Ambulante Versorgung für Diabetiker

Gesund / 11.11.2022 • 11:15 Uhr
Über Sensoren wie diese können Diabetiker ihren Blutzucker immer und ganz aktuell im Auge behalten. khbg
Über Sensoren wie diese können Diabetiker ihren Blutzucker immer und ganz aktuell im Auge behalten. khbg

Experten fordern Lösung. Land und ÖGK prüfen Maßnahmen.

Feldkirch Die ambulante Versorgung von Diabetespatienten gehört verbessert. Darauf haben Joe Meusburger von der Diabetes Selbsthilfe Vorarlberg und Oberarzt Alexander Vonbank, Leiter des Diabeteszentrums am Landeskrankenhaus Feldkirch immer wieder hingewiesen. Nun scheint sich etwas zu bewegen. Wie Gesundheitslandesrätin Martina Rüscher auf VN-Nachfrage erklärte, wird sich die Zielsteuerungskommission in ihrer nächsten Sitzung mit einem Antrag befassen, laut dem die Schwachstellen der Diabetesversorgung im Land mit der ÖGK noch einmal beleuchtet und darauf aufbauend unter Einbindung von Oberarzt Vonbank entsprechende Maßnahmen entwickelt werden.

Entlastung

Was sich Meusburger und Vonbank vor allem wünschen sind niedergelassene Diabetesberater, an die Hausärzte ihre Patienten zwecks weiterführender Betreuung zuweisen können und eine Übernahme der Kosten durch die Kassen. Nach Möglichkeit soll jeder Bezirk eine solche Anlaufstelle erhalten. „Diese Einrichtungen würden auch die Spitalsambulanz entlasten“, zeigt sich Alexander Vonbank überzeugt. Bereits realisiert wurde ein Qualitätszirkel, an dem sich aktuell etwa 20 Allgemeinmediziner beteiligen. Er dient der Besprechung komplizierter Fälle. Geplant ist außerdem eine Hotline für Ärzte sowie in naher Zukunft eine Videosprechstunde, die auch den Kontakt mit Patienten ermöglichen soll. „Es gibt bei Diabetes viele Dinge, die sich online besprechen lassen und für die der Betroffene nicht extra ins Krankenhaus kommen muss“, erklärt Alexander Vonbank. Ein weiteres Anliegen ist die Verbesserung der Betreuung von Kindern und Jugendlichen mit Diabetes in Kindergärten und Schulen. Arzt und Selbsthilfevertreter weise noch darauf hin, dass das Messen des Langzeitzuckerwerts (HB1C) in der Vorsorgeuntersuchung vorgesehen wäre. „Das Screening sollte in Anspruch genommen werden“, betonen beide. Ein Wert unter 6 ist gut, alles darüber deutet auf Diabetes hin.

In Österreich leiden zehn Prozent der Bevölkerung an Diabetes, die meisten davon am Typ-2-Diabetes, der in hohem Maß aus einem ungesunden Lebensstil resultiert. In Vorarlberg betrifft es rund 40.000 Personen. Bis 2030 wird die Zahl der Erkrankten jährlich um zwei bis fünf Prozent steigen, schätzen Experten. Auf die zunehmende Verbreitung will auch der Welt-Diabetestag aufmerksam machen, der am Montag, 14. November im Kalender steht. Dieser Tag ist zudem der Geburtstag von Sir Frederick Banting, der gemeinsam mit Charles Best 1922 das lebenswichtige Insulin entdeckte.

Erfahrungsaustausch

Ein wichtiges Zahnrad in der Unterstützung von zuckerkranken Menschen ist auch die von Joe Meusburger betreute Diabetes Selbsthilfe. Überall im Land gibt es Gruppen, die sich regelmäßig treffen. „Der Erfahrungsaustausch hilft uns, mit der Krankheit besser umzugehen bzw. leben zu lernen“, sagt Meusburger. Es besteht außerdem eine enge Zusammenarbeit mit dem Diabeteszentrum in Feldkirch. Wie für viele Erkrankungen gilt auch für Diabetes: Je früher erkannt, umso besser. Hightechgeräte erleichtern den Umgang enorm und tragen wesentlich dazu bei, die Gefahr von Spätfolgen zu minimieren. Gefordert ist aber ebenso die Eigenverantwortung der Patienten. VN-MM

„Solche Einrichtungen würden auch das Diabeteszentrum im Spital deutlich entlasten.“

Ambulante Versorgung für Diabetiker

Infonachmittag

Für Typ-1-Diabetiker, Angehörige und Interessierte

Samstag, 26. November 2022, ab 14 Uhr, Sitzungssaal der ÖGK-Landesstelle in Dornbirn: Informationen über neue intelligente Lösungen (Dexcom G6/G7 mit Insulet-Omnipod und Mylife-Ypsomed-Insulinpumpen

Referenten OA Alexander Vonbank, Pflegeexpertin Ruth Gisinger, Kai Weber (Dexcom) Barbara Herz (Insulet-Omnipod), Sascha Kronberger (Mylife-Ypsomed), Joe Meusburger (Selbsthilfe)

Selbsthilfe www.shv-diabetesgruppen.at