Hans Concin

Kommentar

Hans Concin

Lebensqualität in den Wechseljahren (2)

Gesund / 02.08.2019 • 10:07 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Östrogene können der zunehmenden Trockenheit und dem Bindegewebsverlust nach dem Wechsel entgegenwirken. Frauen klagen über störende Trockenheit der Augen, der Nasen-, Rachen- und Mundschleimhaut und allgemein über eine trockenere und schlaffere Haut. Diese Probleme können mit den Jahren noch zunehmen. Die Trockenheit der Scheide kann die Freude an der Sexualität und damit auch die Partnerschaft zunehmend beeinträchtigen. Die Scheide reagiert wie kein zweites Organ ungünstig auf den Östrogenmangel: Sie wird dünner, verletzlicher, weniger elastisch, trockener und schlechter durchblutet. Ein „Hauch“ von Östrogen in die Scheide als Creme oder Zäpfchen regelmäßig angewandt, behebt diese Probleme sicher und einfach und ist allen alternativen Behandlungen deutlich überlegen. Für diese Lokalbehandlung gibt es auch kein Alterslimit.

Aktuellste Langzeitstudien zeigen, dass Wechselbeschwerden häufig deutlich länger anhalten, als bislang angenommen wurde. Grundsätzlich ist die Empfehlung, bei belastenden Beschwerden, möglichst früh nach dem Wechsel mit einer Hormontherapie zu beginnen und diese maximal zehn Jahre durchzuführen. Bei jeder einzelnen betroffenen Frau muss abgewogen werden, ob zugunsten der Lebensqualität auch über das 60. Lebensjahr hinaus eine Hormontherapie durchgeführt werden soll.

Fehler der Vergangenheit

Es ist Zeit, die Hormontherapie wieder auf Schiene zu bringen, schreiben zwei Autoren der amerikanischen Studie, die vor 17 Jahren die Hormone in Misskredit gebracht haben, und sie bedauern die zurückliegende Entwicklung. Vielen Frauen mit gravierenden Beschwerden wurden sinnvolle Therapien vorenthalten oder sie wurden verängstigt. Fast eine Generation von Frauenärzten konnte die Hormontherapie im Wechsel nicht mehr erlernen. Ein verunsicherter Wissensstand und fehlende Nachfrage haben die Hormontherapie verdrängt. Aus den Fehlern der Vergangenheit haben wir viel gelernt. Heute wissen wir die Vorteile einer individuellen Hormontherapie zu nutzen, ohne Nachteile in Kauf nehmen zu müssen.

Vorteile des Wechsels

Viele Frauen gehen ohne oder nur mit geringen Beschwerden durch den Wechsel. Oft genügt in diesen Fällen eine Umstellung der Lebensgewohnheiten: in erster Linie eine gesunde Ernährung und vermehrt Bewegung – das hilft immer, nicht nur im Wechsel. Viele Frauen genießen die Vorteile der Menopause und fühlen sich befreit. Alle Belastungen, die mit dem weiblichen Zyklus und der Menstruation verbunden waren, sind behoben, unter anderem schrumpfen Myome, und auch die Empfängnisverhütung hat sich erledigt.

Oft erlangen Frauen nach dem Wechsel neue Stabilität und neues Selbstbewusstsein. Mit der Menopause verschiebt sich das hormonelle Gleichgewicht bei der Frau mehr in Richtung männliche Hormone, was durchaus Auswirkungen auf die Persönlichkeit haben kann. Bei den Männern verschiebt sich durch den diskreten Abfall des Testosterons das hormonelle Gleichgewicht eher in Richtung Östrogene, was Männer im Alter oft sanfter erscheinen lässt.

„Der Östrogenmangel im Wechsel kann Beschwerden verursachen. Am besten hilft dagegen die richtige Behandlung mit natürlichem Östrogen.“

Hans Concin

hans.concin@vn.at

Prim. a. D. Dr. Hans Concin, Vizepräsident aks Verein