Regierungsbeschluss bringt Projekt in St. Gallenkirch voran

Heimat / 29.04.2026 • 13:13 Uhr
Regierungsbeschluss bringt Projekt in St. Gallenkirch voran
So soll die geplante Genossenschaftsmetzgerei aussehen. Brucha Food Engineering

Lange wurde geplant – nun gibt es eine Entscheidung: Die Landesregierung unterstützt die Genossenschaftsmetzgerei im Montafon. Was der Beschluss konkret bedeutet.

St. Gallenkirch Nach intensiver Planung und Vorbereitung gibt es bezüglich der Genossenschaftsmetzgerei in St. Gallenkirch nun einen Fortschritt: Die Vorarlberger Landesregierung hat in ihrer Sitzung am Dienstag (28. April) die Unterstützung für die „Genossenschaftsmetzgerei Montafon e.Gen.“, die sich derzeit in Gründung befindet, beschlossen. Damit wird die regionale und nachhaltige Fleischverarbeitung künftig wieder im Montafon ermöglicht.

Gesamte Wertschöpfungskette bleibt im Montafon

Die geplante Genossenschaftsmetzgerei in St. Gallenkirch schafft eine dringend benötigte Infrastruktur für die heimische Landwirtschaft. Ausgangspunkt war der Wegfall der bisherigen Schlachtmöglichkeit im Montafon Ende 2024. Seither mussten Tiere zur Schlachtung großteils aus dem Tal transportiert werden – eine Belastung für Tier, Umwelt und Wirtschaft. Künftig soll die gesamte Wertschöpfungskette wieder im Montafon bleiben. Kurze Transportwege reduzieren Emissionen, stärken das Tierwohl und leisten einen Beitrag zur regionalen Wertschöpfung.

Bürgermeisterin Lisi Kuster betont, dass die Genossenschaftsmetzgerei mehr sei als nur eine wirtschaftliche Infrastruktur: „Sie ist Ausdruck unserer Verantwortung gegenüber Tier, Umwelt und nachfolgenden Generationen. Wir wollen unseren Tieren unnötigen Stress ersparen und gleichzeitig aktiv zum Klimaschutz beitragen.“ Dass am vergangenen Wochenende der Braunviehzuchtverein St. Gallenkirch sein 100-jähriges Jubiläum feiern konnte, zeige die Stärke und Beständigkeit der Montafoner Landwirtschaft.

Landesrat Christian Gantner gratuliert allen Beteiligten zu diesem „wichtigen Startschuss“ und sagt: „Die Genossenschaftsmetzgerei zeigt, was möglich ist, wenn eine Region gemeinsam Verantwortung übernimmt und mit großem Engagement an einer zukunftsfähigen Lösung arbeitet. Die breite Beteiligung und der starke Eigenwille vor Ort sind ein klares Signal.“

Moderne Anlage

Geplant ist ein eingeschossiger Neubau auf einem gemeindeeigenen Grundstück in St. Gallenkirch mit Schlacht- und Zerlegeräumen für Rind, Schwein, Schaf und Ziege, einer Wursterei sowie Kühl- und Nebenräumen. Ergänzend entsteht ein eigener Bereich für Wild (Kühlraum und Vorraum), der den angrenzenden Jagdrevieren zur Verfügung gestellt und von der Jagdvereinigung finanziert wird. Die Anlage wird den aktuellen Hygienestandards entsprechen und erstmals auch die Herstellung von Wurstwaren vor Ort ermöglichen. Die operative Umsetzung erfolgt durch einen Metzgermeister. Mit über 1000 geplanten Schlachtungen pro Jahr im vierten Betriebsjahr soll eine leistungsfähige Infrastruktur entstehen, die sowohl die Arbeitsbedingungen der Betriebe verbessert als auch neue Möglichkeiten in der Produktveredelung eröffnet.

Die Gesamtinvestition beträgt rund 1,7 Millionen Euro. Die Finanzierung erfolgt durch Eigenmittel der Genossenschaft und regionaler Partner (ca. 62 Prozent) sowie durch Förderungen von Land (ca. 24 Prozent), Bund (ca. sechs Prozent) und EU (ca. acht Prozent).

Breite regionale Unterstützung

Das Genossenschaftsmodell findet breite Unterstützung in der Region: Der Stand Montafon engagiert sich maßgeblich, ebenso die Gemeinden St. Gallenkirch, Gaschurn und Schruns sowie die Silvretta Montafon und die Gargellner Bergbahnen. Zahlreiche Landwirtinnen und Landwirte, Hoteliers, Bergbahnen und Interessierte aus dem gesamten Tal haben sich bereits als Mitglieder beteiligt oder ihr Interesse bekundet.

Die Gründung der Genossenschaft und der Eintrag ins Firmenbuch werden nun zeitnah abgeschlossen, sodass die endgültige Förderzusage ausgestellt werden kann. Die Umsetzung des Projekts ist bis März 2027 vorgesehen.