Wenn Gewissheiten verschwinden

Marcus Harm beeindruckt in der Sulner “Theatergarage” mit dem Ein-Personen-Stück “Berlinger”
Sulz Der hauptamtlich in einer Druckerei beschäftigte, sich für viele mit seinem Dienst als Mesner verbundene Aufgaben sehr stark für die Pfarrgemeinde engagierende Franz Berlinger ist eines Sonntags zuerst mit Arbeiten im Gotteshaus, danach mit Beten beschäftigt. Während er im Gespräch mit Gott versunken ist, stürzt ein zweihundert Kilogramm schwerer Engel aus acht Metern Höhe direkt auf den Kopf des Betenden. Der ist voller Freude über den wohl gleich erfolgenden Einzug ins Paradies und macht sich schon Gedanken darüber, wie er den Herrgott denn anreden solle.

Je länger das Warten dauert, desto mehr Erinnerungen an Situationen in seinem Leben kommen Berlinger in den Sinn, die den Besucher:innen der Premiere in der von Betreiber Armin und Hildegard Weber als “Kleinkunst-Tankstelle” bezeichneten “Theatergarage Sulz” aus eigenen Beobachtungen und Erfahrungen sehr bekannt vorkommen. Für als unchristlich geltende Verhaltensweisen hat sich der Mesner selbst mit schmerzhaften Ritualen bestraft, immer mehr wird das Warten auf den Eintritt in die ewige Seligkeit zu einer Art Fegefeuer.
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Dabei hat der Mesner ja “all a aständgis Leaba gführt”, wie er zunächst beteuert. Aber auch darüber, wie der Pfarrer und andere Angehörige der Gemeinde wohl auf seinen Tod reagieren dürften, macht er sich Gedanken. Beim Denken an einige Mitmenschen beschreibt Berlinger sie als nicht gerade schmeichelhafte Charaktere. Ihren menschlichen Unzulänglichkeiten sinnt er ebenso nach wie immer mehr auch den eigenen. Das glücklose Bemühen um die große Jugendliebe, bei deren kirchlicher Hochzeit er Dienst tat und deren Mann er immer wieder den Tod wünschte, gehört dazu, aber auch der Traum davon, als Mitglied des Real-Madrid-Teams bei einem Spiel ein Tor zu schießen.

Harm hat “Firlinger”, den vom niederösterreichischen Autor Norbert Silberbauer verfassten Monolog, in Vorarlberger Mundart übertragen und spielt “Berlinger” noch am 17., 22., 24., 28., 29. und 31. Oktober jeweils um 20:30 sowie am 18. und 25. Oktober, zuletzt am 1. November um 18 Uhr in der “Theatergarage”. “Wir haben damit die allererste Produktion nur zu zweit gemacht”, berichtete Theatermacher Armin Weber nach dem Applaus der beeindruckten Zuschauer:innen. Er führt Regie und ist für die Lichteffekte und die Musik zuständig. AME





