Verwandlung in zwei Richtungen

22.02.2018 • 13:07 Uhr / 6 Minuten Lesezeit

Im Sinn einer „neuen Tradition“ wollen Dietrich | Untertrifaller Architekten ihre
Verwandlung des Tannahofs in Au verstanden wissen. Den sie einerseits rückgebaut und andererseits mit modernen Zubauten bestückt haben.

Der rund 150 Jahre alte Tannahof in Au war bis in die 1950er-Jahre mit seinem mächtigen Satteldach, seinen durchgehenden Fensterbändern und seiner Holzverschindelung ein typisches Wälderhaus. Bis es von einem Bauernhaus in ein Hotel verwandelt wurde inklusive eines architektonisch nicht wirklich geglückten seitlichen Zubaus. Juliane Moosbrugger-Jourdain, die 1991 den elterlichen Tannahof übernommen hat, wurde in den letzten Jahren immer mehr klar, dass – um mit der Konkurrenz in der Region mithalten zu können – baulich und infrastrukturell etwas geschehen musste. Nachdem die zweite Option, den Gastbetrieb aufzugeben, von ihr und ihrem aus Frankreich stammenden kochenden Mann sowie ihren drei Kindern bald verworfen worden war.

Radikale Eingriffe

Mit dem Umbau beauftragt wurde das Bregenzer Büro
Dietrich | Untertrifaller Architekten mit Felix Kruck als Projektleiter. Nach kurzer Planungsphase wurde im Sommer 2016 mit dem Bauen begonnen, aufgesperrt wurde bereits zu Weihnachten. Trotz radikaler Eingriffe in die bestehende Substanz. Der Zubau wurde abgerissen, genauso wie der an das Haupthaus rückwärtig angebaute Stadel. Bevor der durch mancherlei Behübschungen seines authentischen Charmes beraubte Tannahof liebevoll von Handwerkern von vor Ort wieder in das ursprüngliche Bauernhaus zurückverwandelt wurde. Im Sinn einer „neuen Tradition“, ohne ins Nostalgische abzudriften.

Anhand von alten Fotografien wurden die originalen, in sechs Felder geteilten Holzfenster mit ihren feststehenden Mittelpfosten nachgebaut und mit Läden versehen, die eine stimmige Neuinterpretation der alten darstellen. Die über jedem Stockwerk elegant – letztlich als Wetterschutz – leicht ausschwingenden Fassaden wurden mit Weißtanne geschindelt. Das Innere des bestehenden Vorderhauses blieb – vorerst – unverändert, die Gästezimmer genauso wie die schönen alten Stuben.

Die Lage des Tannahofs etwas außerhalb von Au am Fuß der mächtigen Kanisfluh ist einzigartig. Das Panorama ist einer der Gründe, warum die Gäste hier im Sommer wie im Winter gern urlauben. Um das Außen ein Stück weit ins Innere zu bringen, wurden das Haupthaus und das neue Hinterhaus durch eine komplett verglaste Fuge verbunden. Sie bringt nicht nur Licht in das hier untergebrachte, mit reizvollen Inseln zum Schauen und Rasten durchsetzte Stiegenhaus samt Lift, sondern gleicht auch die Niveauunterschiede aus, die sich zwangsweise durch die unterschiedlichen Geschoßhöhen von nur 2,10 Metern im Altbau und 2,70 Metern im Neubau ergeben. Vier Doppelzimmer und zwei geräumige Suiten sind in dem hölzernen Zubau untergebracht sowie unter dem Dach eine großzügig dimensionierte Gästewohnung. Zu jeder Einheit gehört ein raumbreiter gedeckter Balkon. Die Türen sind raumhoch und wie die Fenster, die von
Dietrich | Untertrifaller Architekten gezeichneten Einbauten und die massiven Decken aus Weißtanne getischlert. Ganz unten ist der wohltuend minimalistisch gestaltete Wellnessbereich des Tannahof samt geschütztem, bekiestem Außenbereich eingerichtet.

Schublade mit Aussicht

Wie eine lange, aus dem Altbau gezogene Schublade kommt der an die rechte Seitenfassade angedockte Zubau daher. Er ist eingeschoßig, ganz aus Holz und Glas gebaut und sitzt auf einem betonierten Sockel, in dem der Skikeller untergebracht ist. Über ein paar Stufen erreicht man die holzbeplankte, durch das Flachdach geschützte Terrasse, die vom Innern durch eine gläserne Front getrennt ist. In diesem fragilen, ganz in der Architektursprache von heute formulierten Zubau befindet sich die Rezeption, eine kleine Bar und die großzügige Lounge. Von den bunten Sitzmöbeln, die hier stehen, lässt sich gemütlich die Aussicht genießen, besonders dann, wenn das Holz in dem an der hölzernen Rückwand installierten offenen Kamin heimelig knistert.

Das Stiegenhaus gleicht raffiniert die Niveauunterschiede zwischen Bestandsgebäude und Zubau aus.

Das Stiegenhaus gleicht raffiniert die Niveauunterschiede zwischen Bestandsgebäude und Zubau aus.

Der zurückgebaute alte Tannahof und der statt des Stadels rückseitig angedockte neue Bettentrakt haben ein gemeinsames Satteldach. Während sich das Bestandsgebäude nur durch Fenster öffnet, sind dem Neubau große Balkone vorgesetzt.

Der zurückgebaute alte Tannahof und der statt des Stadels rückseitig angedockte neue Bettentrakt haben ein gemeinsames Satteldach. Während sich das Bestandsgebäude nur durch Fenster öffnet,
sind dem Neubau große Balkone vorgesetzt.

Zwischen Alt- und Neubau wurde der Tannahof im rechten Winkel durch einen eingeschoßigen Zubau mit Flachdach erweitert. Die Rückwand ist bis auf einen Fensterschlitz geschlossen, der Rest gläsern aufgelöst.

Zwischen Alt- und Neubau wurde der Tannahof im rechten Winkel durch einen eingeschoßigen Zubau mit Flachdach erweitert. Die Rückwand ist bis auf einen Fensterschlitz geschlossen, der Rest gläsern aufgelöst.

Der 150 Jahre alte Tannahof wurde in seinen Urzustand zurückgebaut. Das betrifft die Fenster mit ihrer charakteristischen Teilung genauso wie die hölzernen Läden und die Schindeln aus Weißtanne.

Der 150 Jahre alte Tannahof wurde in seinen Urzustand zurückgebaut. Das betrifft die Fenster mit ihrer charakteristischen Teilung genauso wie die hölzernen Läden und die Schindeln aus Weißtanne.

Wohnzimmeratmosphäre dominiert die neue Lounge des Tannahofs. Holz ist hier das dominierende Material, die Sitzmöbel sind bunt gepolstert.

Wohnzimmeratmosphäre dominiert die neue Lounge des Tannahofs. Holz ist hier das dominierende Material, die Sitzmöbel sind
bunt gepolstert.

Unverändert blieben die schönen alten Stuben des rund 150 Jahre alten Tannahofs. Die Raumhöhe beträgt hier nur 2,10 Meter gegen-über 2,70 Metern im neuen Teil.

Unverändert blieben die schönen alten Stuben des rund 150 Jahre alten Tannahofs. Die Raumhöhe beträgt hier nur 2,10 Meter gegen-
über 2,70 Metern im neuen Teil.

Die zwischen Alt- und Neubau geschobene gläserne Fuge bringt nicht nur viel Licht ins Innere, sondern ermöglicht auch reizvolle Durch-blicke in sämtliche Richtungen.

Die zwischen Alt- und Neubau geschobene gläserne Fuge bringt nicht nur viel Licht ins Innere, sondern ermöglicht auch reizvolle Durch-
blicke in sämtliche Richtungen.

Jedes der neuen Zimmer hat einen großzügig dimensionierten, überdachten Balkon. Die Möblierung ist schnörkellos klar, das dominierende Material ist Holz.

Jedes der neuen Zimmer hat einen großzügig dimensionierten, überdachten Balkon. Die Möblierung
ist schnörkellos klar, das dominierende Material ist Holz.

Ganz unten im neuen Zimmertrakt ist der neue Wellnessbereich des Tannahofs eingerichtet. Er ist funktionell klar und verfügt über einen angenehm geschützten Außenbereich.

Ganz unten im neuen Zimmertrakt ist der neue Wellnessbereich des Tannahofs eingerichtet. Er ist funktionell klar und verfügt über einen angenehm geschützten Außenbereich.