Die PfarrCaritas bringt Menschen zusammen

Ein Spaziergang in Gisingen bringt Menschen zusammen, die sonst vielleicht allein bleiben würden. Zwischen Einsamkeit und guten Gesprächen bilden sich neue Freundschaften.
Feldkirch Jeden Mittwoch um 10 Uhr beginnt vor dem Café Analog in Gisingen ein Spaziergang, der mehr ist als Bewegung an der frischen Luft. Menschen treffen sich, gehen gemeinsam ein Stück Weg und setzen sich danach bei Kaffee und Gebäck zusammen. Kostenlos, unkompliziert und offen für alle. Dahinter steht die PfarrCaritas Feldkirch, die als Partnerin der Stadt Feldkirch Begegnungen möglich macht, die im Alltag oft fehlen. Gefördert werden die Projekte vom Fonds Gesundes Österreich.
Für den jüngsten Spaziergang hatte Thomas Hebenstreit von der PfarrCaritas das Thema „In Verbindung bleiben“ gewählt. Der Weg führte zunächst zum Friedhof. Dort lud er dazu ein, über die Endlichkeit des Lebens nachzudenken – und darüber, was Menschen miteinander verbindet, solange sie unterwegs sind.
Eine der Teilnehmerinnen war Ingrid Grundmeier. Seit 2015 lebt sie in Feldkirch, ursprünglich stammt sie aus Göttingen. Der Liebe wegen kam sie ins Ländle. Sie arbeitete als Grund- und Hauptschullehrerin, später im Büro eines Krankenhauses. Beim Spaziergang ist sie gerne dabei, „weil man sich begegnet“, sagt sie.

Genau dieser Gedanke führte auch Miriam Toppler in die Runde. Sie wird bald 25 Jahre alt und sucht bewusst die Gesellschaft älterer Menschen. „Deren Lebenserfahrung bringt mir viel“, sagt sie. Besonders gebraucht habe sie diese Nähe, als sie im vergangenen Jahr einen persönlichen Tiefpunkt erlebte. Familie sei ihr wichtig, erzählt sie. Während der Pandemie habe sie es besonders geschätzt, in einem Vier-Generationen-Haus zu leben.
Auch Fredy Brandstätter ist mitgegangen. 45 Jahre lang war er Busfahrer. Heute ist er Single und offen dafür, Gleichgesinnte kennenzulernen. „Meine Schwägerin hat mir geraten, mitzugehen, wenn ich mich einsam fühle“, erzählt er.
Dass aus einem Spaziergang mehr entstehen kann als ein paar Schritte, zeigt auch Ingrid Sonderegger. Die diplomierte Sozialarbeiterin und Familientherapeutin arbeitet im Organisationsteam und bringt immer wieder neue Ideen ein. Koordinationsübungen verbindet sie etwa mit Kopfrechnen. „Das aktiviert das Gehirn mehr“, erklärt sie. Sie verweist auch darauf, dass Vorarlberg laut Statistik Austria besonders stark vom Ehrenamt getragen wird: Rund die Hälfte der hier lebenden Menschen engagiert sich freiwillig.
Gerda Danzl-Gabl ist von Beginn an dabei. „Ich habe die Erfahrung gemacht, dass mir die Gruppe gut tut“, sagt sie. Einmal sei der Weg besonders schwer gewesen, weil Schweigen vereinbart war. „Das war kaum auszuhalten“, sagt sie schmunzelnd. Ruth Allgäuer, die ebenfalls in der Projektorganisation mitarbeitet, sieht gerade in der Wiederholung einen Wert: „Es ist gut, dass wir oft den gleichen Weg gehen. Dann kann man sich besser auf das Gespräch konzentrieren. Man muss nämlich nicht mehr auf den Weg achten.“
Zurück im Café Analog servierte Ramona Sieberer Kaffee und Gebäck. Sie leitet das Café und lernte Thomas Hebenstreit im vergangenen Jahr im Rahmen einer Bedarfsanalyse kennen. Als gelernte Ergotherapeutin hat sie ihre Masterarbeit über Einsamkeit geschrieben. „Meine Vision ist, Menschen mit Stärken und Talenten mit einsamen Menschen in Verbindung zu bringen“, sagt sie. Das Café versteht sie deshalb nicht nur als Ort für Konsum, sondern als Raum für Begegnung. Davon zeugen Angebote wie Feiertagsplausch, Frühstück mit Fremden, Perlenabend oder Elterncafé.
Am Abend griff die PfarrCaritas das Thema noch einmal auf. Sandra Küng, zuständig für Caritas Bregenz und Dornbirn, und Thomas Hebenstreit luden zu einem Vortrag über Einsamkeit ein. Dabei ging es um Ursachen, Auswege und die Frage, wie Gemeinschaft wieder wachsen kann. Manchmal beginnt sie offenbar ganz einfach: mit einem gemeinsamen Spaziergang vor dem Café Analog.