Lechweg zum Jubiläum im Fokus der Experten

HE_Brege / 20.07.2022 • 14:10 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Spektakuläre Begrüßung der Lechweg-Jubiläumsgäste in Warth: Walser Alphornbläser. stp/2
Spektakuläre Begrüßung der Lechweg-Jubiläumsgäste in Warth: Walser Alphornbläser. stp/2

Fachleute holen am Lech Anregungen für Renaturierungsprojekte.

Warth, Lech „Dahin, wo ihr schon seid, werden wir bei unserem Projekt gar nie komme“, so ein Schweizer Experte, der eine Fluss-Renaturierung in Frankreich plant, bei seinem Besuch am Lech anerkennend“, erzählt „Bluatschink“ Toni Knittel stolz. Er stand vor über drei Jahrzehnten an der Spitze einer Bürgerinitiative, um dem Lech die Zerstörung durch Kraftwerke zu ersparen. Für die Initiative „Lebensraum Lechtal“ das wohl schönste Kompliment und eine Bestätigung dafür, dass sich der Kampf um den Erhalt des Naturjuwels Lech gelohnt hat. Und Knittel bringt es auf den Punkt: „Hätten wir die Pläne damals nicht verhindert, wäre die Lech-Zerstörung unumkehrbar geworden.“

Zum Jubiläum hohe Gäste

Das einzigartige Wildfluss-Juwel wurde der Öffentlichkeit zugänglich gemacht: Vor zehn Jahren war der Lechweg eröffnet worden – jetzt kamen zum Jubiläum auch hohe Gäste zu Besuch, um sich zu überzeugen, wie sich das Projekt entwickelt hat. Begrüßt wurden sie u. a. von den 2015 gegründeten Walser Alphornbläsern in Warth und von „Bluatschink“, der für seinen Fanclub am Lech ein Konzert gab. Im Sommer sind Tausende auf dem Lechweg unterwegs. Viele absolvieren die ganze Tour in fünf bis acht Tagen, manche gehen nur Teilstücke, picken Highlights heraus, „alles ist möglich, denn es gibt unterwegs über hundert Quartierangebote und ein gutes Busangebot“, erläutern die Tourismusbüros.

Auch in Vorarlberg

Von der Quelle am Formarinsee bis zur Mündung in die Donau ist der Lech rund 260 Kilometer lang. Mehr als die Hälfte davon – im deutschen Abschnitt ab dem Lechfall bei Füssen – ist kanalisiert, mit Kraftwerken bestückt. Kraftwerksprojekte gab es auch für den weitgehend naturbelassenen Teil des Lechs, die 125 Kilometer von der Quelle bis zum Lechfall. Die Idee, den Lech an der Landesgrenze aufzustauen und zwischen Warth und Lech einen Stausee zu schaffen, hat in der Diskussion um Kraftwerksprojekte auch Naturschützer in Vorarlberg alarmiert. 1996 forderte deshalb Landtagsabgeordneter Kaspanaze Simma in einer Landtagsanfrage die Unterschutzstellung des Lechs. Schützenhilfe gegen Kraftwerksprojekte kamen vor allem von der Deutschen Alpenvereinssektion Memmingen, die im Madautal eine Schutzhütte unterhält. Sie sammelte binnen kürzester Zeit fast 20.000 Unterschriften gegen die Pläne.

Durchbruch mit Natura 2000

Jahrelang war der Ausgang der Auseinandersetzung um die Kraftwerke ungewiss, erst im Jahr 2000 schlug das Pendel gegen die Projekte aus, als der Tiroler Lech in das europaweite ökologische Schutzgebietsnetz Natura 2000 aufgenommen wurde. Vier Jahre später folgte das Prädikat „Naturpark“ per Verordnung und die Auszeichnung zu einem Naturschutzgebiet durch die Abteilung Umweltschutz des Landes Tirol. Auf einer Fläche von 41,38 km2 umfasst das Schutzgebiet im Wesentlichen den Wildfluss Lech mit seinen angrenzenden Überflutungszonen und Auwäldern, die wichtigsten Seitenzubringer – vor allem Streimbach – sowie Teile von Bergmischwäldern.

Der krönende Abschluss

Jetzt galten die Bemühungen der Naturschützer einer behutsamen Erschließung dieses Naturjuwels – fast zehn Jahre lange arbeitete man am Projekt Lechweg, der 2012 eröffnet wurde. Auf Tiroler Gebiet, denn „auf dem ersten Abschnitt um die Quelle am Formarinsee lag damals noch viel Schnee“, erinnern sich die mit Lob überschütteten Initiatoren: Die Europäische Wandervereinigung (EWV) zertifizierte den Lechweg als ersten Wanderweg „Leading Quality Trial – Best of Europe“. Die einzigartige Vielfalt hätte nicht treffender dokumentiert werden können: Schnee im Quellgebiet auf 1800 Meter, blühender Frühling wenige Kilometer weiter unten. Toni Knittel stellte sein Liebeslied an den Fluss „Am Lech entlang“ vor, Festredner lobten das Projekt als „Modellfall für Weitwanderwege in Europa“.

Gespickt mit Attraktionen, angefangen mit dem Quellgebiet in rund 1800 m
Seehöhe, am Start der Tour, bei der 15 Abschnitte individuell zu bewältigen sind, bis zu den Königsschlössern am Ende der Tour in Füssen. Dazwischen gibt es die Mutproben der Hängebrücken in Holzgau (200,5 m lang, 110 m hoch) und über die Ehrenberger Burgenwelt (406 m lang, 114 m hoch von der Burgruine Ehrenberg zum gegenüberliegenden Fort Claudia). STP

Über 700 Jahre Geschichte: Toni und Margit Knittel auf der Zugbrücke der 1296 erstmals urkundlich erwähnten Burgenwelt Ehrenberg.
Über 700 Jahre Geschichte: Toni und Margit Knittel auf der Zugbrücke der 1296 erstmals urkundlich erwähnten Burgenwelt Ehrenberg.