Spannend wird es in jedem Fall
Bei einem Besuch Anfang dieser Woche im neuen vorarlberg museum hätte man (fast) jede Wette gehalten, dass es mit der Eröffnung am Freitag, also gestern, nichts werden kann. Zu vieles war da noch ungeordnet, zu leer waren da noch manche Winkel und ganze Räume, von Details ganz zu schweigen.
Und doch, wie immer bei Großbaustellen, zur Stunde war alles fertig. So fertig, wie ein Museum bei der Eröffnung sein kann. Denn jedes Museum ist ein stetes work in progress, ist also nie fertig. Das gilt auch und ganz besonders für das neue Museum in Bregenz. Ganz besonders deshalb, weil dem neuen Team um Direktor Andreas Rudigier gerade einmal zwei Jahre zur Vorbereitung gegeben waren. Denn was vom Vorgänger Tobias Natter hinterlassen wurde, war vieles, aber ganz sicher kein Konzept für ein neues Museum. Zumindest ein halbes Jahr mehr Zeit hätte man deshalb dem neuen Museum geben müssen.
Zu wenig Zeit war bis jetzt auch, die Dinge genauer anzuschauen. In einem Museum geht es zwar schon auch um einen Gesamteindruck, viel mehr aber noch ums Detail, um scheinbare Kleinigkeiten, um Beschriftungen, um Zusammenhänge, die hergestellt oder eben auch nicht hergestellt werden. Gerade ein Landesmuseum muss so viele Vorgaben erfüllen, dass ein Scheitern zumindest in einzelnen Abschnitten nur schwer zu vermeiden ist.
Eines aber wage ich nach einem ersten Rundgang zu behaupten: Langweilig ist das vorarlberg museum nicht. Man ist nicht in alte Muster verfallen, man hat zumindest versucht, neue Wege zu gehen. Für manche Bereiche wage ich schon jetzt die Behauptung: mit Erfolg versucht. Sich einem Land zum Beispiel auch über seine Klänge zu nähern, ist eine spannende Sache; die Römer in Bregenz sind besonders präsentiert und ebenso erläutert; das Land von A bis Z war schwer vorstellbar, ist in seinem immensen Variantenreichtum aber doch ganz erstaunlich; schließlich ist die Ausstellung zur Geschichte des Landes in seiner Fülle und in seinen vielen Bezügen nach oberflächlicher Besichtigung nicht wirklich zu bewerten – das wird aber nachzuholen sein.
Vor allem: Man muss das Museum besuchen, nicht jetzt mit den Massen, sondern nachher. Mit Zeit und Interesse. Wenn möglich auch mit kritischem Sachverstand. Und wie immer das Ergebnis ausfallen wird: Es ist ein Freude, dass wir wieder ein Museum haben.
walter.fink@vn.vol.at
Die Meinung des Gastkommentators muss nicht mit jener in der Redaktion übereinstimmen.
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