Glaskunst aus Teil von Kirchenboden

Installation “Vergläserung” von Künstler Hirschbichler in der Johanniterkirche eröffnet.
Feldkirch “Das Ergebnis lässt sich anschauen”, freute sich Künstler Arno Egger bei seinem Bericht über das Entstehen des noch zwei Monate in der Feldkircher Johanniterkirche zu sehenden Kunstwerks “Vergläserung” bei dessen offizieller Vorstellung. Den Künstler Michael Hirschbichler hat der Kurator für die Kunst in der Kirche vor drei Jahren bei einer Ausstellung im Vaduzer “Engländerbau” kennengelernt. Mit dem an einer Reihe renommierter Universitäten, seit einer Weile in Hamburg unterrichtenden, sich an der Schnittstelle von Kunst und Architektur bewegenden Kunstschaffenden kam Egger ins Gespräch über die Johanniterkirche und deren vor Jahren entfernte Original-Glasfenster.

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Beide verstanden sich bestens und Hirschbichler war dem Kurator zufolge “gleich Feuer und Flamme” für die Gestaltung eines Werks in dem besonderen Kunstraum. Darüber, wer den eine Zeit lang mitprägen soll, entscheiden übrigens Egger und sein Team. “Den haben schon einige wegen seiner Dimension ziemlich unterschätzt”.

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Anders als bei den bisherigen Installationen ist die Kirche dieses Mal nicht nur Schauplatz, sondern auch Ursprung des Kunstwerks. Aus ihrem von verschiedenen Ausgrabungen geprägten Boden wurden 250 Kilo Sand entnommen und als Material für das Herstellen von Glas verwendet. Egger und Team haben es zuerst selber mit dem nötigen Sieben versucht, in zwei Tagen aber nur eine geringe Menge geschafft. Für die Aufarbeitung des Rests fanden sie die deutsche Firma Kremer Pigmente, für die Umsetzung die Glashütte Lamberts im nordbayerischen Waldsassen bzw. den dafür extra aus der Pension geholten Glasbläsermeister Wenzel Riederer.

“Mit ihm hatten wir ein großes Glück, er hat eine unglaubliche Fertigkeit”, lobte Egger den zur Eröffnung mit seiner Gattin angereisten Kunsthandwerker. Für Kurator und Künstler war das Verfolgen der mehrtägigen Verwandlung des Kirchenboden-Sandes bei 1400 Grad Celsius und anschließender Abkühlung bzw. Verfestigung in 49 tropfenförmige Glaselemente ein besonderes Erlebnis. “Für die Glasmacher war das äußerst riskant. Für meine Installation mussten sie einen Teil der Kontrolle an das Material zurückgeben, statt ihre Arbeit wie gewohnt korrekt und perfekt zu machen”. Es seien bewusst keine idealen Glasformen entstanden, sondern instabile, deformierte, teils fragmentarische Körper.

So zitiert die für den in der Kirche aufliegenden Text über das Projekt zuständige Karin Guldenschuh den Künstler. Sie sieht am Anfang ihrer lesenswerten Ausführungen eine Verbindung von Archäologie und Kosmologie, architektonischem Raum und geologischer Zeit, Stofflichkeit und Transzendenz.

Für die Aufhängung des Bündels von 36 Glaselementen (der Rest ist im Durchmesser zu breit dafür geraten) sorgte Künstler und Teammitglied Roland Adlassnigg. Ihm dankte Egger ebenso wie der Kirche für die Bereitstellung der Räumlichkeit, Stadt, Land und Sponsoren für ihre Unterstützung oder Georg und Margot Fink für Aufsicht und Getränkeausschank.

In seiner fesselnden Vernissagerede bezeichnete Musiker Klaus Christa das Glas als Material, das uns im Alltag ständig begegnet. Am Beispiel von Glasscheiben erklärte er, wie das Material zugleich trennend als auch verbindend wirkt. Die Beschäftigung mit der Kunst sei eines der großen Geheimnisse der Menschheit, Hirschbichlers Werk faszinierend. Kunst lasse “uns in die Räume unserer Seele schauen, die wir mit dem Kopf allein nicht erreichen”. In einem Leben ohne Kunst werde vieles von dem ausgeklammert, was zu einem beseelten, erfüllten Menschen gehöre. AME



