Nachhaltig, sozial und nah – Bettina Siller ist die neue Chefin im Brockenhaus Leiblachtal

Nachhaltigkeit ist nur ein Teil vom Brockenhaus Leiblachtal. Es ist ein Ort, der ein starkes Miteinander pflegt.
Darum geht’s:
- Bettina Siller ist neue Leiterin im Brockenhaus Leiblachtal.
- Brockenhaus verbindet Second-Hand-Laden mit sozialer Integration.
- Konzept: Spenden, nachhaltiger Verkauf, soziale und regionale Einbindung.
Lochau Zahlreiche Kundinnen und Kunden warten vor dem Geschäft und hoffen, dass sie die Ersten sind, wenn die Brockenstube öffnet. Zwischen Geschirrregalen, Bücherstapeln und liebevoll dekorierten Ecken wird schnell klar: Das Brockenhaus Leiblachtal ist mehr als ein Secondhand-Laden. Es ist ein Ort der Begegnung und für Bettina Siller seit dem 1. April 2026 eine neue berufliche Heimat.
Bewusst für Verantwortung entschieden
Die neue Leiterin bringt dafür einen ungewöhnlichen Lebenslauf mit. Einzelhandel, Büro, Sozialbetreuung – Stationen, die sich für Siller genau hier bündeln. “Das vereint alles, was ich bisher gemacht habe”, sagt sie. Die ausgeschriebene Stelle sei für sie deshalb mehr gewesen als nur ein Jobwechsel, eine bewusste Entscheidung für eine Aufgabe mit Sinn und Verantwortung.

Das Konzept des Brockenhauses ist schnell erklärt – und doch vielschichtig: Gespendete Waren werden angenommen, geprüft, aufbereitet und wieder in den Verkauf gebracht. Vom Buch bis zur Vase, von Kleidung bis zu Geschirr reicht die Auswahl. “Es gibt eigentlich nichts, was es nicht gibt”, sagt Siller und lacht. Ergänzt wird das Angebot durch regionale Produkte sowie ein kleines Café, das den Einkauf zum Aufenthalt macht.

Gerade diese Mischung macht den besonderen Reiz aus. Wer hier einkauft, sucht oft nicht nur ein Produkt, sondern ein Erlebnis. Das Publikum ist entsprechend breit: “Es kommen alle – nicht nur Menschen, die sparen müssen”, betont Siller. Nachhaltigkeit spiele dabei eine immer größere Rolle. Dinge weiterzuverwenden, statt sie wegzuwerfen, werde für viele zur bewussten Entscheidung.

Doch der eigentliche Kern des Brockenhauses liegt tiefer. Als Teil der Lebenshilfe steht vor allem die soziale Dimension im Mittelpunkt. Menschen mit Beeinträchtigungen arbeiten im Betrieb mit, übernehmen Aufgaben im Verkauf oder in der Warenaufbereitung. “Sie sind mittendrin statt am Rand”, sagt Siller. Der Kontakt mit Kundinnen und Kunden, das gemeinsame Arbeiten – all das schaffe Selbstvertrauen und Teilhabe.
Betriebswirtschaft für den guten Zweck
Auch wirtschaftlich ist das Projekt klar verankert: Die Einnahmen fließen zurück in die Struktur – in Personal, Infrastruktur und Angebote für die betreuten Menschen. “Alles kommt wieder dem Zweck zugute”, erklärt Siller. Gleichzeitig ermögliche der Betrieb auch kleine Extras, etwa gemeinsame Feiern oder besondere Erlebnisse.
In Lochau selbst hat sich das Brockenhaus längst etabliert. Stammkundschaft, regelmäßige Besucherinnen und Besucher und ein stetiges Kommen und Gehen prägen den Alltag. Für viele ist der Ort Treffpunkt und Fixpunkt zugleich.

Mit der Übernahme tritt Siller in die Fußstapfen von Jürgen Bürlacher, der das Brockenhaus über Jahre aufgebaut und geprägt hat. Große Veränderungen plant sie vorerst nicht. “Er hat hier etwas Großartiges geschaffen”, sagt sie. Die Richtung ist dabei klar: Das Brockenhaus soll ein Ort bleiben, an dem Menschen zusammenkommen – unabhängig von Herkunft oder Hintergrund. “Der Mensch steht im Mittelpunkt”, betont Siller. Und vielleicht ist genau das der Grund, warum ein Besuch hier oft länger dauert als geplant.
ÖFFNUNGSZEITEN
BROCKENHAUS LEIBLACHTAL Lochau
Montag: Geschlossen
Dienstag bis Freitag: 9 bis 18 Uhr
Samstag: 9 bis 12 Uhr