Walter Fink

Kommentar

Walter Fink

Die dritte Möglichkeit fehlt

Kultur / 15.01.2013 • 21:56 Uhr

Skylla und Charybdis waren nach der griechischen Mythologie zwei Meerungeheuer, die auf beiden Seiten der Straße von Messina ihr Unwesen trieben. Skylla hatte sechs Köpfe mit drei Zahnreihen im Maul und fraß alles, was ihr unterkam, Charybdis sog dreimal am Tag Meerwasser in ihr riesiges Maul, um es dann wieder auszuspucken. Schiffe, die vom einen oder anderen Ungeheuer erwischt wurden, waren rettungslos verloren. So sagt man, wenn man nur zwei schlechte Möglichkeiten hat, man habe die Wahl zwischen Skylla und Charybdis. Genau die haben wir am kommenden Sonntag bei der Volksbefragung über die allgemeine Wehrpflicht oder ein Berufsheer. Denn, mit Verlaub, das eine ist so übrig wie das andere. Unser Problem ist nicht ein künftiger Krieg, unsere Soldaten haben die einzig vernünftige Aufgabe, bei Katastrophen helfend einzugreifen. Dafür sollen sie ausgebildet sein. Aber nicht im Exerzieren oder in anderen Dummheiten.

Deshalb fehlt bei dieser Volksbefragung die dritte, die entscheidende Wahlmöglichkeit, nämlich: Sind sie für die Abschaffung des Bundesheers und für einen allgemeinen Sozialdienst im Sinne des bisherigen Zivildienstes? Das nämlich wäre die einzig richtige Entscheidung. Niemand kann mir erklären, was daran gut ist, wenn man jungen Männern lernt, wie sie mit Waffen umgehen sollen, die keinen anderen Zweck verfolgen, als andere Menschen zu töten oder zumindest zu verletzen. Es ist noch nicht lange her, da haben wir bei uns die Folgen des Militarismus gesehen, täglich können wir im Wohnzimmer die Kriege dieser Welt verfolgen, Männer, die Waffen bedienen, und solche, die davon getroffen werden. Auch Frauen und Kinder, die davon betroffen sind. Wollen wir das wirklich? Natürlich nicht.

Wenn wir das aber nicht wollen, dann müssen wir anfangen, Frieden ohne Waffen zu sichern. Wir brauchen also keinen Verteidigungsminister, schon gar keinen Kriegsminister, sondern eine Friedensministerin. Wir sind ein neutraler Staat, haben (zumindest derzeit) keine Feinde auf dieser Welt. Also haben wir doch den Mut zu einem solchen Schritt! Ganz im Sinne der großen österreichischen Pazifistin Bertha von Suttner, die als erste Frau 1905 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde und die das Buch geschrieben hat: „Die Waffen nieder!“ Das sollte auch heute noch gelten.

walter.fink@vn.vol.at
Die Meinung des Gastkommentators muss nicht mit jener in der Redaktion übereinstimmen.