Alles Gute kommt nicht immer von oben

HE_Dornb / 22.02.2022 • 12:46 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Gerade Blumentröge, die über das Geländer hängen, können zur großen Gefahr werden. Shutterstock
Gerade Blumentröge, die über das Geländer hängen, können zur großen Gefahr werden. Shutterstock

Ö-Norm-Experte Michael Notz warnt vor den Folgen, wenn Gegenstände von Gebäuden herunterfallen.

SICHERHEIT Alles Gute kommt von oben. Nicht immer, bedenkt man, wie viele Verletzte und auch Todesopfer jedes Jahr in Österreich auf Grund von herabfallenden Gegenständen von Gebäuden zu beklagen sind. Der § 1318 ABGB weist hier die Schuld eindeutig den Haus- und Wohnungsbesitzern zu. Oder auch, wenn nicht auf die Funktion, Stabilität und exakte Höhe von Geländern in Wohnhausanlagen oder Büros geachtet wird und es hier zu Abstürzen oder Verletzungen von Personen kommt, weil baurechtliche Maßnahmen nicht eingehalten wurden.

Keine Gnade

„Vorsicht ist in jedem Fall geboten, denn die Gerichte kennen keine Gnade und bei Personenschäden ist es mit Strafzahlungen längst nicht getan. In solchen Fällen ist im schlimmsten Fall für Wohnungsinhaber, Hausbesitzer oder auch weitere Verantwortungsträger mit Haftstrafen zu rechnen“, betont der zertifizierte ÖNORM-B-1300-Experte Michael Notz von der ISHAP Gebäudedokumentations GmbH. Notz ist mit seinem Team in ganz Österreich unterwegs, um im Auftrag von Immobilienbesitzern, Wohnbaugesellschaften und Hausverwaltungen ÖN-B-1300- und B-1301- Objektsicherheitsbegehungen durchzuführen und die Auswertungen auch digital und rechtssicher zu dokumentieren, damit im Fall der Fälle vor Gericht bewiesen werden kann, dass von Seiten der Inhaber alle Sicherheitsrichtlinien eingehalten wurden.

Seit Einführung des jährlichen Autopickerls haben sich die Unfälle dramatisch verringert. Gleiches soll auch durch die Objektsicherheitsbegehung bei der Gebäudesicherheit passieren. Weniger Unfälle durch fehlerhafte Gebäudeteile, Anlagen oder nicht umgesetzte Feuerschutz- oder Sicherheitsvorkehrungen. Gerade lose, kaputte, fehlende oder zu niedrige Geländer sind oft Grund für schwere Unfälle in Gebäuden. Hier hilft eine regelmäßige Überprüfung, Schwachstellen ausfindig zu machen, um einen Unfall zu verhindern oder auch nach einem Katastrophenfall vor Gericht seine Nichtschuld zu beweisen.

Der Gesetzgeber ist eindeutig und strikt: Wird jemand durch das Herabfallen einer gefährlich aufgehängten oder gestellten Sache oder durch Herauswerfen oder Herausgießen aus einer Wohnung beschädigt, so haftet derjenige, aus dessen Wohnung geworfen oder gegossen worden oder die Sache herabgefallen ist, für den Schaden. Das gilt auch für lose Mauerteile, Dachziegel, Schneelawinen oder sonstige Teile, die von Gebäuden fallen können.

Metallausführungen

Heute sind aus nutzungstechnischen Gründen vor allem Metallausführungen bei Geländern und Handläufen vorgesehen. „Bei Häusern aus den 1960er- bis 80er-Jahren und bei Gründerzeithäusern kommt es noch vor, dass es Geländer wie auch Handläufe aus Holz gibt. Hier weisen wir auf etwaige Gefahren hin und raten zu Brandschutzkonzepten, welche die Verkehrssicherheit sicherstellen sollen. Probleme gibt es oft bei Handläufen, die nicht nach Vorschrift verbaut wurden. Die Geländerhöhe hat mindestens einen Meter zu betragen. Ab einer Absturzhöhe von mehr als zwölf Metern mindestens 1,10 Meter. Das alles wird von den Experten bei der jährlichen Objektsicherheitsbegehung protokolliert und Schäden oder Probleme sofort fotografisch verortet und digital abgespeichert“, so Notz.