„Ich möchte in einem Haus aus Lehm wohnen“

Ein junger Schweizer wechselt vom Baumanagement ins Handwerk und pendelt nach Vorarlberg.
SCHLINS Nicolas Mucha (27) ist vom Lehm als natürlicher Baustoff so begeistert, dass er seine mit allen Annehmlichkeiten ausgestattete Stelle aufgibt, um das Handwerk des Lehmbaus von der Pike auf zu erlernen. Seit zwei Monaten pendelt er von seinem Schweizer Wohnort nach Schlins, in die Zentrale der Lehmbau-Werkhalle von Martin Rauch.
Sie haben den Schreibtisch bei einer angesehen Schweizer Baufirma aufgegeben und stehen nun zwischen Schalungen für 90 Meter lange Stampflehmbau-Wände und allerhand fremdartigen Gerätschaften. Und wie man sieht, sind Sie glücklich.
MUCHA Ja, tatsächlich. Ich wusste, was ich aufgebe, aber auch, was ich dazugewinne. Ich bin dankbar, dass ich die Facharbeiterstelle bei Martin Rauch bekommen habe. Sein Unternehmen zählt international zu den führenden Adressen im modernen Stampflehmbau. Schon während meines Studiums zum Techniker für Architektur und Bauplanung habe ich mich für den Lehmbau interessiert. Mich fasziniert sein technisches, ökologisches und auch atmosphärisches Potential. Natürliche Räume strahlen Ruhe aus, man fühlt sich im wahrsten Sinne des Wortes ein Stück weit geerdet.
Welche Unterschiede im Arbeitsalltag erleben Sie?
MUCHA Vorher habe ich auf Baustellen die Arbeiten koordiniert und kontrolliert. Jetzt ist vieles neu für mich. Wenn ich später wieder eine Baustelle organisiere, will ich mich daran erinnern, wie sich meine Entscheidungen für die Ausführenden am Bau anfühlen. Am Computer kann ich millimetergenau zeichnen. Auf der Baustelle arbeitet man mit realen Materialien, schiefen Brettern und Toleranzen, die sich nicht immer so verhalten wie meine Linie auf dem Bildschirm. Insgesamt wächst mein Respekt dafür, wie viel Wissen, Erfahrung und Können hinter guter handwerklicher Arbeit steckt.
Was begeistert Sie am Lehmbau?
MUCHA Allein der Gedanke, dass wir mit Erde arbeiten und daraus Wände entstehen, die Jahrzehnte oder sogar Jahrhunderte Teil eines Gebäudes bleiben. Das fasziniert mich. Auch die Frage, wie wir künftig gesünder und ressourcenschonender bauen, ist interessant. Weil wir einen Großteil unseres Lebens in Gebäuden verbringen, ist es wichtig darüber nachzudenken, welche Räume wir für Menschen schaffen.
Was wünschen Sie sich und welche Zukunftsgedanken beschäftigen Sie?
MUCHA Ich möchte einmal in Räumen mit Lehm und Holz leben. Bei Martin Rauch lerne ich nicht nur, wie man eine Lehmwand baut, sondern auch, was beim Bauen mit Lehm wichtig ist. Prozessabläufe mitzudenken, ist für mich von großem Nutzen. Es ist doch wichtig, das große Ganze zu verstehen, zum Beispiel, was einen Bauablauf erschweren, wo problematische Schnittstellen entstehen und wie Abläufe effizienter gestaltet werden können. Planung und Ausführung verknüpfen, das wird mich in der Zukunft begleiten. Grundsätzlich wäre es schön, wenn Lehm und Holz immer mehr als selbstverständliche Baustoffe mitgedacht würden. BRA
zur person
NICOLAS MUCHA
GEBURTSJAHR 1999
AUSBILDUNG Dipl. Techniker Höhere Fachschule Architektur und Bauplanung
HOBBYS Fitness, Mountainbiken, Schwimmen, Wintersport, Lesen
WOHNORT Rupperswil