Alltag trotz Schock und Trauer

Gesund / 28.06.2019 • 09:12 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Zuwendung, Hoffnung und Sicherheit sind in solchen Situationen wichtig.
Zuwendung, Hoffnung und Sicherheit sind in solchen Situationen wichtig.

Was für Kinder und Jugendliche nach traumatisierenden Ereignissen besonders wichtig ist.

Dornbirn Barbara Juen weiß, wovon sie spricht. Als Notfallpsychologin war sie unter anderem beim Amoklauf von Winnenden und der Brandkatastrophe der Gletscherbahn Kaprun im Einsatz. In der Reihe „Wertvolle Kinder“ des Vorarlberger Kinderdorfs sprach die Innsbrucker Expertin vor knapp 200 Besuchern.

Kinder entwickeln laut Juen die Vorstellung, dass die Welt ein gutartiger Ort ist und sie selbst etwas bewirken können. Tritt jedoch ein Notfall ein, werden diese Grundannahmen erschüttert. „Ein plötzliches unvorhergesehenes Ereignis und gleichzeitig erlebte Hilflosigkeit können bei Kindern das Gefühl auslösen, dass die ganze Welt zusammenbricht “, erläutert die Notfallpsychologin. Gerade dann sei es wichtig, Kindern Zuwendung, Hoffnung und Sicherheit im Alltag zu geben. Wenn etwas Schlimmes passiert ist, bräuchten Kinder so viel Normalität wie möglich. „Je schrecklicher das Ereignis, desto mehr glauben wir, Kindern etwas Außergewöhnliches bieten zu müssen“, spricht Juen aus über 20 Jahren Praxiserfahrung. Stattdessen müssten Kinder erleben, dass der Alltag weitergeht. Dazu gehören die Aufrechterhaltung von familiären Ritualen wie das gemeinsame Essen und der Kontakt zu gewohnten Bezugspersonen. Strukturen und klare Grenzen würden es den Kindern erleichtern, nach einem unvorhergesehenen Ereignis wie dem Tod eines Elternteils mit den neuen Lebensumständen zurecht zukommen.

Bei der Wahrheit bleiben

„Wir schaffen das gemeinsam, wir halten zusammen“, sei eine essenzielle Botschaft, die es zu vermitteln gelte. Darüber hinaus plädiert die Psychologin dafür, bei der Wahrheit zu bleiben. Um zu verstehen, bräuchten Kinder größtmögliche Offenheit und Erwachsene, die sich auf ihre Fragen einlassen, auch wenn sie nicht immer eine Antwort parat haben. „Es ist sehr schmerzhaft, bei einem Suizid oder einer Trennung die Frage nach dem Warum nicht beantworten zu können.“ Oft seien Eltern und Erwachsene der Meinung, betroffene Kinder zu schonen, indem sie ihnen die Wahrheit vorenthalten, ihnen eine Scheinwirklichkeit vermitteln oder durch eine Lüge einen „Aufschub“ erwirken. „Wir müssen uns nicht davor fürchten, offen mit den Kindern zu reden“, betont Juen.