Ein Dorf ändert sein Gesicht
So schnell wie Andelsbuch hat sich in Vorarlberg kaum einmal eine Gemeinde verändert. Und das auch noch sehr positiv. Innerhalb von zwei Jahren sind in der Bregenzerwälder Gemeinde zwei Bauvorhaben umgesetzt worden, die an markanten Punkten stehen, damit entscheidend ins Ortsbild eingreifen.
Einmal das neue Gebäude der Wälder Versicherung und dann das neue Werkraumhaus. Begonnen hat diese optische Änderung von Andelsbuch aber schon vor zehn Jahren, als die Gemeinde den Mut gehabt hat, ein Rathaus der besonderen Form zu bauen. Nach Plänen der Architekten Ennulat/Geser/Felder wurde 2003 ein würfelförmiger Kubus auf Stelzen errichtet – ein deutlicher Hinweis auf die Geschichte des alten Rathauses auf der Bezegg. Solcher Mut findet nun erfreuliche Fortsetzung.
Die Wälder Versicherung hat für ihren Neubau im Ortszentrum, in direkter Nachbarschaft zur Kirche und zum Rathaus, nach einem Wettbewerb (übrigens beschränkt auf Wälder Architekten) die Architektengemeinschaft Haller/Natter mit der Planung beauftragt. Entstanden ist ein ungewöhnlicher Baukörper, klar in seiner einfachst möglichen Hausform, mit einer Holzfassade, die sich dann auch übers Dach fortsetzt.
Ein „Hingucker“, wie man so schön sagt. Und schräg gegenüber, auch gegenüber vom Rathaus, steht nun das nächste architektonische Ereignis. Da präsentiert sich unübersehbar die neue Heimat der Bregenzerwälder Handwerker, das Werkraumhaus von Peter Zumthor. Der Schweizer Architekt, bei uns bekannt durch das Kunsthaus Bregenz, gilt inzwischen ja weltweit als einer der ganz Großen, ausgezeichnet mit dem Pritzker-Preis. Zumthor hat mit diesem Bau eine schwarze Schneise in Andelsbuch geschlagen, einen niedrigen, langen Baukörper, klar in seiner inneren und äußeren Form, fast landschaftsdurchlässig könnte man sagen. Der geschlossene und der offene überdachte Raum halten sich die Waage, auch hier gehen innen und außen ineinander über.
Man muss nicht besonders weitsichtig sein, um vorherzusagen, dass Andelsbuch sogar in dem mit architektonischen Feinheiten reichen Bregenzerwald ein neues Zentrum für Architekturtourismus werden wird. Natürlich vor allem wegen des Zumthor-Baus, mit dem sich die achtzig Handwerker des Werkraums ein sehr kluges Geschenk gemacht haben, in dem sie derzeit zudem eine spannende Werkschau präsentieren.
walter.fink@vn.vol.at
Die Meinung des Gastkommentators muss nicht mit jener in der Redaktion übereinstimmen.
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