Fidelis fand im Gargellental eine bleibende Stätte

Mehrfach bedrohten Naturgewalten die Gedenkstätte, ehe sie 1912 ihren heutigen Platz fand.
Gargellen Nach seinem Eintritt in den Kapuzinerorden bemühte sich Fidelis von Sigmaringen um 1620, das protestantisch gewordene Graubünden für den katholischen Glauben zurückzugewinnen. In seiner Funktion als Guardian des Klosters in Feldkirch reiste er mehrfach in den Prättigau und wurde von der päpstlichen Kongregation mit dessen Remissionierung beauftragt. Dabei kam er auch ins Gargellental, wo er österreichische Soldaten betreute, die im Prättigauerkrieg in dieser Region Dienst taten. Im Zuge einer Predigt in Seewis kam es zu einem Handgemenge. Der heutige Vorarlberger Landesheilige konnte die Kirche zwar lebend verlassen, erlitt dann aber durch einige aufständische Bauern den Märtyrertod.
Nach seiner Heiligsprechung ein gutes Jahrhundert später (1746) wurde auch am Ort seines Wirkens im Gargellental mit der Errichtung eines Bildstocks bei einer Quelle in Sarotla an ihn erinnert. Diesen Bildstock zerstörte vermutlich ein Hochwasser; er wurde wieder aufgebaut und sukzessive zu einer Kapelle vergrößert. Auch dieses stattliche, sechs mal vier Meter große Gebäude wurde ein Opfer der Naturgewalten, sodass man auf Betreiben von P. Peter Zierler einen neuen, sichereren Standort für einen Neubau aussuchte. 1912 errichtete man dann am heutigen Ort nach Plänen des Ravensburger Baumeisters Augustin Zimmermann die neue Kapelle. Der Bau wurde von einheimischen Handwerkern ausgeführt, den Schrunser Maurer- und Zimmermeistern Pfeifer und Walser.

Die Kapelle ist ein einfacher rechteckiger Steinbau. Die südwestliche Außenwand weist einen kastenförmigen Vorbau auf, der im Inneren quasi als Chor Platz für den Altar gibt. Im Giebel darüber befindet sich eine Sonnenuhr sowie ein Fresko von Konrad Honold aus dem Jahr 1956, auf dem die Ermordung des Heiligen dargestellt ist.
Über ein an das Langhaus angebautes gemauertes Vorzeichen gelangt man in den Betraum, der an beiden Seiten von zwei Rundbogenfenstern Licht erhält. Dominiert wird der Innenraum von einem Holzaltar, der von August Pfaltz entworfen wurde und die südostseitige Nische zur Gänze ausfüllt. Im Zentrum steht ein Bild des hl. Fidelis, der in Kapuzinertracht mit seinen Symbolen dargestellt ist: Kreuz und Märtyrerpalme in der rechten Hand, Schwert und Stachelkeule in der linken.
Über dem Altar ist ein Volutenornament mit einem Schriftzug in der Kartusche angebracht, der ein Chronogramm enthält, hinter dem sich das Weihedatum 1912 versteckt. Dieses verbirgt sich auch hinter einem zweiten Chronogramm über den beiden Rundfenstern des Vorzeichens, wobei der Spruch an den ehemaligen Fidelisbrunnen erinnert.
Der Betraum, der durch ein schmiedeeisernes Gitter vom Vorzeichen abgetrennt ist, hat auf beiden Seiten je zwei Betbänke und bietet so Platz für etwa zwölf Besucher. Er wird oben von einem Tonnengewölbe abgeschlossen, über dem ein recht steiles, geschindeltes Satteldach hochragt. In der Mitte des Giebels befindet sich ein relativ großer achteckiger Dachreiter mit Schallöffnungen an jeder Seite; nach oben abgeschlossen wird das Türmchen von einer Zwiebelhaube. OS