Als Stadel getarntes Feuerwehrhaus

Immo / 25.08.2016 • 09:09 Uhr / 7 Minuten Lesezeit

Einsatztechnisch ideal direkt an der Bödelestraße steht das neue Watzenegger Feuerwehrgerätehaus. Eine nicht alltägliche Bauaufgabe für die Dornbirner Albrecht Bereiter Architekten. Autorin: Edith Schlocker | Fotos: Darko Todorovic, Albrecht Bereiter Architekten

und 30 Mal jährlich rücken die 28 aktiven Mitglieder des Watzenegger Löschzugs der Dornbirner Feuerwehr aus. Sei es, um eine Katze zu retten, die sich beim Baumklettern überschätzt hat, sei es, einen Verletzten aus einem Autowrack zu schneiden oder ein brennendes Haus zu löschen. Mehr als 670 Objekte und rund 30 Straßenkilometer fallen als einer von vier Außenstellen der Dornbirner Feuerwehr in den direkten Einsatz-
bereich der Watzenegger, ganz abgesehen von Hilfestellungen bei Großeinsätzen in der weiteren Umgebung.

Das alte Feuerwehrhaus war nicht viel mehr als eine adaptierte, an die Volksschule angebaute Garage. Die räumliche Situation war beengt, ein notwendiges zweites Feuerwehrauto hier unterzubringen unmöglich. Pläne, den bestehenden Standort auszubauen, wurden bald verworfen. Nicht zuletzt auch deshalb, weil der Ort dringend für den geplanten Ausbau der Tagesbetreuung der örtlichen Schul- und Kindergartenkinder gebraucht wird. Die Suche nach einem einsatztechnisch idealen Bauplatz für das neue Feuerwehrhaus entpuppte sich allerdings als nicht einfach, wurde nach manchen Umwegen aber mit dem direkt an der Bödelestraße gelegenen Grundstück gefunden und von der Stadtgemeinde Dornbirn erworben.

Mit der Planung beauftragt wurden die Dornbirner Albrecht Bereiter Architekten. Das finanzielle Korsett war eng, weshalb das neue Haus der Watzenegger Feuerwehr fast wie ein „Edelrohbau“ daherkommt. Was für Christian Albrecht allerdings passt, muss seiner Meinung nach ein solches doch „keine Basilika“ sein. Nach außen kommt das Haus, das nicht zuletzt wegen des Fehlens eines Schlauchturms „nur“ ein Feuerwehrgerätehaus ist, wie die Stadel der Umgebung daher. Wären da nicht die riesigen, 4,30 Meter hohen gläsernen Falttore für die zwei Feuerwehrautos. Den Knick, den die Bödelestraße genau an dieser Stelle macht, nimmt das leicht in den Hang geschobene Gebäude reizvoll auf, was seiner Maßstäblichkeit sehr gut tut. Dass die äußere Hülle aus Sichtbeton gebaut ist, vermutet man auf einen ersten Blick nicht. Ist sie doch mit unterschiedlich breiten Latten aus sägerauer Fichte verkleidet, die mit der Zeit schön vergrauen werden. Auf dem Satteldach liegen rote Ziegel.

Das neue Feuerwehrgerätehaus ist schlicht, einfach und funktionell. „Es ist perfekt, genau, was wir wollten. Der ideale Standort, auch für die Zukunft“, sagt Peter Kaufmann, der Vize-Kommandant der Dornbirner Feuerwehr. Der Dachstuhl ist offen und schallschluckend mit schwarzen Platten gedämmt. Die Mauer zwischen der über die gesamte Gebäudehöhe offenen Halle für die Feuerwehrautos ist aus roten Ziegeln gemauert und zur betonierten Stiege in das Obergeschoß weiß gekalkt. Eine verfließte Schmutzschleuse verbindet die Halle mit den Garderoben, die mit roten Spinden für die 32 Feuerwehrmänner möbliert ist. Nebenan sind die WC-Anlage und der Technikraum. Darüber liegt der stimmig schnörkellos möblierte, mit Industrieparkett belegte Aufenthaltsraum inklusive Küchenblock. Dass sich hier trefflich der Durst der Feuerwehrler löschen lässt, ist anzunehmen.

Obwohl im neuen Feuerwehrgerätehaus Watzenegg nichts zu viel ist, lassen gerade Details das Gespür der Architekten für das Schöne vermuten. Etwa in der Wahl diverser Farben, die immer mit dem Feuer zu tun haben. Als formales architektonisches Element wird die Setzung der tief in die Laibung gesetzten Holzfenster raffiniert ausgespielt. Sie sind unterschiedlich groß und bis auf das die Autohalle erhellende lange und quere quadratisch. Als großes Panoramafenster im Aufenthaltsraum, als kleineres im Raum des Einsatzleiters und noch kleineres in der Umkleide. Eine Extravaganz erlauben sich die Architekten allein bei der Betonwand links der Stiege. In dieser sind gemeinsam mit Georg Bechter entwickelte runde, mit LEDs bestückte und unterschiedlich verdrehte Lichtlöcher als Prototypen eingegossen bzw. ausgespart.

Unser neues Feuerwehrhaus ist perfekt, genau was wir wollten. Der ideale Standort, auch für die Zukunft.

Die Wege sind kurz im Watzenegger Feuerwehrhaus. Von der Garderobe kommend, führt eine schmale betonierte Stiege in das erste Ober-geschoß. Licht liefern ein Fenster ganz oben und die mit LEDs bestückten Licht-löcher in der linken Wand.

Die Wege sind kurz im Watzenegger Feuerwehrhaus. Von der Garderobe kommend, führt eine schmale betonierte Stiege in das erste Ober-
geschoß. Licht liefern ein Fenster ganz oben und die
mit LEDs bestückten Licht-
löcher in der linken Wand.

Dass „arme“ Materialien hoher architektonischer Qualität nicht im Weg stehen müssen, führen Albrecht Bereiter Architekten beim Feuerwehrgerätehaus Watzenegg auf überzeugende Art und Weise vor.

Dass „arme“ Materialien hoher architektonischer Qualität nicht im Weg stehen müssen, führen Albrecht Bereiter Architekten beim Feuerwehrgerätehaus Watzenegg auf überzeugende Art und Weise vor.

Pure Materialien dominieren im Feuerwehrgerätehaus Watzenegg. Die Außenwände sind aus Sichtbeton gebaut, die Zwischenwand aus roten Ziegeln. Der Boden ist aus Beton, der offene Dachstuhl ist mit schwarzen Platten gedämmt.

Pure Materialien dominieren im Feuerwehrgerätehaus Watzenegg. Die Außenwände sind aus Sichtbeton gebaut, die Zwischenwand aus roten Ziegeln. Der Boden ist aus Beton, der offene Dachstuhl ist mit schwarzen Platten gedämmt.

Eine angenehme Atmos-phäre schaffen die Architekten im Aufenthaltsraum durch ein subtiles Spiel mit Farben, die alle in irgendeiner Weise mit dem Feuer zu tun haben.

Eine angenehme Atmos-
phäre schaffen die Architekten im Aufenthaltsraum durch ein subtiles Spiel mit Farben, die alle in irgendeiner Weise mit dem Feuer zu tun haben.

In einem kräftigen Rot sind die 32 Spinde für die Watzenegger Feuerwehrmänner lackiert. Über eine verflieste Schmutzschleuse geht es von hier direkt zu den Autos nebenan.

In einem kräftigen Rot sind die 32 Spinde für die Watzenegger Feuerwehrmänner lackiert. Über eine verflieste Schmutzschleuse geht es von hier direkt zu
den Autos nebenan.

Alles im Blick hat der kommandierende Feuerwehrmann von dem im ersten Geschoß liegenden Einsatzbüro aus. Auch hier ist alles – bis auf den geschnitzten hl. Florian – auf Funktionalität ausgerichtet.

Alles im Blick hat der kommandierende Feuerwehrmann von dem im ersten Geschoß liegenden Einsatzbüro aus. Auch hier ist alles – bis auf den geschnitzten hl. Florian – auf Funktionalität ausgerichtet.

Ist mit der Arbeit von Christian Albrecht (rechts), Partner des Dornbirner Büros Albrecht Bereiter Architekten, sehr zufrieden: Peter Kaufmann, der Vize-Kommandant der Dornbirner Feuerwehr.

Ist mit der Arbeit von Christian Albrecht (rechts), Partner des Dornbirner Büros Albrecht Bereiter Architekten, sehr zufrieden: Peter Kaufmann, der Vize-Kommandant der Dornbirner Feuerwehr.

Quadratische Fenster gliedern die Fassaden des leicht in den Hang hineingegrabenen Feuerwehrgerätehauses Watzenegg, das wie die Stadel der näheren Umgebung mit unterschiedlich breiten, vertikal verlegten sägerauen Platten aus Fichte verkleidet ist.

Quadratische Fenster gliedern die Fassaden des leicht in den Hang hineingegrabenen Feuerwehrgerätehauses Watzenegg, das wie die Stadel der näheren Umgebung mit unterschiedlich breiten, vertikal verlegten sägerauen Platten aus Fichte verkleidet ist.

Komplett fensterfrei ist die rechte Schmalseite des neuen Feuerwehrhauses. Über den Falttüren der Fahrzeughalle kragt das Gebäude mit seinem ziegelbedeckten Satteldach leicht aus.

Komplett fensterfrei ist die rechte Schmalseite des neuen Feuerwehrhauses. Über den Falttüren der Fahrzeughalle kragt das Gebäude mit seinem ziegelbedeckten Satteldach leicht aus.

Riesige Falttore machen klar, dass dieser „Stadel“ einer der ganz besonderen Art ist. Der Vorplatz erleichtert es den Feuerwehrmännern, bei Einsätzen rasch und unbehindert ausrücken zu können.

Riesige Falttore machen klar, dass dieser „Stadel“ einer der ganz besonderen Art ist. Der Vorplatz erleichtert es den Feuerwehrmännern, bei Einsätzen rasch und unbehindert ausrücken zu können.