Vom Mühlbach zur Industrie: Wie Rankweil zum Wirtschaftsstandort wurde

Heimat / 18.02.2026 • 14:03 Uhr
Blick von Zwischenwasser auf die Fabrik im Hintergrund die Basilika Rankweil um 1900. Foto:  Archiv der Marktgemeinde Rankweil.
Blick von Zwischenwasser auf die Fabrik, im Hintergrund die Basilika Rankweil um 1900. Archiv MG Rankweil

Wasserkraft und Unternehmergeist prägten die Industrialisierung Rankweils.

Rankweil Entscheidend für die wirtschaftliche Entwicklung wurde die Ableitung des Mühlbachs aus der Frutz, lange vor dem 18. Jahrhundert. Mit einem sogenannten Rechen wurde dort das Holz aufgefangen – ein früher logistischer Knotenpunkt, der die Grundlage für spätere Gewerbeansiedlungen schuf.


Mitte des 19. Jahrhunderts erkannte ein Feldkircher Kaufmann das Potenzial dieses Standorts und gründete dort eine Fabrik, die lange Zeit die einzige ihrer Art blieb. Sie entwickelte sich zu einem wichtigen Arbeitgeber für Rankweil und die umliegenden Gemeinden. Die Fabrik abseits vom Ortskern, bekannt als Wirtschaftspark Rankweil, blickt heute auf eine bewegte Geschichte zurück. Nach dem Tod des Gründers J. M. Omeyer ging sie an die Gebrüder Rosenthal über, die das Areal zu einem Industriekomplex ausbauten. Der Erste Weltkrieg brachte einen Stillstand, ehe 1932 mit der Übernahme durch F. M. Romberg ein neuer Aufschwung begann.

Die Villa und Ziegelei Zangerl um 1920. Foto Archiv Marktgemeinde Rankweil.
Die Villa und Ziegelei Zangerl um 1920. Archiv Marktgemeinde Rankweil

Lebensader

Der Mühlkanal blieb über Generationen hinweg die Lebensader der lokalen Wirtschaft. Entlang seines Verlaufs entstanden Mühlen, Schmieden, Gerbereien, Feilenhauereien und holzverarbeitende Betriebe. Besonders prägend wirkte die Firma Riedmann & Scheidbach, die neben Holzverarbeitung auch im Bauwesen landesweit tätig war. Gleichzeitig nutzten zahlreiche Betriebe die Wasserkraft direkt: Spinnereien, Gießereien und Papierfabriken prägten das Ortsbild. Die 1867 gegründete Papierfabrik Berlinger & Cie. etwa belieferte die Textilindustrie, wurde jedoch 1910 durch einen Brand zerstört.

Die Kunstmühle Anton Ölz 2013. Foto: Böhringer.
Die Kunstmühle Anton Ölz 2013. Böhringer

Nudeln und Marmelade

Mit der Industrialisierung erweiterte sich auch die Lebensmittelproduktion. Johann Scheidbach errichtete 1876 eine Teigwarenfabrik am Mühlbach. Georg Rundel entwickelte ab 1910 eine Marmeladenfabrik weiter und baute sie zu einem vielseitigen Lebensmittelbetrieb aus, ehe wirtschaftliche Fehlentscheidungen 1970 zum Konkurs führten. Auch die Mühlenindustrie entwickelte sich weiter. Die von Karl Anton Ölz modernisierte Mühle in der Rüggelen wurde durch die Umstellung auf Walztechnik zu einem florierenden Unternehmen. Der markante Bau der Kunstmühle Ölz zeugt bis heute von dieser Entwicklung.

Von der Mosterei zum Konzern


Während Heimarbeit im Textilbereich eine geringere Rolle spielte, entwickelte sich Rankweil zu einem Zentrum der Schiffli-Stickerei. Um 1900 arbeiteten rund 100 Großstickmaschinen im Ort. Namen wie Jubele, Marte, Ludescher oder Rauch stehen für diese Blütezeit. Besonders bemerkenswert ist, dass aus einer Mosterei der Familie Rauch später der international tätige Fruchtsaftkonzern hervorging.


Weitere Industriezweige prägten das Ortsgebiet: Ziegeleien, Knochenverarbeitung und Leimproduktion ergänzten das industrielle Spektrum. Viele dieser Betriebe sind heute verschwunden, doch ihre Spuren sind im Ortsbild und in der wirtschaftlichen Identität Rankweils weiterhin erkennbar. Die Geschichte des Ortes zeigt, wie Nutzung natürlicher Ressourcen, technischer Fortschritt und unternehmerischer Mut eine nachhaltige industrielle Entwicklung ermöglichten.