Feldkircher Gefängnisgeschichten

Heimat / 23.09.2026 • 13:19 Uhr
Vereinsbmann Martin Caldonazzi, Lydia Romanos, Alfons und Maya Dür, Sabine und Hans Gruber.
Vereinsobmann Martin Caldonazzi, Lydia Romanos, Alfons und Maya Dür, Sabine und Hans Gruber. Fotos: Arno Meusburger

Vortrag von Alfons Dür über die Behandlung von Gefangenen seit dem Mittelalter.

Feldkirch “Kerker, Ketten und ein Hauch von Freiheit” ist das Thema der diesjährigen Sonderausstellung des Schattenburg-Museumsvereins. Im dritten Vortrag, der die 650 Jahre nach Ausstellung des Feldkircher Freiheitsbriefs begleitet, sprach der frühere Landesgerichtspräsident Alfons Dür im Pallas der Schattenburg vor zahlreichen Interessierten über die Strafjustiz in der Montfortstadt seit dem Mittelalter.

Mit vielen, teils von Hans Gruber bereitgestellten Fotos illustrierte Alfons Dür seinen sehr interessanten Vortrag.
Mit vielen, teils von Hans Gruber bereitgestellten Fotos illustrierte Alfons Dür seinen sehr interessanten Vortrag. Fotos: Arno Meusburger

Weil damals eine andere Vorstellung von Humanität vorherrschte und auch kein Geld für die längere Unterbringung von Gefangenen vorhanden war, gab es zum einen die Todesstrafe für aus heutiger Sicht verhältnismäßig geringe Verbrechen. Zum anderen erfolgten Verstümmelungen wie das Abschneiden von Ohren oder das Brandmarken. Des Weiteren die Prügelstrafe mit maximal zwanzig Schlägen, wobei Männer sie mit dem Stock, Frauen sie mit der Rute erhielten. Weil es vermutlich um das nackte Hinterteil ging, wurden aus Gründen der Sittlichkeit für die derartige Bestrafung der Frauen Hebammen zuständig. Als Ehrenstrafe für Frauen gab es den 35 Kilo schweren “Lästerstein”, den sie vom Nikolaiturm beim Bludenzer Stadttor zum Churer Tor tragen mussten.

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Die früher einmal nur 1100 Einwohner zählende Stadt wurde gegen die Konkurrenz des Landgerichtes Rankweil-Sulz mit zehnmal so vielen Einwohnern deshalb zum Sitz des Landesgerichtes, weil sie Gebäude für Gefangene und Wächter zur Verfügung stellen konnte. Neben der Schattenburg, wo es 1798 vier “Kriminalarreste” unter dem Dach und zwei zu ebener Erde gab, waren das der zuerst erweiterte, 1836 auf Anordnung von Kreishauptmann Ebner wegen Baufälligkeit abgerissene Nikolaiturm, war das längere Zeit auch das frühere, von Kaiser Josef II. aufgelassene Jesuitenkolleg.

Dort waren zeitweise die Justizbehörde, die Gefangenen, aber auch der Generalvikar untergebracht. Während der für sie gelesenen Messe mussten die Gefangenen am Boden knien. Das Gefängnis war aber auch ein Wirtschaftsfaktor: Der Barbier kam einmal wöchentlich zur Rasur, der Bäcker musste die ausgebackenen und erkalteten Brötchen bis um 9.30 Uhr liefern, in Versteigerungsverfahren wurden aber auch die Lieferanten von Laub- und Strohsäcken bestimmt.

Erhalten sind Speisepläne, denen zufolge die im Krankenzimmer untergebrachten Gefangenen Wein bekamen. Zur Regelung des Umgangs mit Sträflingen gab es eine Hausordnung, die auch ihre Beschäftigung vorsah. Sie mussten Bettdecken stricken und Stiche, die etwa 1873 bei der Wiener Weltausstellung gezeigt wurden. Über verschiedene andere Beschäftigungen im Gefängnis wurden sie auch von Privatleuten gegen ein Entgelt engagiert. Weil einmal ein Feldkircher Bürger einen Häftling zum Mittagessen ins Gasthaus mitnahm, brodelte die Gerüchteküche und es wurde nach Wien gemeldet, dass die Gefangenen in Feldkirch einen eigenen Stammtisch hätten.

Alle Plätze waren besetzt.
Alle Plätze waren besetzt. Fotos: Arno Meusburger

Lange Zeit gab es eine Überbelegung und die Gefangenen mussten auf Einrichtungen in anderen Orten verteilt werden. Erst die für Verhandlungssäle vorgesehene Zivilprozessordnung führte zum Bau des heutigen Landesgerichts in den Jahren 1903 bis 1905. AME

Großes Interesse am Vortrag.
Großes Interesse am Vortrag. Fotos: Arno Meusburger
Gegenstände, die ein Gefangner mit einem psychischen Problem im Lauf der Zeit verschluckte.
Gegenstände, die ein Gefangener mit einem psychischen Problem im Lauf der Zeit verschluckte. Fotos: Arno Meusburger