Kapelle Maria Schnee – eine wechselvolle Geschichte

Die heutige Kapelle oberhalb von Frastanz entstand erst im 19. Jahrhundert.
Nenzing In der Nenzinger Parzelle Halden entstand bereits in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts an der Straße nach Gampelün eine kleine Kapelle, deren Standort allerdings etwas abseits des heutigen Gotteshauses war. Im Gegensatz zu einigen anderen Kapellen dieser Gegend gehört die Kapelle auch pfarrlich zu Nenzing und damit zum Dekanat Walgau-Walsertal. Der Bau war damals die Einlösung eines Gelübdes der Bewohner dieser Gegend, die von der Pest verschont geblieben waren. Diese kleine Pestkapelle war sehr schlicht gestaltet, das einzige in den Quellen erwähnte Kunstwerk war eine Darstellung des hl. Martin im Deckengemälde. Wie so viele Kapellen stand auch diese in der Zeit des Josefinismus vor der Schließung, blieb aber schließlich davor verschont.
Als die Kapelle wenige Jahrzehnte später zu klein wurde, entschlossen sich die Haldener zu einem kompletten Umbau ihrer Kapelle, den sie größtenteils selbst in die Hand nahmen und durch Spenden finanzierten. Letztlich blieben nur die Grundmauern bestehen, und mit der Einweihung erhielt die Maria-Schnee-Kapelle – Patrozinium am 5. August – auch die erwünschte Messlizenz, um die beim Generalvikariat angesucht worden war.
In den 1870er-Jahren wurde die Kapelle – auch angesichts der nun dort gelesenen Messen – endgültig zu klein, und man entschloss sich zum Abriss. 1874 wurde in unmittelbarer Nähe die neue, heutige Kapelle errichtet. Das nun 14,5 m lange und 8 m breite Gotteshaus bot nun Platz für 90 Personen im Schiff und knapp 60 auf der Empore.

Hinter dem Hochaltar in der südwestseitigen Apsis brachte man einen eigenen Sakristeiraum an, wodurch der Chorraum etwas kürzer wurde. Das Satteldach über dem rechteckigen Bauwerk ist mit Eternitschindeln gedeckt. Es wird überragt von einem über der Apsis errichteten Dachreiter, in dem sich zwei kleine Glocken befinden. Er hat einen Giebelspitzhelm, der ebenfalls mit Eternitschindeln gedeckt ist.
Der dreigliedrige Altar stammt aus der Werkstatt der Schrunser Künstlerfamilie Bertle und ist im Nazarenerstil gestaltet. Das Retabel weist die typische Ornamentik dieses Stils auf. In den drei Nischen darüber steht die Muttergottes mit dem Jesukind über dem Tabernakel. Ihr zur Seite steht links eine Statue des hl. Sulpizius und rechts eine des Evangelisten Johannes. Diese drei Figuren stammen aus spätgotischer Zeit, etwa um 1480, und befanden sich früher in der Frastanzer Pfarrkirche.
Der schlichte Volksaltar, der stilistisch dazu passende schwarze Ambo und die ebenfalls dunkel gehaltenen Sedilien geben nicht nur den Blick frei auf den Altar, sondern fügen sich harmonisch in das gesamte Innere der Kapelle, die seit Längerem unter Denkmalschutz steht.
An den beiden Seiten des Apsisbogens standen vor einer umfassenden Renovierung zwei Seitenaltäre, deren Altarblätter links die Salbung Jesu durch Maria Magdalena und rechts eine Darstellung des Johannes Nepomuk zeigten. Diese Altäre fanden aber bei der Umgestaltung keinen Platz mehr. Nun befindet sich links des Bogens eine Pietà-Darstellung, und rechts hängt ein Kruzifix. OS