22 Jahre Amtsführung mit Großprojekten und Zukunftsvisionen

Florian Kasseroler, (Noch-)Bürgermeister von NenzingEM
Nach fast 22 Jahren als Nenzinger Bürgermeister tritt Florian Kasseroler bei den kommenden Gemeindewahlen nicht mehr an und freut sich auf den Ruhestand.
Nenzing Im Gespräch mit der VN-Heimat zieht Florian Kasseroler nach über zwei Jahrzehnten im Amt des Bürgermeisters Bilanz.
Welche persönliche Bilanz ziehen Sie nach fast 22 Jahren als Bürgermeister?
FLORIAN KASSEROLER Die äußeren Bedingungen und Herausforderungen erfordern oft klare Vorgaben und entschlossenes Handeln. Dabei hat man die Möglichkeit seine eigenen Werte, Visionen und Überzeugungen einzubringen. Der Versuch, bei der Amtsführung möglichst beide Aspekte in Einklang zu bringen und dabei immer das Gemeinwohl zu berücksichtigen, gibt einem die Möglichkeit als Mensch und Person zu wachsen.

Das neue Familienzentrum, die Sanierung der Mittelschule, der Bau des Nahwärmekraftwerks – in Nenzing wurden jüngst mehrere Großprojekte umgesetzt. Wie wichtig ist eine gute Infrastruktur für ein gutes Leben in Nenzing?
FLORIAN KASSEROLER Eine Gemeinde kann nur die Rahmenbedingungen für ein gutes Leben schaffen, etwa ein ausreichendes Kinderbetreuungsangebot, attraktive Sport-und Freizeitmöglichkeiten oder ein Angebot für jenen Lebensabschnitt, in dem man auf Hilfe und Pflege angewiesen ist. Für ein gutes Leben aller Generationen braucht es jedoch noch mehr. Ich denke hier an gesunde Betriebe mit sicheren Arbeitsplätzen, eine gute Nachbarschaft, ein reges Vereinsleben und ein gutes Miteinander der Generationen und Kulturen.

Nenzing macht über die Landesgrenzen hinaus immer wieder durch innovative Projekte und Auszeichnungen in den unterschiedlichsten Bereichen von sich reden. Wo liegt das Geheimnis?
Florian Kasseroler Es gibt kein Geheimnis. Es ist das Ergebnis von konsequenter Arbeit mit motivierten Mitarbeitern und Mandataren und einem konstruktiven Klima in der Gemeindestube. Dabei können Dinge entstehen, die einen echten Mehrwert für die Gemeinde und ihre Bewohner bringen.
Wird es zunehmend schwieriger, die Wünsche der Bevölkerung und die angespannten Budgets der Gemeinden unter einen Hut zu bringen?
Florian Kasseroler Die Gemeinde Nenzing ist mittlerweile zu einem Dienstleistungsbetrieb mit über 200 Mitarbeitern und einem Budget von 25 Millionen Euro gewachsen. Dank den gemeindeeigenen Einnahmen und der Steuerleistung unserer Betriebe war es möglich, den von allen politischen Fraktionen mitgetragenen Investitionsplan umsetzen. Tatsache ist jedoch, dass viele Gemeinden zunehmend zu Bittstellern werden und sich nur noch mit Hilfe von Finanzpaketen und Sonderförderungen über Wasser halten können. Hier braucht es dringend strukturelle Anpassungen und eine Änderung bei den vertikalen Finanzströmen.

Was bedeutet für Sie eine nachhaltige Gemeindeentwicklung?
Florian Kasseroler Wir versuchen bei unseren Entscheidungen möglichst viele ökologische, wirtschaftliche und soziale Gesichtspunkte zu berücksichtigen. Dabei gilt es auch, gesamtgesellschaftliche Entwicklungen einzubeziehen sowie das Gemeinwohl und die Bedürfnisse künftiger Generationen im Blick zu haben.
Was wünschen Sie sich für die (politische) Zukunft der Marktgemeinde?
Florian Kasseroler Ich darf eine Gemeinde mit geordneten Finanzen, motivierten Mitarbeitern, mit hoher Sozialkompetenz und einer funktionierenden Dorfgemeinschaft übergeben. Ich wünsche mir, dass konstruktive Kräfte diesen Werten auch in Zukunft hohe Bedeutung zukommen lassen, und die Gemeinde so weiterentwickeln, dass ich selber gerne darin lebe.
Und auf was freuen Sie sich besonders in der Zeit nach der Pensionierung?
Florian Kasseroler Ich freue mich darauf, am Morgen mit dem Gefühl aufzuwachen, nicht mehr für alles verantwortlich zu sein und meinen Tagesablauf selbst gestalten zu können. EM