„Holzwurm“ mit Schreibzwang

Erwin Thoma möchte altes Wissen über den Wert von Wald und Holz bewahren.
Schwarzach. (VN-mm) Viele würden ihn wohl einfach als „Holzwurm“ bezeichnen. Und Dr. Erwin Thoma würde es ihnen wohl auch nicht verübeln. Dafür ist der Salzburger zu sehr mit dem Wald verbunden. Und das nicht nur aufgrund seines ursprünglichen Berufs als Förster. Thoma weiß auch um den gesundheitlichen Wert, den Wald und Holz zu bieten haben. Seine Erfahrungen schrieb er schon in diversen Büchern nieder. Sein neuestes Werk heißt „Die sanfte Medizin der Bäume“ und ist aktuell im Servus-Verlag erschienen.
Was verbindet Sie so intensiv mit dem Wald?
Thoma: Meine Brüder und ich wuchsen mit Bäumen, Holz- und Waldarbeit auf. Dann kamen die Ausbildung zum Förster und eine schöne Zeit als Revierförster im wohl einsamsten Tal Österreichs. Im Tiroler Karwendelgebirge war ich mit meiner Familie im Winter manchmal wochenlang eingeschneit. Zum Gemeindeamt mussten wir 80 Kilometer fahren. Dann wagte ich den Sprung in die Selbstständigkeit. Vom Großvater, dem alten Zimmermann, lernte ich Holzhäuser zu bauen. Ein eigenes Forschungszentrum, Patente und die gesündesten Holzhäuser folgten.
Wie ist dieses Buch zustande gekommen?
Thoma: Es ist so wenig bekannt, wie wirkungsvoll wir mit Holz unsere Gesundheit stärken oder wieder herstellen können. Darüber wollte ich ein Buch schreiben. Allerdings war mir klar, dass ich als Holzfachmann zwar sehr viel von den Bäumen weiß, wenn es um das Thema Gesundheit geht, allerdings einen Arzt dazu brauche. Als KoAutor konnte ich schließlich Prof. Dr. Maximilian Moser von der MedUni Graz gewinnen.
Kennen die Leute den Wert der Bäume eigentlich noch?
Thoma: Da gibt es sehr, sehr viel altes Wissen, das verloren geht und vom Vergessen-werden bedroht ist. Umgekehrt kommen aber gerade aus der letzten Zeit sensationelle neue medizinische Studien zum Thema daher. Und genau das ist die Intention des Buches. Altes und neues Wissen zusammenzufassen und so mitzuteilen, dass jeder in seinem Leben und seinem Umfeld etwas davon anwenden kann.
Kommt altes Wissen tatsächlich wieder so in Mode, dass Leute durch den Wald streichen und beispielsweise Harz sammeln?
Thoma: Einerseits ist es natürlich großartig, wenn es mit diesem Buch gelingt, eine so praktikable Anleitung zu liefern, dass beim eigenen Waldspaziergang die Augen geöffnet werden und bisher nicht gesehene Schätze zum Vorschein kommen. Aber es muss natürlich nicht jeder zum Waldläufer werden. Praktisch alle Zutaten in den beschriebenen Rezepten sind in Apotheken oder bei den im Buch angegebenen Quellen erhältlich.
Ist Holz so gesund, wie Sie es in Ihren Büchern darstellen?
Thoma: Nur ein Beispiel: Wer in einem Holzzimmer schläft– das kann auch ganz normale Fichte sein – erspart sich in einer Nacht die Herzarbeit von einer ganzen Stunde. Der Schlaf wird tiefer, die Nacht bietet mehr Erholung und damit Kraft für den nächsten Tag. Oder das Beispiel Hygiene: Früher wurden Holzbretter überall gegen Plastik ausgetauscht. Im Buch stellen wir Studien vor, die zeigen, dass Holz viel hygienischer ist. Bakterien sterben auf Holz rasch, während sie auf Plastik fröhlich weiterleben.
Holzhäuser sind ja wieder im Trend. Ist das mehr als nur eine Zeiterscheinung?
Thoma: Wir können am nachwachsenden Rohstoff Holz in Zukunft nicht mehr vorbei. Nur zwei Zahlen dazu: Allein die Zementproduktion stößt weltweit rund 3,5 Mal mehr CO2 aus als alle Flugzeuge weltweit. Und die Bauindustrie erzeugt Jahr für Jahr rund 60 Prozent des gesamten Menschheitsmülls. Allein daran sehen wir, dass die Menschen dringend Produkte und Materialien benötigen, die durch die Natur belastungsfrei erzeugt werden und nach langer Gebrauchsdauer wieder restlos in die Stoffkreisläufe der Natur rückgeführt werden können. Genau dieses Angebot bekommen wir vom Wald, von den Bäumen, vom Holz.
Wenden Sie das in Ihrem Buch Beschriebene auch selbst an?
Thoma: Ja absolut. Ich wohne in einem Haus ganz aus Holz. Meine Frau war ursprünglich Drogistin und hat sich ein Leben lang mit Naturheilkunde befasst, sodass heute nicht nur die Verwandtschaft kommt, um sich ihre Pechsalben und Rezepte zu holen. Auch mein Arbeitsplatz im Forschungszentrum besteht ganz aus Holz und steht in dem Wald, in dem ich nach der Arbeit unser Brennholz richten kann.
Zur Person
Dr. Erwin Thoma
Geboren: 14. Februar 1962
Wohnort: Goldegg im Salzburger Land
Familie: Verheiratet und Vater von drei erwachsenen Kindern
Beruf: Baumfreund, Holzhauserrichter, Buchautor, Kolumnist
Hobbys: in der Natur sein, Lesen, die eigene Kleinstlandwirtschaft bearbeiten
Maximilian Moser: Die sanfte Medizin der Bäume. Gesund leben mit altem und neuem Wissen; Servus-Verlag, Gebunden, 176 Seiten, ISBN 3-7104-0001-5, Preis: 21,95