Völkerrecht als Leidenschaft

Heimat / 02.01.2023 • 19:44 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Waibel: „Der Ruf an die Uni Wien war für mich sehr attraktiv.“
Waibel: „Der Ruf an die Uni Wien war für mich sehr attraktiv.“

Der Rechtswissenschaftler aus Dornbirn kam von Cambridge in die Donaumetropole.

WIEN „Staaten können ihre politischen, wirtschaftlichen, technischen, sozialen und sonstigen Probleme nicht mehr allein oder nur innerhalb ihrer staatlichen Grenzen lösen. Daher werden zum Verständnis des innerstaatlichen Rechts Kenntnisse des internationalen Rechts benötigt. Für mich ist das internationale Recht Berufung und Leidenschaft zugleich.“

Das erklärt in seinem Büro in der Universität Wien gegenüber den VN der 1880 in Dornbirn geborene Rechtswissenschaftler Dr. Michael Waibel (42). Er ist seit 2019 Professor für Internationales Recht an der Universität Wien. Der Schwerpunkt seiner Lehr- und Forschungstätigkeit liegt im allgemeinen Völkerrecht, dem internationalen Wirtschaftsrecht, Staatsschulden und der internationalen Streitbeilegung. Zuvor lehrte und forschte er zehn Jahre lang an der Universität Cambridge. Waibel weiter: „Es war für mich sehr attraktiv, an die Universität Wien zu wechseln. Diese hat gerade auch in der völkerrechtlichen Lehre und Forschung eine große Tradition.“

Wien ist außerdem Sitz einer großen Zahl wichtiger internationaler Organisationen wie der Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC), der Internationalen Atomenergie Organisation (IAEA) und einer Reihe von Organisationen in der UNO-City, die das internationale Recht ständig weiterentwickeln. Insgesamt, so Waibel, habe sich das Völkerrecht sehr stark verbreitet und sei in viele Lebensbereiche vorgedrungen. Die Begriffe Völkerrecht und internationales Recht sind im deutschen Sprachraum gleichbedeutend. „Der Zustand des Völkerrechts und seiner Effektivität war im Laufe der Zeit schon besser, aber auch schlechter als heute. Auffallend ist aber, dass selbst Staaten, die das Völkerrecht bewusst missachten, mit der Sprache des Völkerrechts argumentieren“, unterstreicht Waibel.

Seine Lehrveranstaltungen hält er fast nur in englischer Sprache. Auch seine wissenschaftlichen Publikationen verfasst Michael Waibel weitestgehend in Englisch. Er ist auch Herausgeber bzw. Mitherausgeber mehrerer renommierter Fachzeitschriften. Studierenden, die sich auf das internationale Recht spezialisieren wollen, rät Waibel, sich zuerst sehr gute Kenntnisse der nationalen Rechtsordnung anzueignen und sich erst im fortgeschrittenen Studium im internationalen Recht zu spezialisieren. Der Grund dafür liege darin, dass das Völkerrecht und das innerstaatliche Recht sehr stark ineinander verzahnt sind.

Privat ist Michael Waibel, der auch oft nach Vorarlberg kommt, verheiratet und Vater zweier Kinder. Er ist der Sohn der früheren Vorarlberger Landesrätin Eva-Maria Waibel sowie des Rechtsanwalts Gottfried Waibel.

Michael Waibel studierte Rechtswissenschaften an den Universitäten Wien, Paris und der Harvard Law School sowie Volkswirtschaftslehre an der London School of Economics und an der Universität Cambridge. Er durchlief zudem Stationen bei der Europäischen Zentralbank in Frankfurt sowie der Weltbank und dem Internationalen Währungsfonds in Washington D. C. Für seine wissenschaftlichen Aktivitäten erhielt er zahlreiche Auszeichnungen, darunter auch den Wissenschaftspreis (Würdigungspreis) 2020 des Landes Vorarlberg. EE

Zur Person

Michael Waibel

GEBOREN 9. September 1980

AUSBILDUNG Studium Rechtswissenschaften und Wirtschaft

LAUFBAHN Universitäten Wien, Paris, Harvard Law School und London School of Economics

FAMILIE verheiratet, zwei Kinder

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