Work-Life-Dynamik statt Balance

11.05.2018 • 07:06 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Matthias Horx vertritt die Meinung, dass eine Balance nicht der Realität mit Turbulenzen entspricht. xl
Matthias Horx vertritt die Meinung, dass eine Balance nicht der Realität mit Turbulenzen entspricht. xl

Zukunftsforscher Matthias Horx rät dazu, Prioritäten zu setzen.

Schwarzach Die Suche nach der Balance zwischen Beruf und Familie ist in aller Munde. Als ob das eine das andere ausschließen würde. Schließlich hört das Privatleben nicht einfach auf, wenn wir am Montagmorgen zur Arbeit gehen. Und es beginnt auch nicht von vorne wenn wir abends wieder heimkommen. Trotzdem könnte man das Gefühl bekommen, dass das eine weit verbreitete Meinung ist. Und es ist genau diese Einstellung, die dazu führt, dass wir zu viel arbeiten und zu wenig für uns selbst tun.

Auch der Zukunftsforscher Matthias Horx vertritt die Meinung, dass die Idee, zwischen „Arbeit“ und „Leben“ ließe sich eine perfekte Balance herstellen, eines der konzeptuellen Missverständnisse der Neuen Arbeit ist. Ganz davon zu schweigen, dass das Ideal sowieso nicht der Realität und ihrer Turbulenzen entspricht. Denn wer „halb“ arbeitet und „halb“ lebt, macht eigentlich beides nicht wirklich.

Prioritäten setzen

Doch warum wird das Wort „Balance“ nicht einfach durch das Wort Work-Life-Dynamik ersetzt. Es gibt Zeiten im Leben, in denen das Leben die Arbeit ergreift – Arbeit wird dann schöpferische Zeit. Und es gibt Zeiten, in denen die Familie in ihren vielen Formen Freiräume vom Job einfordert. Dazwischen müssen wir improvisieren, kombinieren, hin- und herschwingen. Man kann sein Vater- oder Muttersein nicht beim Pförtner abgeben, ebenso wenig wie man seinen Beruf in der heimatlichen Garage lässt. Im besten Sinne können sich beide Sphären gegenseitig befruchten, und zwar: Kreativität, Resilienz, Störungsbereitschaft, Neugier und zu guter Letzt: Lebensfreude.

Horx ist überzeugt: „Es ist viel anstrengender, mit zwei überfordernden Situationen zurechtzukommen – beispielsweise im Halbtagsjob und in der Familie.“ Prioritäten setzen hingegen sei einfacher: Ich nehme mich für eine bestimme Zeit aus dem Berufsleben heraus und mache nur Projektarbeit von zu Hause aus, um Zeit für die Familie zu haben. Im Grunde ginge es darum, die Un-Balance zu organisieren. Für den Zukunftsforscher gehört auch immer Chaos und die Tatsache, dass die Grenze zwischen Privat- und Berufsleben immer mehr verschwimmt, dazu. „Wir müssen das Chaos umarmen, improvisieren und dürfen uns nicht schämen, eine Entscheidung für das eine und gegen das andere zu treffen“, mahnt der 63-Jährige nochmals ein. Im Mittelpunkt stehen nämlich auch die Fragen: Wer bin ich? Was ist meine Identität?