“Es ist die Luft, die besser wird” – Feldkirch macht die Altstadt klimafit

Mit Schwammstadtprinzip, Begrünung und neuer Infrastruktur reagiert die Montfortstadt auf Hitze und Starkregen.
Darum geht’s:
- Feldkirch Altstadt wird klimafit durch Begrünung und Infrastruktur.
- Schwammstadtprinzip speichert Regenwasser für Baumversorgung.
- Private Eigentümer fördern Dach- und Fassadenbegrünung.
Feldkirch Enge Gassen, viel Stein, wenig Schatten – was der Altstadt ihren historischen Charme verleiht, wird in Zeiten des Klimawandels zunehmend zur Herausforderung. Wenn es im Sommer über 30 Grad hat, wird die Altstadt für viele zur Belastung. Feldkirch reagiert darauf im Zuge der Kanalarbeiten mit Bäumen statt Beton und Wasser im Boden anstatt im Kanal.

Die Erfahrungen der letzten Jahre haben es gezeigt. Hitzeinseln in den Sommermonaten, überlastete Kanäle bei Starkregen. Nun braucht es Lösungen. “Wir müssen die Innenstadt widerstandsfähiger machen – gegen Hitze genauso wie gegen extreme Niederschläge”, sagt Karoline Schirmer, Abteilungsleiterin für Umwelt, Energie und Klima.
Regenwasser speichern und Bäume pflanzen
Kern des Projekts, welches im Zuge der Kanalarbeiten umgesetzt wird, ist das sogenannte Schwammstadtprinzip. Regenwasser soll künftig nicht mehr möglichst rasch im Kanalsystem verschwinden, sondern vor Ort gespeichert werden. Geplant sind unter anderem Baumrigolen – das sind unterirdische Wasserspeicher, die das gespeicherte Regenwasser dorthin bringen, wo es gebraucht wird. In diesem Fall zu den Bäumen. “Es ist die Luft, die besser wird”, so Schirmer.

“Die Kombination dieser Maßnahmen sorgt für Abkühlung, stärkt die Vegetation in Trockenperioden und schützt gleichzeitig vor Überflutungen”, so Karoline Schirmer weiter. In den kommenden Bauphasen sollen zudem Messungen durchgeführt werden, um zu prüfen, wie viel Wasser der Untergrund aufnehmen kann. Das ist eine wichtige Grundlage für weitere Begrünungs- und Versickerungslösungen.
Mehr Schatten, mehr Aufenthaltsqualität
Neben dem technischen Aspekt geht es auch um Lebensqualität. Beschattete Bereiche, Wasserelemente, Verdunstungsflächen und neue Sitzgelegenheiten sollen die Altstadt auch an heißen Tagen nutzbar halten. Kleine klimatische Entlastungsräume, die den Alltag für die Bewohner und Betriebe spürbar erleichtern, das ist das Ziel.

Private Eigentümer im Boot
Die Stadt setzt jedoch nicht nur auf öffentliche Flächen. Auch private Gebäudeeigentümer sollen Teil der Lösung werden. Förderungen für Dach- und Fassadenbegrünungen bestehen bereits und werden gezielt beworben. “Nicht jedes Gebäude eignet sich dafür, aber dort, wo Potenzial besteht, suchen wir gemeinsam mit den Eigentümern nach Lösungen”, erklärt Karoline Schirmer. Langfristig sollen zudem nicht nur die Altstadt, sondern auch klimatische Hotspots in anderen Stadtteilen schrittweise aufgewertet werden.

Baustellen als Belastung und Investition
Dass die Umsetzung nicht ohne Einschränkungen abläuft, ist allen Beteiligten bewusst. Baustellen vor der eigenen Haustür bedeuten Lärm, Staub und Umwege. “Das ist für niemanden angenehm”, räumt die Leiterin Kommunikation der Stadt Feldkirch, Andrea Bachmann, ein. Gleichzeitig werde in jeder Bauphase darauf geachtet, dass Zugänge zu Wohnungen und Geschäften sowie Anlieferungen möglich bleiben – je nach Straßensituation über Lauben, Stege oder alternative Wege.
Klimaschutz und Infrastruktur zusammengedacht
Parallel zur Begrünung nutzt die Stadt die Bauarbeiten für den Ausbau der Nahwärme. Die Stadtwerke erweitern die Leitungen, um langfristig fossile Heizsysteme zu reduzieren und die Wärmeversorgung effizienter zu machen. Klimaanpassung und Klimaschutz greifen hier unmittelbar ineinander.