Schwierige Töne bei Festspielen
Wie immer waren auch heuer die zwei ersten Tage der Bregenzer Festspiele eine Hoch-Zeit für Vorarlberg, für die Kultur ebenso wie für die Politik und Gesellschaft. Nie sonst ist Bregenz so international, nie sonst begegnet man hier so vielen Menschen, die in Österreich in vielen Bereichen das Sagen haben. Das tut diesem Land gut, es tut auch dem Selbstwertgefühl der Vorarlberger gut. In Wahrheit aber geht es natürlich nicht um unser Ego, sondern um die Kunst, die bei den Festspielen im Mittelpunkt steht. Oder zumindest stehen soll.
Die ersten Tage brachten aber auch schwierige Töne. Erstmals bei der Eröffnung, die zwar einen fulminanten musikalischen Start hinlegte, bei der ich aber manch gewichtiges inhaltliche Wort vermisste. Vor allem, dass Österreichs höchste Kunstvertreterin, Ministerin Claudia Schmied, kein Wort über ihre Profession, nämlich die Kunstpolitik, verlor, dafür über Liebe faselte, das war nur schwer verdaulich. Hier hätte Schmied ein Publikum gehabt, dem sie Neues aus ihrer Politik hätte erzählen können. Aber wahrscheinlich hat sie nichts Neues zu bieten – so wie es in den vergangenen Jahren auch nie Neues gab. Nach dieser Enttäuschung bei der Eröffnung hoffte ich auf den Abend, auf die „Zauberflöte“ auf der Seebühne. Doch auch hier blieb ich etwas ratlos zurück. Niemand konnte mir wirklich erklären, warum die drei Damen nicht als Damen, sondern als marionettenhafte Riesenvögel auf der Bühne agierten, niemand auch, warum die drei Knaben, die Tamino zum Guten, zum Licht begleiten sollten, wie Missgeburten mit Riesenköpfen auftraten. Schließlich blieb mir das Bühnenbild mit den drei bestimmenden Fabelfiguren, den Drachen oder Hunden, ein Rätsel bis zum Schlussauftritt, den ich auch nicht wirklich nachvollziehen konnte. Vielleicht aber liegt das alles nur an mir.
So wie auch mein Unbehagen bei der Hausoper „Der Kaufmann von Venedig“ auf meine Unkenntnis zurückzuführen sein mag. Ich aber hatte bisweilen geradezu körperliches Unbehagen mit der Rolle des jüdischen Geldverleihers Shylock. Nun kann man dem jüdischen Komponisten André Tchaikowsky keine antisemitische Haltung unterstellen – auf der Bühne aber tritt sie für mich unverkennbar hervor. So entließ mich das Stück trotz Berührung durch die Musik mit sehr gemischten Gefühlen, geradezu in Verwirrung. Möge es anderen Besuchern besser gehen.
walter.fink@vn.vol.at
Die Meinung des Gastkommentators muss nicht mit jener in der Redaktion übereinstimmen.
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