Walter Fink

Kommentar

Walter Fink

Jetzt wird nicht gejuchzt!

Kultur / 22.02.2013 • 19:20 Uhr

Sein 75. Geburtstag liegt schon länger zurück – genau war er am 31. Oktober des vergangenen Jahres. Wirklich gefeiert aber wird er erst dieser Tage. Im ORF Vorarlberg gab es gestern eine Veranstaltung, seine Heimatgemeinde Schnifis wird ihn heute um 20 Uhr im Laurentius-Saal mit einem „Fest für Gerold“ ehren.

Gemeint ist Gerold Amann, der aus Schnifis stammende Vorarlberger Komponist, eine der, wie es in der Einladung heißt, „großen Musikerpersönlichkeiten Vorarlbergs mit internationaler Ausstrahlung“. Der Ort der Feier ist programmatisch, denn Laurentius von Schnifis, der andere große Dichter und Komponist aus der Walgaugemeinde, gab dem Saal den Namen.

Und Johann Martin, der sich später als Kapuzinermönch Laurentius nannte, ist heute nicht zuletzt deshalb noch im Bewusstsein, weil sich Gerold Amann immer wieder mit seiner Musik – auch wissenschaftlich – beschäftigte, sie aufgeführt und auch bearbeitet hat.

Neben anderem boten die griechische Mythologie und vor allem die Natur den Stoff, aus dem Laurentius seine Werke schuf. Und auch hier folgt Gerold Amann seinem Beispiel: Nichts gibt es für ihn, das nicht zu Tönen wird. In einer Biografie schreibt er: „Am meisten lernte ich durch Hinhören auf alles, was mir begegnete: Tiere, Maschinen, meinen eigenen Körper. Ich wurde ein Arrangeur von Schall­ereignissen aller Art.“ Das hat alles schon früh begonnen. Als Kind wollte er Freude durch Musik, etwa durch Juchzen, ausdrücken, wurde aber zurechtgewiesen: „Jetzt wird nicht gejuchzt! Es ist Krieg!“ Dennoch bestimmte Musik sein Leben – bis heute.

Als Gymnasiast machte er Tanzmusik, während des Musikstudiums (dazu noch Psychologie) spielte er in einer Jazzband, war dann Lehrer für Musik am Gymnasium Bludenz und am Landeskonservatorium, Lehrer auch heute bedeutender Musikschaffender.

Und daneben komponieren, komponieren, komponieren. Und das Komponierte dann auch aufführen – was die vermutlich schwierigste Aufgabe war. Denn das kostet Geld, viel Geld. Und mit dem wurde und wird die neue Musik auch in Vorarlberg nicht gerade überschüttet. Trotzdem: Bei uns wurde Gerold Amann zum wichtigsten Wegbereiter zeitgenössischer Musik, viele haben erst durch ihn das Verständnis oder gar die Liebe dafür gefunden. So sollte man also beim heutigen Fest sagen: „Jetzt wird gejuchzt!“ Zu Ehren von Gerold Amann.

walter.fink@vn.vol.at
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