Historisches Bauwerk aus dem späten 16. Jahrhundert

Heimat / 16.04.2026 • 14:41 Uhr
Anna-und-Joachim-Kapelle an der Straße nach Tannberg (Foto OS)
Anna-und-Joachim-Kapelle an der Straße nach Tannberg. Otto Schwald

Tannberg-Kapelle ist ein historisches Kleinod mit unbekannter Baugeschichte.

Lech Gleich nach der Ortseinfahrt von Lech befindet sich, vom Flexenpass kommend, an der Abzweigung zum Ortsteil Tannberg – früher die Bezeichnung für die gesamte Siedlung – ein markantes kleines Gebäude, das aufgrund seiner Bauform auf den ersten Blick nicht unbedingt als Kapelle erkennbar ist. Die Gründe für die Errichtung liegen im Dunkeln, denn es gibt keinerlei historische Quellen, warum an dieser Stelle eine Kapelle vermutlich schon im späten 16. Jahrhundert errichtet wurde. Möglicherweise sollte sie am Zusammenfluss von Lech und Zürser Bach Schutz gewähren oder auch die Menschen auf dem vor allem im Winter nicht ungefährlichen Weg nach Zug beschützen.

Schöner Renaissancealtar im Inneren der Kapelle (Foto OS)
Schöner Renaissancealtar im Inneren der Kapelle.

Das kleine Gotteshaus hat einen quadratischen Grundriss, und über dem Mauerwerk ragt ein steiles, geschindeltes Pyramidendach in die Höhe, das mit einer metallenen Spitze abschließt. Auf dieser befindet sich eine Kugel mit einem geschmiedeten Kreuz darüber.

Der Innenraum wird nach oben von einem Kreuzgewölbe abgeschlossen, das keinerlei Bemalung aufweist. Allein durch die südseitige Türe, die mit einem schmiedeeisernen Tor verschlossen ist, fällt Licht in den Innenraum ein, denn die Kapelle hat keine Fenster und erinnert daher fast eher an einen großen Bildstock.

Die Kapelle ist zu Ehren der Eltern der Muttergottes geweiht, der hl. Anna und dem hl. Joachim. Der Baukern dürfte auf das Ende des 16. Jahrhunderts zurückgehen, und auch der schlichte Renaissancealtar darf als Hinweis auf eine Errichtung zumindest im frühen 17. Jahrhundert gesehen werden. Im hinteren Teil der Mensa befindet sich ein kleines hölzernes Podest, auf dem auf einer kleinen Predella das Retabel in Form eines Flügelaltars steht. Der dreieckige Giebelaufsatz zeigt den Gekreuzigten inmitten des Nomen sacrum IHS, zu beiden Seiten befindet sich eine weiße Rose.

Im Zentrum des Altars steht heute eine kleine Marmorstatuette mit den Patronen der Kapelle, Anna und Joachim, sowie Maria als Kind. Die drei Freiräume im Blumendekor der Hintergrundmalerei lassen darauf schließen, dass sich hier ursprünglich wohl die Figuren von Maria, Anna und Joachim befanden. Auf diese drei Personen verweisen auch die über der Predella angebrachten Schriftzüge “B. V. Maria” sowie “B: Ana” und “B: Ioachim”. Dort findet sich zudem ein Hinweis auf eine Renovierung im Jahr 1871.

Auf den beiden Seitenflügeln befinden sich jeweils zwei Flachreliefs in einem Rahmen mit Rundbogen. Links sind die Apostel Petrus (mit Schlüssel) und Andreas (mit Andreaskreuz) dargestellt, rechts der hl. Paulus und darunter Maria Magdalena. Auf den Gemälden der Außenseiten der Flügel sind die hl. Katharina und die hl. Barbara zu sehen. Neben dem Retabel stehen zwei Statuen, links eine Muttergottes, rechts eine Herz-Jesu-Darstellung.

Zur weiteren Innenausstattung des kleinen Gotteshauses gehören an der linken Seitenwand ein Gemälde von der Flucht nach Ägypten aus dem frühen 18. Jahrhundert und an der rechten ein Kruzifix, wohl auch aus dem 18. Jahrhundert. OS