layouten kann ich stundenlang Kästchen hin und her schieben und Schriftgrößen ausprobieren. Dazu kann ich Musik, Hörbücher, Podcasts etc. hören.

Hermann Schreiben ist Bilder in Folge zu bringen. So kann der Leser folgen. Das Buch erschafft eine Welt, das erwartet der Leser.

Wie gestaltet sich das Zusammenleben, wenn beide Partner schreiben?

Petrasch Ich habe das Gefühl, wir ergänzen uns. Jeder hat sein stilles Kämmerlein und wenn es so weit ist, lesen wir uns die Texte gegenseitig vor. Ich mag den Austausch. Ich empfinde ihn als Bereicherung.

Also kein gemeinsames Schreiben, sondern einsames Schreiben?

Hermann Wir haben mal was angefangen, ein Kinderbuch . . . Das hat Spaß gemacht.

Petrasch Wolfgang braucht beim Schreiben absolute Ruhe. Ich hingegen lese mir laut meine Texte vor. Das würde Wolfgang stören.

Hermann Ich beneide Musiker. Sie treffen sich, musizieren gemeinsam, probieren, stimmen ab, sprechen darüber. Beim Schreiben geht das nicht. Schreiben und Leben geht nicht gemeinsam. Ich brauche die Versenkung oder ich schreibe im Café. Da bin ich anonym. Manchmal denke ich, Schreiben ist mein Schicksal.

Lassen Sie sich beim Schreiben von der Idee leiten oder erstellen Sie vorab ein Konzept?

Petrasch Es ist großartig, wenn mich die Figuren leiten. Aber jetzt, bei meinem zweiten Buch, will der Verlag ein Konzept. Ich kann nicht mehr offen bleiben und darauf hören, was mir die Figuren sagen.

Hermann Manche Lektoren belassen das Manuskript, wie es ist. Ich habe aber auch schon erlebt, dass ein Lektor mein Buch umgeschrieben hat. Als ich es las, schoss mir: So schreibe ich gar nicht.

Frau Petrasch, als Grafikdesignerin arbeiten Sie täglich am Computer. Wechseln Sie einfach das Dokument, um zu schreiben?

Petrasch Ich muss mir meine Schreibzeit erkämpfen. Zwischen meinem Beruf und unserem Sohn Felix, bleibt nicht viel. Wenn ich eine halbe Stunde habe, muss sich die Zeit nutzen. Also hinsetzen und schreiben.

Verändert Schreiben das Lesen?

Petrasch Seit ich selbst schreibe, passiert es mir leider, dass ich schon mal Sätze im Kopf umformuliere. Das ist natürlich ein Fluch beim Lesen.

Wie ist das bei Ihren Büchern? Bekommen Sie bei Lesungen Rückmeldungen von den Kindern?

Petrasch Ich habe Briefe bekommen, in denen steht, wie schön mein Buch ist. Ein Mädchen hat mir sogar eine E-Mail gesendet, weil sie ein Referat über „Sophie im Narrenreich“ halten wollte. Sie kannte jede einzelne Szene und jede Figur, ich habe echt gestaunt. Ein Kind hat weitere Narren erfunden. Es ist wunderbar, wenn ein Buch im Leser weiterlebt.

Hermann Ich habe auch ganz viel Spaß bei den Lesungen. Wenn mich die Kinder mit offenen Augen und offenem Mund anschauen, spürt man so richtig, dass die Geschichte sie erreicht.

„Ich habe aber auch schon erlebt, dass ein Lektor mein Buch umgeschrieben hat.“