Muskelkraft gegen Schmerzen

Gesund / 14.02.2020 • 09:33 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Wer auch im Alter konsequent in Bewegung bleibt und seine Muskeln auf Trab hält, tut sich und seinem Körper viel Gutes.adobe
Wer auch im Alter konsequent in Bewegung bleibt und seine Muskeln auf Trab hält, tut sich und seinem Körper viel Gutes.adobe

Verschiedene Ansätze können Beschwerden lindern oder verhindern.

Wien Schwinden die Muskeln, kommen die Schmerzen: „Mit kräftigen Muskeln lassen sich viele Beschwerden vermeiden oder lindern. Es ist in jedem Alter lohnend, die Muskeln zu stärken oder deren altersbedingten Abbau zu verhindern“, sagte Primaria Daniela Gattringer, Vorstandsmitglied der Österreichischen Schmerzgesellschaft (ÖSG), anlässlich der 19. Österreichischen Schmerzwochen. Die jährliche Informationskampagne der Fachgesellschaft steht im Zeichen der Schmerzvorbeugung. „Gerade bei Menschen fortgeschrittenen Alters führt die schwindende Muskelmasse und der damit einhergehende Verlust an Muskelkraft und Muskelfunktion oft zu gravierenden Einschnitten in die Lebensqualität. Individuell angepasstes Training und ärztlich verordnete Elektrotherapien können hier viel bewirken“, ist die Expertin für Physikalische Medizin und Rehabilitation überzeugt.

Verbesserte Funktionalität

Warum etwa ein Krafttraining der Kniegelenksmuskulatur gegen die Beschwerden von Arthrose-Patienten hilft, konnte erst vor kurzem eine Studie klären: Die positiven Effekte werden im Wesentlichen durch den Kraftzuwachs der Streckmuskulatur erreicht. Für die Studie wurden Daten von 97 Patienten analysiert, die an Schmerzen und Einschränkungen infolge einer Gonarthrose litten, einer langsam voranschreitenden, nicht-entzündlichen Abnützung des Kniegelenks, die allmählich zu einer Zerstörung des Gelenkknorpels und anderer Gelenkstrukturen führt. Ein Teil der Patienten machte zwölf Wochen lang physiotherapeutisch betreutes Krafttraining, um die Knieextensoren zu stärken. Die Patienten gewannen in dieser Zeit an Kraft und Lebensqualität dazu. Die Kraftzunahme der Kniestrecker war für 38 Prozent der Schmerzlinderungen und für 60 Prozent der funktionellen Verbesserungen ursächlich.

Elektrotherapie kräftigt Muskeln

Eine wichtige Möglichkeit zur Muskelstärkung stellt die Elektrotherapie dar. Dabei wird der Muskel durch Stromimpulse dazu gebracht, sich anzuspannen. Das führt zu kräftigenden Reizen im Muskelgewebe. Die Stimulation wirkt jedoch auch über einen anderen Weg: Sie aktiviert zusätzlich die für Bewegung zuständigen Areale im Gehirn. „Ein Vorteil der Elektrostimulation ist, dass auch Patienten davon profitieren können, die vorübergehend oder längere Zeit nicht mobil sind, zum Beispiel nach einer Operation oder wegen schwerer Krankheit“, erläutert Gattringer. Genauso, wie ein aktives Training muss auch die Elektrotherapie auf die individuellen Bedürfnisse eingestellt und regelmäßig an die Fortschritte bei der Muskelentwicklung angepasst werden. Damit sie Wirkung zeigt, sollte die Stromtherapie drei- bis fünfmal wöchentlich angewendet werden. Wichtig ist zum Start eine Abklärung und Therapieplanung durch einen Facharzt oder eine Fachärztin für Physikalische Medizin. „Besonderen Charme hat, dass man die Elektrotherapie auch im eigenen Wohnzimmer fortsetzen kann, nachdem eine Ärztin oder ein Arzt die Therapie definiert und die Patienten entsprechend geschult hat. Die Geräte sind sehr einfach zu bedienen“, sagt Daniela Gattringer.

Das beste Medikament

Das beste Medikament zur Muskelstärkung scheint ein gutes Muskeltraining zu sein. Das muss aber nicht nur aus reinem Krafttraining bestehen, wie eine aktuelle deutsche Studie bei 106 Patienten mit Rückenbeschwerden zeigt. Die Teilnehmer im Alter zwischen 50 und 65 Jahren absolvierten ein dreiwöchiges stationäres multimodales Trainingsprogramm. Patienten beider Geschlechter konnten eine deutliche Verbesserung der Kraft in allen Bewegungsrichtungen erreichen. „Das ist sehr erfreulich, denn Krafttraining, das ausschließlich auf Muskelwachstum zielt, ist für ältere Menschen oft eine zu große Herausforderung. Das untersuchte multimodale Therapiekonzept ist ein erfolgversprechender Ansatz, um älteren Menschen den oft schwierigen Einstieg in das Krafttraining zu erleichtern“, fasst Gattringer zusammen.

„Individuell angepasstes Training kann hier viel bewirken.“