Museum: Man kann sich freuen
Die Überraschung war perfekt. Als ich letzte Woche in Bregenz durch die Straßen ging, wußte ich nicht ganz, wie mir geschah. Mir unbekannte Menschen redeten mich an, gratulierten mir zu meinen offenen Worten, andere, die mich kannten, fragten mich, ob ich jetzt völlig verrückt geworden sei und wie ich dazu komme, einen solchen Unsinn zu verbreiten. Wie gesagt, ich wußte nicht, wie mir geschah. Denn ich ging an diesem Tag entgegen meiner Gewohnheit außer Haus, ohne die Zeitung gelesen zu haben. Und so hatte ich jenen Leserbrief versäumt, in dem sich ein gewisser „Walter Fink aus Hörbranz“ nicht gerade freundlich über die Architektur des neuen Landesmuseums ausgelassen hatte. Es war mir, um es zurückhaltend zu sagen, ziemlich peinlich, mit dieser Meinung zu neuer, wichtiger Architektur des Landes in Verbindung gebracht zu werden.
Der Vorfall zeigt, dass es höchste Zeit ist, hier meine Meinung zum Bau von Andreas Cukrowicz und Anton Nachbaur festzuhalten. Nachdem der wunderbare Bauvorhang von Karl Heinz Ströhle abgeräumt ist, zeigt sich das Haus in seinen verschiedenen, auch verschieden zu bewertenden Seiten. Da ist einmal die Front an den Kornmarktplatz, die sich nach Fertigstellung des neuen Platzes erst richtig präsentieren wird. Es ist ein kräftiger Kubus, der da steht, eine riesige Fläche, die durch die Reliefs des Südtiroler Künstlers Manfred Alois Mayr – entstanden in gemeinsamer Arbeit mit den Architekten – hervorragend aufgelockert wird und zu einem interessanten Licht-Schatten-Spiel führen sollte. Besonders schön die messinggefassten Fenster, deren derzeitiges Gold in Kürze einem dunklen Ton weichen wird, mit den relieffreien Flächen um die Fenster, die der großen Fassade Spannung verleihen.
Etwas anders die Seeseite des Museums, auf der nach einem Beschluss der damaligen Landeskonservatorin Renate Madritsch die alte Fassade der Bezirkshauptmannschaft erhalten werden musste. Heute zeigt sich erst wirklich deutlich: Das war eine Fehlentscheidung, denn diese Fassade war schlicht nicht erhaltenswert. Allerdings zeigt sich auch hier die Meisterschaft von Cukrowicz/Nachbaur, die trotz dieser Einschränkung einen sehr anständigen Bau geplant haben. Insgesamt ist das Museum also eine höchst erfreuliche Erweiterung der Kulturbauten in Bregenz.
walter.fink@vn.vol.at
Die Meinung des Gastkommentators muss nicht mit jener in der Redaktion übereinstimmen.
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