Fastenzeit bewusst gestalten

Gesund / 03.03.2017 • 09:09 Uhr
Der Veranstaltungsraum war beim Vortrag von Angelika Stöckler bis auf den letzten Platz besetzt. Foto: vn/ps
Der Veranstaltungsraum war beim Vortrag von Angelika Stöckler bis auf den letzten Platz besetzt. Foto: vn/ps

Sie kann Einstieg in gesünderen Lebensstil sein. Übergewicht oft hausgemacht.

Schwarzach. (VN-mm) Fasten? „Ja, aber nützen Sie diese Zeit doch zum Einstieg in einen gesünderen Lebensstil!“ Das war die zentrale Botschaft, die Gesundheits- und Ernährungswissenschaftlerin Angelika Stöckler (50) den Besuchern ihres Vortrags bei Russmedia in Schwarzach mit auf den Weg in die vorösterliche Fastenzeit gab. Denn das meiste Übergewicht ist im wahrsten Sinne des Wortes hausgemacht. Zu fett, zu süß, zu viel und zu wenig Bewegung: Das sind die Ingredienzien, die den Körper über kurz oder lang aus dem Leim gehen lassen. „Wer eine ausgewogene Ernährung mit Alltagsbewegung und sportlichen Aktivitäten kombiniert, braucht zumindest aus Gewichtsgründen nicht zu fasten“, betonte Stöckler auch noch.

Bewusster Genuss

Die Expertin gab sich ehrlich. „Für das Fasten hätte ich zu wenig Durchhaltevermögen“, bekannte Angelika Stöckler. Fasten, weil es die Figur erfordert, steht bei ihr aber ohnehin nicht auf dem Speiseplan. Als Ernährungsfachfrau lebt sie das, was sie anderen gerne vermitteln möchte. Fasten heißt für sie eher, wieder bewusster den Genuss in den Mittelpunkt zu stellen. Aber sie weiß auch: Jeder verbindet etwas anderes mit dem Fasten, das sich inzwischen zu einem Massenphänomen ausgewachsen hat. Der Begriff selbst stammt aus dem Althochdeutschen und bezeichnet das Festhalten an den Geboten der Enthaltsamkeit. Das kann ein völliger oder nur ein teilweiser Verzicht auf etwas sein. Stöckler: „Wofür auch immer sich jemand entscheidet: es sollte uns guttun.“

Von FdH bis Hormondiät

Umfragen belegen, dass die Österreicher zwar gerne fasten, aber am liebsten nur kurzfristig. Langfristig ungesunde Gewohnheiten zu verändern ist weniger gefragt. „Genau das sollte jedoch das Ziel sein“, erklärte Angelika Stöckler. Dann begab sie sich mit den Zuhörern auf einen Streifzug durch die Welt der Diäten, die sich in den vergangenen dreißig Jahren gründlich gewandelt hat. Von „FdH“ über „Schlank im Schlaf“ bis hin zu den Hormondiäten spannt sich der Bogen. Allen gemein ist, dass sie schwer durchzuhalten sind, damit im Endeffekt wenig nützen und nur viel Geld kosten. Die Entwicklung bei Übergewicht und Adipositas unterstreicht dieses Faktum. Waren 1991 noch acht Prozent der Männer und neun Prozent der Frauen krankhaft fettleibig, so liegt dieser Wert jetzt bei 16 bis 13 Prozent. Mit Übergewicht kämpfen 39 Prozent der Frauen und 55 Prozent der Männer. Auch jedes fünfte Kind in Österreich ist bereits übergewichtig.

Der Grund liegt im vorhandenen Überfluss an Lebensmitteln und der Schwierigkeit, diesen Versuchungen zu widerstehen. Auch deshalb kann die Fastenzeit ein guter Anlass sein, die üblichen Ess- und Trinkgewohnheiten zu unterbrechen. „Das steigert auch die Wahrnehmung für das Sättigungsgefühl wieder“, merkte Angelika Stöckler an. Dieses Signal kommt nach zwanzig Minuten im Gehirn an. Wer zu schnell isst, übersieht es und nimmt umso mehr zu sich.

Muskel- statt Fettabbau

Ob Fasten tatsächlich schlank macht, hängt davon ab, wie es betrieben wird. Radikales Fasten basiert vorrangig auf Muskel- statt Fettabbau. Eine Gewichtsabnahme fordert eine dauerhafte Ernährungsumstellung. Fasten kann aber auch gefährlich sein, vor allem für Kinder, Kranke, ältere Menschen, Schwangere und Personen mit erhöhten Harnsäurewerten. Ebenso kann Fasten Nebenwirkungen verursachen. Dazu zählen Erschöpfung, Kopfschmerzen, Blutdruckabfall und Schlafstörungen. Längeres Fasten sollte daher nur unter ärztlicher Aufsicht erfolgen. Ebenso kann das Fasten die Wirkung von Medikamenten negativ beeinflussen. Fasten dient auch nicht der Entschlackung. „Weil es im Körper keine Schlacken gibt, sondern nur Endprodukte des Stoffwechsels, und die werden ausgeschieden“, wie Stöckler erläuterte. Passiert das nicht, handelt es sich um einen krankhaften Zustand, und dann hilft auch kein Fasten. Die „Reinigung“ durch Fasten findet laut der Expertin vielmehr im Kopf statt. Es ist die Chance, ein neues Verhalten zu beginnen.

Mit Verstand agieren

Gesunde Ernährung heißt, Lebensmittel mit Verstand auswählen, Etiketten auf Inhaltsstoffe durchlesen, Fleisch, Wurstwaren und Alkohol reduzieren, hochwertige Öle verwenden, möglichst oft selbst und frisch mit regionalen Produkten kochen, sich zum Essen an den Tisch setzen und genügend Zeit dafür einplanen. „Auch an Buffets haben wir es selbst in der Hand“, sagt Angelika Stöckler und empfiehlt, den Teller dosiert, aber bunt zu gestalten. Von Smoothies rät sie ab, weil sie weniger lange sättigen als feste Lebensmittel. Wer auf Knabbergebäck verzichtet und Süßes nur sparsam, dann aber mit Genuss verspeist, spart sich ebenfalls reichlich Kalorien. Wer was zu welchem Zeitpunkt zu sich nimmt, spielt dabei absolut keine Rolle. Denn letztendlich ist es die Gesamtsumme, die über das Körpergewicht entscheidet.