Hans Concin

Kommentar

Hans Concin

Suche nach der Corona-Strategie

Gesund / 30.07.2021 • 10:42 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Die EU und die Regierungen ihrer Mitgliedsstaaten tun sich derzeit sehr schwer, eine Corona-Strategie zu definieren. Bisher war klar: Eine Überlastung des Gesundheitssystems muss vermieden werden, damit alle die ihnen zustehende medizinische Behandlung erhalten und bei Bedarf ein notwendiges Intensivbett zur Verfügung steht. Diese Strategie hat sich bewährt, halte ich nach wie vor für richtig und berechtigt, auch Freiheiten einzuschränken.

Derzeit sind in Österreich drei bis vier Prozent der Intensivbetten durch Covid-19-Patienten belegt. Hohe Infektionszahlen haben in der Vergangenheit regelmäßig zu vielen Intensiv- und Todesfällen geführt. Durch die Impfung der Bevölkerung verschiebt sich dieses Verhältnis: Der Anteil Infizierter, die intensivpflichtig werden, geht deutlich zurück. Zwei Mal Geimpfte sind auch bei der Delta-Variante vor schwerer Krankheit gut geschützt. In der Altersgruppe 65 bis 74 sind in Österreich rund 83 Prozent und bei den 75- bis 84-Jährigen rund 88 Prozent einmal geimpft. Bei den über 84-Jährigen sind 91 Prozent einmal und 86 Prozent voll immunisiert. Wäre die ältere Generation nur unter sich, würde das ausreichen.

Bei den jüngeren Personen erreichen wir leider noch nicht einen ausreichenden Impfschutz: Einmal geimpft sind: im Alter von 25 bis 34 rund 55 Prozent, 35 bis 44 gut 61 Prozent, bei den 45- bis 54-Jährigen sind es 68 Prozent und 77 Prozent bei den 55- bis 65-Jährigen. Das ist für den Rest und für die Gesellschaft absolut zu wenig!

Verschärft wird die Problematik durch die Delta -Variante mit einer deutlich verkürzten Inkubationszeit von sechs auf nur 3,7 Tage und einer 1000-fach höheren Virusausscheidung. Damit ist niemand mehr vor dieser Infektion sicher. Auch wenn Geimpfte nicht mehr gefährlich erkranken, können sie doch Symptome entwickeln und teilweise andere anstecken. Lasst uns alle für die Impfung der Erwachsenen werben: in den Familien, in der Verwandtschaft, im Freundeskreis, bei den Lehrern, bei der Arbeit und wo immer wir persönliche Kontakte haben. Jede/r zusätzlich Geimpfte erhöht den Nutzen für alle.

Warum haben die Weltgesundheitsorganisation (WHO), die Ständige Impfkommission (STIKO) des Robert-Koch-Instituts in Deutschland (Stand 26. 7. 2021) und der aks in Vorarlberg die Covid-Impfung nur für Risikokinder empfohlen? In erster Linie wird das mit der dünnen Studienlage bei 12- bis 15-Jährigen zum Nachweis von Nebenwirkungen begründet. Bei den zwei Zulassungsstudien für Erwachsene von Pfizer und Moderna wurde 37.000 Frauen und Männern der Impfstoff verabreicht. Zum Beispiel berichtet „Science“, dass in Israel bei 16- bis 24-jährigen Männern bei 3000 bis 6000 Geimpften eine Herzmuskelentzündung aufgetreten ist. Bei den zwei Kinderstudien wurden nur 3600 geimpft. Kinder sind für Medikamente und Studien grundsätzlich nicht wie kleine Erwachsene zu behandeln.

„Erwachsene bis 60 sind in Österreich zu wenig geimpft. Mit der Delta-Variante gefährdet das alle.“

Hans Concin

hans.concin@vn.at

Prim. a. D. Dr. Hans Concin, Vizepräsident aks Verein