Stimme zeigen, zuhören, mitreden

Mehr als 100 Frauen nahmen am 9. Juni beim aktuellen FrauenSalon Vorarlberg teil.
Zwischenwasser Der Saal im Bildungshaus Batschuns war voll. Der Abend stand unter dem Titel “Meine Stimme” und stellte Fragen, die in einer Demokratie nie erledigt sind: Wie bringe ich mich ein? Wie höre ich anderen zu? Wie bleibe ich im Gespräch, wenn Meinungen auseinandergehen?

Eingeladen hatten das Frauenreferat der Katholischen Kirche Vorarlberg, das Bildungshaus Batschuns und das Jugend- und Bildungshaus St. Arbogast. Gertraud Burtscher und Stefanie Sturn führten durch das Gespräch. Am Podium: Sozial- und Wirtschaftswissenschaftlerin Annemarie Felder, Volksmusikforscherin Evelyn Fink-Mennel und Simone Fürnschuß-Hofer, Journalistin der Straßenzeitung “marie”. Fünf Schwerpunkte prägten den Abend: Mut zur Gestaltung, aktives Engagement, die Rolle der Frau, Zuhören und die eigene Stimme.

Der FrauenSalon greift im Dialogformat die Tradition jener Salons auf, in denen Frauen ihre Erfahrungen, Vorhaben und Ansichten sichtbar machten. In Batschuns wurde daraus ein dichter Abend über Teilhabe, Sprache, Musik und Verantwortung. Die eigene Stimme stand dabei nicht für Lautstärke. Sie zeigte sich im Sprechen, im Fragen, im Zuhören und im gemeinsamen Tun.
Beteiligung ermöglichen
Annemarie Felder sprach über Beteiligung und demokratische Prozesse. Teilhabe beginne dort, wo Menschen tatsächlich erreichbar sind: nicht nur in Sitzungsräumen, sondern an jenen Orten, an denen sie leben, sich treffen und ihre Themen haben. Wichtig sei auch, jene wahrzunehmen, die sich nicht vordrängen. “Es braucht auch die Leisen.” Vielfalt sei dabei Voraussetzung. Felder verglich Beteiligung mit Musik: “Es erzeugt keinen Klang, wenn alle Stimmen gleich klingen.” Auch der Schritt vom Dagegen zum Dafür wurde angesprochen. Dagegen zu sein, schaffe rasch Zugehörigkeit. Schwieriger sei es, für etwas einzustehen und Verantwortung zu übernehmen. Am Ende gehe es oft um Grundfragen: “Nach welchen Werten wollen wir als Gesellschaft leben?”

Zu Wort kommen lassen
Simone Fürnschuß-Hofer sprach über die Verantwortung des Erzählens. Wer Menschen zu Wort kommen lässt, entscheidet mit, wie ihre Geschichte erscheint. “Wenn ich jemandem eine Stimme gebe, bin ich verantwortlich dafür, was ich daraus mache”, sagte sie. Berichterstattung dürfe Menschen nicht ausstellen: “Der voyeuristische Blick muss aus der Berichterstattung unbedingt herausgenommen werden.” Die eigene Stimme liege nicht nur im Behaupten. “Unsere Stimme können wir vor allem auch für Fragen nützen.” Wer anderen Stimme gebe, müsse zudem Gegenstimmen aushalten lernen.

Evelyn Fink-Mennel machte hörbar, worüber gesprochen wurde. Sie ließ den Saal singen. Ein einfacher Kanon reichte, um aus vielen einzelnen Stimmen einen gemeinsamen Klang entstehen zu lassen. “Musik ist die sozialste der Künste – sie verbindet sofort über Kultur- und Sprachgrenzen hinweg”, sagte sie. Ihr Anliegen ist es, Musik vom Leistungsdruck zu lösen. Viele Menschen trügen den Satz mit sich, nicht singen zu können. Genau dort müsse man ansetzen. “Die Stimme wird ganz schnell und oft kontrolliert, anstatt freigesetzt.”

Aus dem Publikum kamen zahlreiche Wortmeldungen. Erzählt wurde von Familiengesprächen mit klaren Rederegeln, vom Zuhörkiosk und von Erfahrungen, in denen Zuspruch den entscheidenden Unterschied machte. Auch die Frage, wie junge Menschen früh lernen, ihre Stimme zu gebrauchen, nahm Raum ein. Sprache, Musik und gemeinsames Singen wurden dabei als einfache, zugängliche Wege genannt.
Der nächste FrauenSalon findet am 24. November im Bildungshaus St. Arbogast statt. AFP

