Koexistenz mit Wildtieren
Zum VN-Interview mit Manfred Vonbank, VN vom 5. Mai:
Die abschließende Frage im Interview mit dem neuen Landesjägermeister Manfred Vonbank, den ich kenne und schätze, suggeriert Alternativlosigkeit: Wie soll die Integration des Wolfes funktionieren, wenn Menschen schon bei kleineren Störungen durch Fuchs, Dachs oder Reh nach deren Abschuss rufen? Die Beispiele offenbaren die problematische Haltung des Menschen zur Natur. Wildtiere werden meist nur dann akzeptiert, solange sie nützlich sind. Doch Rehe, die Rosen beknabbern, oder Dachse, die den Garten vertikutieren, handeln nicht ‚falsch‘ – sie teilen den Lebensraum mit uns. Die eigentliche Herausforderung sind daher nicht Fuchs, Dachs, Wolf & Co., sondern die tief verwurzelte Vorstellung, Natur stünde ausschließlich dem Menschen zur Verfügung. Koexistenz bedeutet mitnichten Konfliktfreiheit. Entscheidend ist aber die Bereitschaft, Konflikte auszuhalten und Lösungen zu finden, die auch anderen Lebewesen Platz zum Leben lassen. Der Mensch ist nicht alleiniger Maßstab des Lebens auf diesem Planeten. Angesichts der bestehenden ökologischen Krisen wird vielmehr die Fähigkeit entscheidend sein, die Vorstellung von Kontrolle und Besitz über die Natur zu überwinden und andere Lebensformen nicht als bloße Ressourcen oder Störfaktoren zu begreifen, sondern als legitime Mitbewohner gemeinsamer Lebensräume. Ich setze deshalb große Hoffnung in die nachwachsende Generation, die zunehmend in mehr-als-menschlichen Kategorien denkt und wildlebenden Tieren ein eigenes Existenzrecht und Lebensraum zugesteht.
Ulrike Schmid, PhD, Götzis