Walter Fink

Kommentar

Walter Fink

Die Kühe haben ältere Rechte

Kultur / 26.04.2013 • 19:43 Uhr

Seit mehr als tausend Jahren bewirtschaften die Bregenzerwälder Bauern ihre Alpen, der Wechsel im frühen Sommer vom Tal über das Vorsäß auf die Alpe und dann im Herbst zurück ist damit Teil ihres Lebens geworden. Über lange Zeit war der Tag, an dem auf die Alpe gezogen wurde, das Fest des heiligen Kilian, also der 8. Juli, der Tag der Rückkehr Heiligkreuztag, also der 14. September. Seit Langem aber sind diese Tage nicht mehr so klar geregelt, die Änderung der klimatischen Verhältnisse hat die Termine verändert. Damit ist auch der früher auf den 15. September fixierte Alptag in Schwarzenberg auf einen früheren Tag, den zweiten Samstag im September gewandert. Und das war der Stein des Anstoßes, denn zu diesem Termin gibt es in Schwarzenberg auch die Schubertiade. Und die verträgt sich, so meint Geschäftsführer Gerd Nachbauer, nicht mit den Kühen.

Kunst versus Bauern – der Konflikt schien spannend zu werden. Doch Nachbauer stellte ein Ultimatum: Entweder der Alptag – und noch einige andere Dinge, die ihm nicht passen – oder die Schubertiade. „Wenn fünf Bauern beschließen, wir machen jetzt den Alptag während der Schubertiade, dann traut sich keiner was sagen, dann findet das statt.“ So Nachbauer, der der Gemeinde, der Region und auch dem Land ein Ultimatum stellte: Entweder gehe man auf seine Bedingungen ein oder die Schubertiade ziehe sich aus Schwarzenberg zurück. Die Drohung wirkte: Die Bauern wurden zum Landeshauptmann zitiert. Die Schubertiade bleibt. Vorläufig.

Drohungen muss man bei Nachbauer ernst nehmen. Denn er hat schon früher bei ehemaligen Schubertiade-Stätten verbrannte Erde hinterlassen. Beispiele sind Hohenems (wohin er nach langer Pause wieder zurückgekehrt ist), Feldkirch, Lindau, Achberg oder auch Bezau. Schwarzenberg hat viel in die Schubertiade investiert. Der Angelika-Kauffmann-Saal wurde auf Drängen von Gerd Nachbauer nach seinen Wünschen mit viel öffentlichem Geld errichtet, die Schubertiade gastiert in diesem Saal, ohne dafür Miete zu bezahlen. Lediglich die direkten Kosten werden verrechnet. Natürlich bringt die Schubertiade der Gemeinde und der Region wirtschaftlich viel, natürlich wird hier Kunst auf höchstem Niveau geboten. Und trotzdem hätte man sich den Umgangston etwas dezenter gewünscht – schließlich haben die Kühe ältere Rechte als die Schubertiade.

walter.fink@vn.vol.at
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