Am Hang wohnen

Immo / 05.12.2019 • 10:22 Uhr / 8 Minuten Lesezeit
Hangseitig liegt das obere Geschoß des Haus Hohlen auf dem relativ steil abfallenden Hang auf. An zwei Seiten auskragend über den in den Hang geschobenen Sockel.

Hangseitig liegt das obere Geschoß des Haus Hohlen auf dem relativ steil abfallenden Hang auf. An zwei Seiten auskragend über den in den Hang geschobenen Sockel.

Aus der Geschäftigkeit der Stadt heraus wollten
Architekt Christian Mörschel und seine Frau.
Längere Wege wollten sie dafür in Kauf nehmen,
dafür dörfliche Struktur und Natur genießen können.
Sieben Jahre haben sie nach einem passenden Grundstück gesucht.
Als sie das auf der Fluh bei Dornbirn gesehen haben,
haben sie sich sofort wohlgefühlt, den gewidmeten Grund
gekauft und mit einem schnörkellos klaren Haus bebaut.

Sieben Jahre lang haben die Mörschels nach einem für sie passenden Haus bzw. Grundstück gesucht. Als sie den 150 Höhenmeter oberhalb von Dornbirn auf der Fluh gelegenen, über eine schmale und steile Straße erreichbaren kleinen Bauplatz mit dem Parzellennamen „Hohlen“ gefunden haben, hätten sie sofort gewusst, „das ist es, das hat auf uns gewartet“, so Mörschel. Der einzige direkte Nachbar wohnt etwas unterhalb in einem schönen Rheintalhaus, die anderen bleiben unsichtbar hinter bewaldeten Bergkappen, weshalb die Mör­schels das für sie wunderbare Gefühl haben, hier oben praktisch allein mitten in die Natur gebaut zu haben. Und doch gehört ihr Haus zur Bergparzelle; die Volksschule Heiligenreuthe kann zu Fuß erreicht werden.

In den Hangzonen über Dornbirn wechseln sich Felder, Wälder und dörfliche Bebauung rhythmisch ab. Um diese einzigartige landschaftliche Qualität zu halten sind die bestehenden Siedlungsgrenzen oberstes Gebot der Stadtplanung. Bei rechtsgültiger Widmung jedoch sind die Mittel der Behörde erschöpft. Nach innen dürfen sich die bestehenden Dörfer am Hang entwickeln.

Sein eigener Bauherr zu sein, sei gar nicht so leicht, wie man sich das vielleicht vorstellt, sagt Christian Mörschel, Inhaber des Dornbirner Büros Juniwind Architektur. Wobei der eigentliche Bauherr ja seine Frau gewe­sen sei, relativiert der dreifache Familienvater, sie seien sich aber sehr bald einig gewesen, angefan­gen vom architektonischen Ent­wurf bis zur Wahl der Materialien. Die Architektur des Hauses ergänzt das Dorf an dessen Rand bewusst zeitgenössisch. Die Formen sind klar, die Materialien pur, die Strukturen durch viel Glas durchlässig.

Auf eine rela­tiv steil abfallende Wiese gestellt bzw. gesteckt, mit Ausmaßen, wie sie laut Widmung maximal haben ausfallen dürfen. Immerhin stattliche 240 Quadratmeter Wohnnutzfläche sind es geworden, die, schaut man nicht ganz genau hin, in eine Struktur aus Sichtbeton eingeschrieben zu sein scheinen. In Wirklichkeit war zwar Beton das Material der Wahl, der über der Außendämmung aber im Sockelbereich einen dunkel lasierten Strukturputz verpasst bekommen hat, während der Putz oben fein abgerieben und weiß gestrichen wurde. Im Gegensatz zum unteren Geschoß, das relativ geschlossen daherkommt, ist das obere weit-
gehend gläsern aufgelöst und kragt über das Darunter auf zwei Seiten weit aus. Formale Strukturen verpassen dem Haus einerseits die markanten horizontalen, an den Stirnseiten umlaufend mit weißen Blechstreifen verkleideten Linien des begrünten Flachdachs bzw. der Zwischendecke, die durch die vertikal, starr in unregelmäßigen Abständen gesetzten hölzernen Lamellen in der oberen Ebene reizvoll konterkariert werden.

Das durch seine ausgesetzte Lage mit seinen unverstellten Blicken auf die Schweizer Berge und ein kleines Stückchen vom Bodensee genauso wie auf die Kühe auf der Wiese nebenan kommt das Haus in gewisser Weise fast wie ein Hochsitz daher.

Links vom mittig gesetzten Hauseingang bzw. der Garderobe befindet sich die Garage, rechts davon liegen talseitig drei identisch große, raumhoch verglaste Zimmer für die Kinder der Mörschels mit direktem Zugang zu einer vorgelagerten Terrasse. Stauräume verschwinden fast unsichtbar hinter bündig in die weißen Wände gesetzten, ebenfalls weißen Türen. Rückseitig in den Hang hineingegraben befinden sich neben Technik- und Abstellräumen ein Bad und ein WC. Eine zweiläufige, durch ein riesiges Fenster belichtete Treppe mit einem Geländer aus Schwarzstahl erschließt das obere Geschoß, in dem gewohnt, gekocht und gearbeitet wird, aber auch die Eltern neben einem großen Bad schlafen. Der raffiniert zonierte, fast komplett raumhoch verglaste Wohnbereich ist ohnehin schon groß. Er wird riesig, wenn die Schiebetüren südwestlich zur angenehm über­deckten, unterschiedlich breiten Terrasse geöffnet sind. Vor zu viel Sonne geschützt durch eine semit­ransparente Folie, die sich wie ein Sonnenschirm aufspannen lässt.

Wie wichtig Christian Mörschel die Reduktion auf nur wenige stimmige Materialien bzw. Farben ist, ist in jedem Detail spürbar. Bei den großen hellen Fliesen, die im ganzen, per Wärmepumpe beheizten, kontrolliert be- und entlüfteten Haus am Boden liegen, bei der Gestaltung des Bades genauso wie der Küche. Die Holz-Alu-Fenster sind außen schwarzbraun, die Decke im Obergeschoß ist mit unterschiedlich breit geschlitztem Eichenholz verkleidet.

„Auch die bereits gewidmeten Grundstücke in den erschlossenen Bergparzellen und Hangzonen sind meiner Ansicht nach Baulücken. Sie können und sollen geschlossen werden.“

Selbst das Bad hat einen Ausgang auf die Terrasse. Die am Boden liegenden sechseckigen Fliesen sind hier monochrom mustrig, die für die an den Wänden in Streifen geschnitten wurden.

Selbst das Bad hat einen Ausgang auf die Terrasse. Die am Boden liegenden sechseckigen Fliesen
sind hier monochrom mustrig,
die für die an den Wänden in Streifen
geschnitten wurden.

Die außen mit weißem Blech überzogene Zwischendecke bzw. das Flachdach verpassen dem Baukörper eine markante horizontale Struktur, konterkariert durch die zwischen beide vertikal eingespannten hölzernen Lamellen.

Die außen mit weißem Blech überzogene Zwischendecke bzw. das Flachdach verpassen dem Baukörper eine markante horizontale Struktur, konterkariert durch die zwischen beide vertikal eingespannten hölzernen Lamellen.

Eine großzügig dimensionierte, südwestlich ausgerichtete überdachte Terrasse lässt die Grenzen zwischen innen und außen verfließen. Die Lamellen geben mental Schutz, ohne die Blicke zu verstellen.

Eine großzügig dimensionierte, südwestlich ausgerichtete überdachte Terrasse lässt die Grenzen zwischen innen und außen verfließen. Die Lamellen geben mental Schutz, ohne die Blicke zu verstellen.

Der riesige, 2,80 Meter hohe Wohnbereich ist angenehm zoniert. Am Boden liegen, wie überall im Haus, große graue Fliesen, die Decke ist mit unbehandelter, in unterschiedlicher Breite geschlitzter Eiche verkleidet.

Der riesige, 2,80 Meter hohe Wohnbereich ist angenehm zoniert. Am Boden liegen, wie überall im Haus, große graue Fliesen,
die Decke ist mit unbehandelter,
in unterschiedlicher Breite
geschlitzter Eiche verkleidet.

Die Küchenmöbel sind klar und weiß, am frei im Raum stehenden Küchenblock liegt eine Arbeitsplatte aus Edelstahl. Unsichtbar hinter den Möbeln versteckt sich eine geräumige Speisekammer.

Die Küchenmöbel sind klar und weiß, am frei im Raum stehenden Küchenblock liegt eine Arbeitsplatte aus Edelstahl. Unsichtbar hinter
den Möbeln versteckt sich eine geräumige Speisekammer.

Das mittig erschlossene Haus öffnet sich zu einer Garderobe. Eine in Eiche gerahmte gläserne Tür fungiert als Barriere zum eigentlichen Wohnbereich, der über eine zweiläufige Stiege erschlossen wird.

Das mittig erschlossene Haus öffnet sich zu einer Garderobe. Eine in Eiche gerahmte gläserne Tür fungiert als Barriere zum eigentlichen Wohnbereich, der über eine zweiläufige Stiege erschlossen wird.

Der Fußboden des Haus Hohlen wird zwar durch eine Wärmepumpe beheizt, ein in eine Bücherwand einge-lassener offener Kamin kann zusätzlich für heimelige Atmosphäre sorgen.

Der Fußboden des Haus Hohlen wird zwar durch eine Wärmepumpe beheizt, ein in eine Bücherwand einge-

lassener offener Kamin kann zusätzlich für heimelige Atmosphäre sorgen.

Die Vorliebe der Bauherren für wenige pure Materialien und klare Formen zeigt sich auch im Elternschlafzimmer. Auch hier liegen am Boden Fliesen, die Wände sind weiß, die Decke ist mit Eiche verkleidet.

Die Vorliebe der Bauherren für wenige pure Materialien und
klare Formen zeigt sich auch im Elternschlafzimmer. Auch hier liegen am Boden Fliesen, die Wände sind weiß, die Decke ist mit Eiche verkleidet.