Sprechen und Sprache lernen

Eltern können ihre Kinder dabei in vielfältiger Weise unterstützen.
Bürs Sprache ist das wichtigste Mittel zur Verständigung zwischen uns Menschen. Wir tauschen Informationen aus, fordern andere auf, etwas Bestimmtes zu tun, oder sprechen über unsere Gefühle. Haben wir Schwierigkeiten mit der Sprache, ist unsere verbale Kommunikation eingeschränkt. Logopädinnen und Logopäden arbeiten mit Menschen, die Sprach-, Sprech-, Stimm-, Hör- und Schluckstörungen haben. In den aks Kinderdiensten arbeiten wir mit Kindern im Alter von 0 bis 18 Jahren. Die häufigsten Störungsbilder, mit denen Kinder in die Logopädie kommen, sind Artikulationsstörungen, Sprachentwicklungsstörungen (Late Talker, Sprachverständnis, Wortschatz, Grammatik, Satzbau) und Redeflussstörungen (Stottern, Poltern).
Die ersten Lebensjahre sind eine sehr wichtige Zeit für die Sprachentwicklung eines Menschen, und Sie als Eltern können Ihre Kinder beim Sprechen und Sprache lernen gut unterstützen.
Tipps für den Alltag
1. Auch Babys brauchen Interaktion und Kommunikation: Von Geburt an – lange bevor ein Kind selbst sprechen kann – ist Sprache ein wichtiges Bindeglied in der Beziehung zwischen Eltern und ihrem Kind. Durch Ihre Stimme und Ihr Sprechen erfährt Ihr Baby Zuwendung, Nähe und Wärme. Durch Schreien, Vokalisieren, Körpersprache, Gesichtsausdruck und Blickkontakt kann sich Ihr Kind bereits in den ersten Lebensmonaten mitteilen. Zu diesem Zeitpunkt deuten Sie die Äußerungen Ihres Babys vermutlich meist intuitiv richtig und „beantworten“ sie entsprechend (z.B.: Ihr Kind weint – Sie trösten es; Ihr Kind schaut ein Spielzeug interessiert an – sie reichen es ihm). In diesem wechselseitigen Austausch (= Interaktion) macht Ihr Kind zunehmend die Erfahrung, dass es sich mitteilen und damit etwas bewirken kann.
2. Spracherwerb erfolgt im Alltag: Wenn Sie mit Ihrem Kind im Alltag kindgerecht sprechen, unterstützen Sie es in seiner Sprachentwicklung. Ein Kleinkind muss täglich Sprachäußerungen hören und speichern, um fähig zu werden, Sprache zu verstehen und selbst zu sprechen. Kommentieren Sie Ihre alltäglichen Tätigkeiten und auch jene des Kindes, schauen Sie gemeinsam Bilderbücher an, lesen Sie altersgerechte Geschichten vor, begleiten Sie das gemeinsame Spiel mit ihrem Kind sprachlich, singen Sie Kinderlieder und sprechen Sie Reime. Achten Sie darauf, dass Ihr Kind den Fokus auf Sie richtet und bewusst zuhört. Passen Sie die Sprechgeschwindigkeit und die Äußerungslänge an die Fähigkeiten Ihres Kindes an.
3. Achten Sie auf ausreichend Blickkontakt: Wenn Ihr Kind etwas haben möchte, müssen Sie von ihm einen Blickkontakt einfordern und sich nicht nur an der Hand zum gewünschten Gegenstand ziehen lassen. Wenn das Kind diesen nicht benennen kann, nehmen Sie das Objekt in die Hand und sagen zu Ihrem Kind mit Blickkontakt etwa: „Ah, den Becher möchtest du haben!“ So kann Ihr Kind das Wort mit dem Gegenstand verknüpfen und abspeichern.
4. Nehmen Sie Kommunikationsversuche Ihres Kindes wahr und reagieren Sie darauf: Wenn Sie auf einen Blick, eine Zeigegeste, einen Laut oder ein Wort des Kindes reagieren, regen Sie die Unterhaltung an und verstärken sein Interesse an der Sprache. Durch Ihre Reaktion erfährt es auch, dass es mit Sprache etwas bewirken kann.
5. Korrigieren Sie ihr Kind nicht: Wenn Ihr Kind etwas falsch sagt, wiederholen Sie das Wort oder den Satz einfach nochmal richtig, ohne das Kind auf seinen Fehler aufmerksam zu machen. Korrigieren hemmt die Freude am Sprechen. Beispiel: „Ich loten Apfel essen will.“ – „Du möchtest einen roten Apfel essen?“
6. Reduzieren Sie Medien auf ein Minimum: Über Fernsehen, Handy und Tablet hören die Kinder zwar Sprache, können aufgrund der fehlenden Interaktion mit dem Gegenüber jedoch keine Kommunikation erlernen. Bis zum dritten Lebensjahr kann gänzlich auf den Bildschirm verzichtet werden, danach sind 30 Minuten täglich ausreichend.
Ob und ab wann logopädischer Bedarf besteht, muss individuell entschieden werden. Sollten Sie unsicher sein, ob sich Ihr Kind sprachlich altersgerecht entwickelt oder sprachliche Auffälligkeiten bei Ihrem Kind bemerken, wenden Sie sich an Ihre Kinderärztin oder Ihren Kinderarzt. Bei Bedarf wird Ihnen eine Überweisung zur Logopädie ausgestellt.