Schau mir in die Augen, Kleines

Gesund / 26.08.2016 • 09:09 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Rudolf Präg: „Ich rate allen Eltern, mit ihrem Nachwuchs einen Sehtest zu machen, bevor die Schule beginnt.“

Rudolf Präg: „Ich rate allen Eltern, mit ihrem Nachwuchs einen Sehtest zu machen, bevor die Schule beginnt.“

Zwischen noch nicht ausgereiftem Sehvermögen und Fehlsichtigkeit – worauf Eltern achten sollten.

Schwarzach. Das Auge ist unser wichtigstes Sinnesorgan zur Informationsaufnahme. Rund 80 Prozent aller Informationen werden dadurch aufgenommen und beschäftigen damit ein Viertel unseres Gehirns – allerdings erst nach ein paar Jahren.

Denn bei manchen Kindern dauert es bis zum zwölften Lebensjahr, bis die Sehfähigkeit vollends ausgereift ist, erläutert Rudolf Präg, Vorarlberger Landesinnungsmeister der Augenoptiker und Optometristen: „Umso wichtiger ist es für Eltern – gerade wenn die Schule beginnt – zwischen der noch nicht abgeschlossenen Entwicklung des Sehens und einer möglichen Fehlsichtigkeit ihres Kindes zu unterscheiden.“

Frühzeitig erkennen

Im Rahmen der Entwicklung können sich laut Präg auch beim Sehvermögen Anomalien bilden, ähnlich wie ein kürzerer und ein längerer Fuß. Dazu gehören die Hyperopie (Weitsichtigkeit), wenn ein Auge zu kurz gebaut ist, und die Myopie (Kurzsichtigkeit), wenn das Auge zu lang gebaut ist.

„Besonders die Myopie hat bei Kindern in den letzten Jahren stark zugenommen, weil sie schon von klein auf immer weniger Zeit im Freien verbringen und dabei in die Ferne schauen, sondern eher den Blick auf alle Arten von Bildschirmen in kurzer Distanz richten“, führt der Landesinnungsmeister aus und betont: „Das ist keine Krankheit, sondern rein physiologischen Ursprungs und mit dem richtigen Hilfsmittel, wie einer Brille, kann man seinem Kind das Leben deutlich erleichtern.“

Tollpatschigkeit

Gerade mit dem Schulbeginn werde eine Fehlsichtigkeit oft erst deutlich. Sie kann sich dem Experten zufolge zum Beispiel durch Tollpatschigkeit zeigen, wenn das Kind im Turnunterricht beim Ballspielen ständig daneben- greift und ihn nicht fängt. Aber auch hinter einer Lernschwäche oder Unaufmerksamkeit im Unterricht kann sich schlechtes Sehen verstecken, wenn das Kind Probleme hat, zur Tafel zu sehen. Präg: „Ich rate daher dringend allen Eltern, mit ihrem Nachwuchs einen Sehtest zu machen, bevor die Schule beginnt.“

Besonderheiten

Bei der Auswahl der richtigen Brille sollte man sich unbedingt vom Fachmann beraten lassen, empfiehlt der Landesinnungsmeister. Eine Kinderbrille müsse zum einen exakt zentriert sein. Das bedeutet: Die optischen Mittelpunkte der Gläser sollten unbedingt mit den Sehachsen der Augen genau zusammenpassen und daher vom Augenoptiker gemessen werden, „denn sonst klagt das Kind über Kopfweh, Schwindelgefühle oder sieht Doppelbilder“. Neben der richtigen Einstellung der Gläser spielt bei Kinderbrillen das Material ein weitere wichtige Rolle. Einerseits sollte das Kind-Sein, Spielen und Herumtoben durch die Sehhilfe auf keinen Fall eingeschränkt werden. Andererseits muss auch die Verletzungsgefahr so gering wie möglich gehalten werden. Die Bügel sollten laut Präg daher aus leichtem, robustem Material und die Gläser aus speziellem Kunststoff gefertigt sein. Darüber hinaus sei ein bequemer Sitz der Brille zu empfehlen, damit sie das Kind nicht stört und auch gerne getragen wird. „Der Fachoptiker kann hierbei in Bezug auf das richtige Material beraten und mit Spezialbügeln, weichen Nasenstegen und Kunststoffüberzügen nachhelfen“, erläutert Rudolf Präg.

Die Entwicklungsstufen des Sehens

» Neugeborene sehen noch unscharf und vor allem Hell-Dunkel-Kontraste.

» Mit etwa sieben Monaten sieht ein Baby auch schon Gegenstände außerhalb seiner Reichweite und beginnt danach zu greifen. Was zuvor vor allem mit dem Mund und den Händen erkundet wurde, kann nun immer mehr mit den Augen erforscht werden.

» Ein einjähriges Kind besitzt etwa 50 Prozent der Sehschärfe eines Erwachsenen.

» Vor allem im zweiten und dritten Lebensjahr nimmt die Sehschärfe weiter erheblich zu.

» Bis das Kind neun Jahre alt ist entwickelt sich auch das räumliche Sehen und entspricht dann schon dem eines Erwachsenen.

» Am längsten benötigt allerdings die Entwickelung des Gesichtsfelds. Mit neun Jahren ist es seitlich noch um etwa 30 Prozent eingeschränkt und entspricht erst im Alter von zehn bis zwölf Jahren dem eines Erwachsenen.