Walter Fink

Kommentar

Walter Fink

Ausländische Gastarbeiter

Kultur / 16.11.2012 • 22:16 Uhr

Leicht hat es das von Jörg Haider ins Leben gerufene BZÖ derzeit nicht. Denn ihre Vertreter im Parlament werden reihenweise von Frank Stronach abgeworben, haben bereits einen eigenen Klub im Nationalrat gebildet und damit Chancen, ins nächste Parlament einzuziehen. Mit dem BZÖ wäre ihnen das sicher nicht gelungen.

Mit dabei auch der bisherige Vorarlberger BZÖ-Obmann Christoph Hagen, der es bei Stronach gleich schon zum stellvertretenden Klubobmann gebracht hat. Seine ehemaligen Bündnis-Freunde müssen nun ohne ihn auskommen. Der neue BZÖ-Landesobmann Manfred Dorn meint, dass das auch gut gelingen wird, denn er erwartet sich bei der nächsten Nationalratswahl nicht weniger als ein zweistelliges Ergebnis.

In einem Interview mit Radio Vorarlberg hat Dorn über seine eigene politische Anschauung gemeint, er sei „ein Freiheitlicher nach dem Muster Jörg Haider“, ohne allerdings darauf einzugehen, dass Haider nur durch seinen frühen Tod von strafrechtlicher Verfolgung verschont geblieben ist. Für das Land Vorarlberg erwartet sich Manfred Dorn bei der Wahl den Einzug in den Landtag, denn „ohne solche Ziele muss man gar nicht antreten“. Allerdings wünscht er sich einen anderen Landtagswahlkampf als beim letzten Mal, denn damals habe ausschließlich der „Exil-Juden-Sager von Dieter Egger“ das Thema bestimmt. Und dann macht Dorn deutlich, wie er sich das vorstellt.

Nach Manfred Dorns Meinung nämlich hätten sich „ausländische Gastarbeiter“ wie David Pountney (Intendant der Bregenzer Festspiele) und Hanno Loewy (Direktor des Jüdischen Museums) nicht in die Landespolitik einzumischen. Konkret: „Seit 1955, dem Ende der Besatzung in Österreich, haben ausländische Mächte hier nichts mehr zu sagen.“ Schnell kam die Korrektur: Pountney und Loewy seien natürlich keine „ausländischen Mächte“.

Aber: „Wenn ausländische Kulturgrößen mit Landesgeld gut bezahlt werden, sollten sie sich aus der Tagespolitik heraushalten. Das sollte man sogar in den Verträgen mit ihnen festhalten.“ Das ist schon erstaunlich: Nach dem „Juden-Sagen“ von Egger äußert sich der frisch gebackene BZÖ-Obmann ganz ähnlich. Er hat nur ein Glück: Er sitzt nicht in der Landesregierung, kann deshalb auch dort nicht hinausgeworfen werden. Vielleicht muss man sich aber überlegen, ob man ihn unter solchen Umständen wählen kann.

walter.fink@vn.vol.at
Die Meinung des Gastkommentators muss nicht mit jener in der Redaktion übereinstimmen.