Den Nutzen und die Risiken abwägen

60 Prozent der Mammografien dienen der Früherkennung. Fragen und Antworten dazu.
Information. Im Rahmen des im Jänner diesen Jahres gestarteten Brustkrebs-Früherkennungsprogramms wird die e-card von rund 1,5 Millionen Frauen im Alter von 45 bis 69 Jahren bis Ende 2015 für eine Früherkennungsmammografie freigeschaltet. Zur Erinnerung erhalten die Frauen automatisch eine persönliche Einladung. Zusätzlich können sich Frauen von 40 bis 44 und ab 70 Jahren zum Programm anmelden und erhalten dann auch eine Einladung per Post. Bislang wurden im heurigen Jahr mehr als 527.000 Mammografien durchgeführt. „60 Prozent waren Früherkennungsuntersuchungen, 40 Prozent kurative Mammografien“, sagt der Obmann der Vorarlberger Gebietskrankenkasse, Manfred Brunner.
Bei der telefonischen Serviceline, die Fragen beantwortet und die Anmeldung von Frauen durchführt, rufen nach wie vor durchschnittlich rund 12.000 Frauen pro Monat an. Die häufigsten Fragen und Antworten sind hier zusammengefasst:
Warum werden Frauen unter 40 nicht eingeladen?
Zunächst: Jede Frau, die in Österreich eine Mammografie benötigt, wird eine bekommen. Bei jungen Frauen ist das Brustgewebe aber meist sehr dicht, sodass mittels Mammografie wenig zu erkennen ist. Zudem ist Brustkrebs bei jungen Frauen viel seltener und ihr Brustgewebe empfindlicher gegenüber Röntgenstrahlen. Daher empfiehlt keine medizinische Fachgesellschaft weltweit eine routinemäßig durchgeführte Mammografie zur Früherkennung bei Frauen unter 40 Jahren. Frauen mit Brustkrebs in der Familie sollten mit ihrem Arzt reden und sich beraten lassen.
Warum wird einer Gruppe der Zugang zum Programm erschwert?
Es gibt keinen erschwerten Zugang für eine Gruppe. Im Gegenteil: Als einziges Land in der EU bietet Österreich einer so großen Altersgruppe, nämlich allen Frauen ab 40 Jahren, die Teilnahme an einem Brustkrebs-Screening-Programm an. Wichtig zu beachten ist jedoch, dass die regelmäßige Mammografie-Untersuchung nicht nur einen Nutzen hat, sondern auch mit Risiken verbunden ist; daher werden jene Frauen eingeladen, bei denen die Untersuchung das beste Nutzen-Risiko-Verhältnis aufweist. Der Nutzen, Brustkrebs möglichst früh zu erkennen, und die Risiken eines systematischen Screeningprogramms sollten abgewogen werden.
Welche Risiken sind das?
Das sind zum Beispiel Überdiagnosen (darunter versteht man eine Brustkrebserkrankung, die zu Lebzeiten der Frau nicht auffällig geworden wäre und keine Beschwerden hervorgerufen hätte), die immer zu Übertherapien (wie operativen Eingriffen bis hin zur Brustentfernung, Chemotherapie, Strahlentherapie) führen. Zudem kann es zu falsch positiven Befunden (auffälliger Befund, obwohl keine Brustkrebs-Erkrankung vorliegt) oder falsch negativen Befunden (unauffälliger Befund, obwohl eine Brustkrebs-Erkrankung vorliegt) kommen. Auch die Strahlenbelastung ist ein Risiko, das beachtet werden muss. Das Nutzen-Risiko-Verhältnis wurde weltweit in großen Studien mit mehr als 600.000 Frauen untersucht. Daraus wurden international Empfehlungen für eine Mammografie alle zwei Jahre für Frauen von 50 bis 69 Jahren abgeleitet.
Was passiert mit Frauen, die bereits an Brustkrebs erkrankt sind?
Bei bereits an Brustkrebs erkrankten Frauen oder jenen, bei denen ein Krankheitsverdacht besteht, ist der Ablauf wie bisher. Sie werden von ihrem Arzt zu einer diagnostischen Mammografie zugewiesen. Und zwar immer, wenn es nötig ist. Das gilt auch für Frauen, die sich in der Nachsorge nach einer Brustkrebserkrankung befinden oder Frauen mit genetisch erhöhtem Risiko.
Warum beträgt das Intervall zwei Jahre? Bisher konnten Frauen jährlich zur Früherkennungsmammografie gehen.
Der Grund für die Festlegung dieses Intervalls liegt einmal mehr in der Nutzen-Risiko-Bilanz. Derzeit gibt es keinen wissenschaftlichen Hinweis auf einen zusätzlichen Nutzen von Screening-Programmen mit jährlich durchgeführten Mammografien gegenüber Screening-Programmen mit längeren Intervallen. Durch die steigende Anzahl an Mammografien bei einjährigen Intervallen wäre hingegen sogar eine Zunahme der falsch positiven Befunde und Überdiagnosen sowie Übertherapien bei Überdiagnosen zu erwarten, was zu einer Verschlechterung des Nutzen-Schaden-Verhältnisses führen würde.
Stimmt es, dass die Anzahl der Mammografien stark zurückgegangen ist?
Es stimmt, dass die Untersuchungen mit dem Start des neuen Früherkennungsprogramms hinter den Erwartungen geblieben sind. Es braucht seine Zeit, bis die Umstellung auf ein neues System durchgeführt ist und sich die Frauen und Ärzte mit dem Programm vertraut gemacht haben. Nun entwickelt sich das Programm immer besser. Bis dato wurden rund 514.000 Mammografien (Stand 23. November 2014) durchgeführt.
Fühlen sich die Frauen ausreichend informiert?
Es ist uns bewusst, dass nach wie vor Aufklärungsbedarf besteht. Daher wurde im Oktober eine Informationskampagne gestartet.
(Mehrsprachige) Informationen unter www.frueh-erkennen.at; Telefon-Serviceline: 0800 500 181 (Montag bis Freitag 8 bis 18 Uhr)