In Haft in Nigeria: Was man weiß, was man nicht weiß und wie es weitergeht

Dem Lustenauer wird der Versuch vorgeworfen, Geld im Wert von 1,4 Millionen Euro aus dem Land zu schmuggeln. Am 16. Jänner wollte das Gericht über die Kaution entscheiden.
Lagos, Schwarzach Nach der Vorführung des Vorarlberger Textilunternehmers vor den Haftrichter am 9. Jänner in Nigeria wurde die Entscheidung vertagt. Am 16. Jänner sollte weiterverhandelt und entschieden werden, ob der Lustenauer gegen Kaution wieder auf freien Fuß gesetzt werden kann oder weiter in Haft verbleiben muss. Am Freitag war jedoch keine Entscheidung in Erfahrung zu bringen.
Der Vorwurf
Der Lustenauer wurde bei der Ausreise am 13. Dezember festgehalten. Er soll 800.575 in US-Dollar und 651.505 in Euro mit sich geführt und nicht ordnungsgemäß deklariert haben. Er wurde wegen Verstoßes gegen das Geldwäschegesetz von einer Einheit des nigerianischen Zolldienstes am Flughafen festgenommen und sitzt seither in Lagos in Haft.
Vor dem Haftrichter erklärte sich der Vorarlberger laut dem nigerianischen Medium “The Guardian” nicht schuldig. Die österreichische Botschaft in Abuja steht mit dem Betroffenen in Kontakt und leistet konsularische Unterstützung, unter anderem im Rahmen von Haftbesuchen. Der Lustenauer hat eine eigene Rechtsvertretung.
Warum so viel Bargeld
Österreichische Stoffe und Stickereien sind in Nigeria unter der Bezeichnung “Austrian Laces” seit Jahren beliebt und ein Statussymbol. Doch nicht immer gelangen die oft aus Lustenau stammenden Waren ordnungsgemäß nach Afrika: Ein Mittelsmann verkaufte die mit Frachtflugzeugen nach Nigeria verbrachte Ware aus Vorarlberg an interessierte Kunden. Gezahlt wird bar, das Geld wird dann in internationale Währungen getauscht und vom Mittelsmann wieder außer Landes geschafft.
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In Nigeria ist laut Informationen des österreichischen Außenministeriums die Ein- und Ausfuhr von Fremdwährung schon ab 5000 US-Dollar deklarationspflichtig. Auch an den Grenzen der EU sind Geldbeträge ab 10.000 Euro meldepflichtig.
Wem gehört das Geld
Dies hängt davon ab, welche Stickereien oder Zwischenhändler für den Transport verantwortlich waren. Es gibt mehrere Lustenauer Stickereien, die sich in Nigeria einen Namen gemacht haben. In den sozialen Netzwerken warnen manche davor, dass ihre Produkte nur bei den offiziellen Partnern im Land erhältlich sind.
Es ist denkbar, dass weniger bekannte Produzenten oder Textilzwischenhändler auf dem Schwarzmarkt tätig sind und vom Lustenauer Glanz profitieren wollen. So oder so warten nun Unternehmer auf das Geld, das eventuell der Umsatz solcher Textilverkäufe war.
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Korruption in Nigeria
Nigeria kämpft seit Jahrzehnten mit Korruption auf allen Ebenen. Auch der Lustenauer Sticker Karl Hagspiel war Ende der 1970er in einer vergleichbaren Situation. Er wurde in einem Partnerbetrieb in Nigeria festgenommen, aufgrund von Unklarheiten bei einem Geldwechsel. Er berichtete den VN von seinen unvorstellbaren Haftbedingungen und welche Rolle Korruption und Bestechung innerhalb und außerhalb der Gefängnisse spielten. Hagspiel kam auf Kaution frei und setzte sich in die Heimat ab.
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Die Economic and Financial Crimes Commission (EFCC) ist die Hauptbehörde in Nigeria im Kampf gegen Korruption. Sie geht mit Verdachtsfällen wenig zimperlich um: Auf den sozialen Netzwerken brüstet man sich mit Fotos des beschlagnahmten Geldes und des Vorarlberger Tatverdächtigen, wohl auch als Mittel der Abschreckung.