Sicherheit geben in unsicheren Zeiten

Gesund / 13.01.2023 • 11:28 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Es soll Schnee geben, da bietet sich ein gemeinsamer Ausflug an.vn/steurer
Es soll Schnee geben, da bietet sich ein gemeinsamer Ausflug an.vn/steurer

Rituale und Fixpunkte vermitteln Verlässlichkeit und Vorhersehbarkeit.

lustenau Die Coronapandemie und der anhaltende Krieg in der Ukraine bringen Unsicherheit, Zukunftsängste und Veränderungen in unsere Familien. Sowohl über Nachrichten und soziale Medien, als auch in der Schule und in Gesprächen sind Kinder mit diesen Themen konfrontiert. Was in der Welt vor sich geht können wir oft nicht kontrollieren. Angst und Stress können die Folgen sein. Wie zeigt sich dieser Stress? Viele Kinder fühlen sich unter Stress unwohl, sind nervös oder ängstlich. Andere ziehen sich zurück, leiden unter Appetit-, Schlaf- und Lustlosigkeit oder klagen über Kopf- oder Bauchschmerzen. Reizbarkeit, Unruhe und Aggressivität können weitere Anzeichen sein.

Wie können Sie als Eltern Halt und Sicherheit in diesen Zeiten geben?

1. Faktencheck: Kinder brauchen Gewissheit. Fakten bilden die Grundlage dazu. Informieren Sie sich mit Ihrem Kind. Hierbei können Ihnen kindgerechte Internetseiten helfen, in einfacher Sprache schwierige Themen zu besprechen, so zum Beispiel das Online Kinderlexikon „Klexikon“.

2. Ins Tun kommen: Angst und Hilflosigkeit machen uns starr und inaktiv. Die Fähigkeit der Selbstwirksamkeit hilft, neue und schwierige Anforderungen bewusst zu beeinflussen und aktiv Lösungswege zu finden. Je früher ein Kind seine Selbstwirksamkeit entwickeln kann, desto mutiger kann es an die Herausforderungen des Lebens herangehen. Trauen Sie Ihrem Kind etwas zu. Räumen Sie nicht alle Hürden aus dem Weg. Ermutigen Sie Ihr Kind, selbst eine Aufgabe zu bewältigen: beim Nachbarkind fragen, ob es mit ihm spielen möchte oder mit einer Liste einkaufen schicken.

3. Rituale und Fixpunkte: Rituale sorgen für Geborgenheit. Sie entstehen aus Wiederholungen und Mustern, auf die sich das Kind verlassen kann. Immer wiederkehrende Abläufe bringen in die kleine Welt des Kindes eine Übersicht. Sie vermitteln Verlässlichkeit und Vorhersehbarkeit. Rituale sind Anker in einem Meer der Veränderung. Planen Sie auch mit Ihrem Kind kleine Fixpunkte ein: ein Heimkinoabend, miteinander ein Drei-Gänge-Menü kochen, ein gemeinsamer Spielenachmittag. Solche Aktivitäten geben Vorfreude und richten die Aufmerksamkeit auf Positives und Gelingendes.

4. Mut und Neugier: Erinnern Sie Ihr Kind daran, dass ein Teil dessen, was das Leben schön macht, Abenteuer und Herausforderungen sind. Große Veränderungen können hart sein und auch Angst machen, aber sie schaffen auch die Möglichkeit, Neues zu lernen. Kleine Kinder, die kurz davor sind, ihre ersten Schritte zu machen, werden ganz oft durch das Wort Ja ermutigt, aufzustehen und es weiter zu versuchen. Bewahren Sie sich dieses Ja und die positive Haltung Ihrem Kind gegenüber auf dem Weg zu seinem Erwachsenenleben.

5. Ich!: Sorgen Sie gut für sich. Niemand weiß um Ihre Bedürfnisse so gut Bescheid wie Sie selbst. Es ist schwer, diese als Eltern im Blick zu behalten, Druck und Verantwortung einmal auf Pause zu stellen. Wie schafft man es, das Hamsterrad zu stoppen? Kleine Ruhepausen finden sich überall im Alltag – auch da, wo man sie nicht vermutet. Die Warteschlange im Supermarkt ist mal wieder die längste? Das ist keine „gestohlene“, sondern gewonnene Zeit. Zeit zum Atmen, zum Nachdenken, Zeit, einfach mal nichts zu tun. Ein Blick in den Badezimmerspiegel mit Zunge rausstrecken könnte ein Lachen entlocken, denn Humor ist der Schwimmreifen des Lebens.

„Trauen Sie Ihrem Kind etwas zu. Räumen Sie ihm nicht alle Hürden aus dem Weg.“

Sicherheit geben in unsicheren Zeiten

Mag. Alexandra Kremer arbeitet bei aks gesundheit GmbH Kinderdienste.Sie ist Gesundheitspsychologin, Klinische Psychologin und Motopädagogin.

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